Wien/Jps. Die österreichische Post leidet nach wie vor unter dem Image, wenig effizient zu sein. Ihr Chef Georg Pölzl treibt die mit seinem Amtsantritt im Jahr 2009 begonnene Umstrukturierung deshalb zügig voran.
Die jüngsten Neuerungen werden die Kunden in den Filialen bemerken. Der Konzern ist bereits dabei, die Niederlassungen auf ein neues, modernes Design umzustellen. Dazu soll es künftig Selbstbedienungszonen geben, in denen elektronischer Rund-um-die-Uhr-Service geboten wird. In der Wiener Zentrale werden außerdem gerade Paketaufgabe-Automaten getestet, die künftig flächendeckend zum Einsatz kommen sollen. „Der Kunde braucht dann nur noch sein Paket und seine Kreditkarte“, gibt sich Pölzl zuversichtlich.
500 eigene Postämter
Die Zahl der Filialen wurde mittlerweile auf 606 reduziert, an 1283 Orten wird der Kunde bereits durch einen Postpartner betreut. Das Ziel liegt bei etwa 500 selbstbetriebenen Filialen und 1500 Postpartnern, in Summe also 2000 Poststandorten. Diese Zahl soll allerdings eher eine Untergrenze darstellen, für Pölzl sind auch mehr Standorte denkbar.
Das führt auch weiter zu Personalabbau. Im ersten Halbjahr fielen rund 270 Stellen weg, im zweiten Halbjahr sollen es ebenso viele werden. Langfristig will die Post, die konzernweit 22.981 Mitarbeiter hat (davon 19.407 in Österreich), den Mitarbeiterstand um 500 pro Jahr reduzieren.
Die Rationalisierungen haben laut Pölzl nicht der Qualität geschadet: Briefe und Pakete landen weit schneller beim Empfänger als gesetzlich vorgeschrieben und 87,5 Prozent der Pakete werden beim ersten Versuch zugestellt.
Obwohl die Post im zweiten Quartal einen krisenbedingt leichten Rückgang bei Werbesendungen spürt, hat sich das Geschäft im ersten Halbjahr gut gehalten. Der Umsatz wuchs um 3,1 Prozent auf 1,17 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) kommt auf 92,2 Mio. Euro, ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2011. Das Konzernergebnis stieg um 14,2 Prozent auf 70,8 Mio. Euro. Sowohl das Briefgeschäft, das unter dem Internet leidet, als auch das Paketgeschäft verzeichneten Zuwächse. Für das Gesamtjahr geht Pölzl von einer Umsatz- und Gewinnsteigerung aus.
Zukäufe in Osteuropa
Die zuletzt erfolgten Zukäufe in Polen und Bulgarien (Werbepostzusteller) stärken die Position der Post in Osteuropa. „Wir bereiten uns damit auf die Liberalisierung der Märkte vor“, sagte Pölzl.
An der Börse gehörte die gelbe Aktie am Freitag zu den Gewinnern: Das Papier stieg im Tagesverlauf um knapp ein Prozent.
Während Pölzl auf die „Interview-Affäre“ verärgert reagierte und von einer Panne sprach, die bewusst aus dem Unternehmen herausgetragen worden sei, macht ihn die Insolvenz von Neckermann Österreich nicht nervös. Nach den Erfahrungen der Quelle-Pleite werden die verlorenen Einnahmen „woanders wieder auftauchen“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)
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