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Lauda Air: Die letzten Tage des Kultfliegers

11.08.2012 | 18:00 |  von Hedi Schneid (Die Presse)

Ende August wird die von Niki Lauda gegründete Fluglinie in die AUA integriert, das letzte Flugzeug mit Lauda-Logo wird verkauft. 33 Jahre österreichische Luftfahrtgeschichte gehen zu Ende.

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Es war eine Schlacht, die an Brutalität nichts zu wünschen übrig ließ. Die Gegner schenkten sich nichts – und der eine war extrem populär: Niki Lauda. Seit der Gründung seiner Fluglinie „Lauda Air“ im Jahr 1979 lag er mit der staatlichen AUA im Clinch. Im November 2000, als die Lauda Air schon Teil der AUA war, eskalierte der Streit. Wenige Tage nachdem Lauda auf Druck der AUA den Vorstandsvorsitz der Lauda Air abgeben musste, wurde ihm vom damaligen Austrian-Vorstand Mario Rehulka in einem ORF-Interview ausgerichtet, dass er auch als Pilot nicht erwünscht sei. Der Eklat war perfekt.

Lauda nahm es sportlich und gründete zwei Jahre später eine neue Fluglinie – „Niki“. Die Österreicher flogen aber weiter mit der Lauda Air, viele wissen bis heute nicht, dass Lauda nicht mehr drin ist, wo Lauda noch draufsteht. Aber nicht nur Passagiere, die mit „Niki“-Tickets bei AUA-Check-in-Schaltern anstehen, sind verwirrt. Als vor wenigen Tagen die letzte Maschine mit Lauda-Air-Logo, eine Boeing 737-800, statt in Wien in Bratislava landen musste, stellte der ORF ein „Niki“-Bild zur Story.

Niki Lauda: Ein Mann der Extreme

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Jetzt hat die Verwirrung ein Ende, die Lauda Air ist endgültig Geschichte. Im Zuge des Radikalumbaus der AUA geht die Lauda Air Ende August endgültig in der AUA auf. Das letzte Lauda-Air-Flugzeug wird verkauft. Charter- und Ferienflüge werden künftig nur noch unter der Marke AUA durchgeführt. Die Marke Lauda Air hat endgültig ausgedient.

„Ich werde mir die Marke sicher nicht zurückkaufen“, winkt Niki Lauda ab. „Ich habe zwei Airlines gegründet, ein drittes Mal mach ich das nicht, die Zeiten haben sich geändert“, gibt er sich im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“ locker.

Aber so ganz ohne Sentimentalität ist der Mann, der nicht nur nach seinem Unfall am Nürburgring 1976, sondern auch nach dem Absturz der „Mozart“ im Jahr 1991 („Der schwärzeste Tag meines Lebens“) unglaubliche Härte bewiesen hat, doch nicht. „Das war eine Supermarke, die wir da kreiert haben: Wir hatten um rund 40 Prozent niedrigere Kosten als die traditionellen Airlines und haben gleichzeitig mit Do&Co ein Superprodukt geboten.“

Haubenküche in der Holzklasse. Do&Co – die Kooperation mit dem Edel-Caterer, die in der bis heute bestehenden Freundschaft zwischen Lauda und Attila Dogudan wurzelte, war eine Revolution in der Luftfahrt. Haubenküche auch in der Holzklasse – das war neben dem roten Kapperl im Cockpit ein weiterer Grund, unbedingt mit Lauda Air zu fliegen.

Der Weg vom einfachen Charterbomber zur Airline mit Kultstatus war mit vielen Hürden gepflastert. Als der zweifache Formel-1-Weltmeister nicht mehr im Kreis fahren wollte und sich 1979 seinen Traum vom Fliegen erfüllte, machte er sich nicht nur Freunde. Wo die größten Feinde saßen, erfuhr Lauda schnell. In Oberlaa, dem damaligen Hauptquartier der AUA. Der junge Wilde störte die gemütliche Welt der Staatsairline, deren Führung streng nach Proporz besetzt war. Sogar der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky musste klein beigeben, nachdem er die Kontrahenten zu einem Krisengipfel gebeten hatte. Lauda unterschätzte jedoch die Macht des staatlichen Platzhirschen, nach drei Jahren kam das Aus.


Zweiter Anlauf, dritter WM-Titel. „Aufgeben“ kommt jedoch im Wortschatz eines Mannes wie Niki Lauda nicht vor. Er wechselt wieder ins Formel-1-Cockpit, wird noch einmal Champion und startet mit der Popularität des dritten Weltmeistertitels 1984 den zweiten Versuch.

Mit Itas-Chef Basile Varvaressos findet Lauda einen Tourismusspezialisten, der ihm die Flugzeuge füllt. Die griechischen Inseln gehörten auch zu den ersten Destinationen der Lauda Air.

Damit gibt sich Lauda aber nicht zufrieden. Für Langstrecken wird die erste Boeing 767 bestellt. Bangkok, Hongkong und vor allem Sydney – mit diesen Strecken zieht sich der ambitionierte Newcomer erst recht den Zorn der AUA zu. Als er 1990 die Linienkonzession beantragte (bis dahin flog die Lauda Air als Charter-Gesellschaft), stehen die Zeichen wieder auf Sturm. Da eilt Rudolf Streicher seinem Freund zu Hilfe. Der SPÖ-Verkehrsminister erteilt Lauda die Konzession. Wenig später geht Lauda Air an die Börse.

1991 kommt es zur Katastrophe. Kurz nach der Zwischenlandung in Bangkok aktiviert sich die Schubumkehr an einem Triebwerk – die „Mozart“ kracht in den Dschungel, alle 223 Insassen kommen ums Leben. Lauda fliegt sofort nach Thailand, stellt sich der Öffentlichkeit. Sein Verhalten wird noch lange danach als Modell für vorbildliche Krisen-PR gewertet.

Verschiedene Firmenkulturen. Über den Unfall will Lauda heute nicht mehr sprechen, „dazu ist alles gesagt“. Da erzählt er lieber vom Ende seiner Lauda-Air-Ära. Noch heute weiß er jedes Detail.

Die erste Zäsur kam schließlich 1992 mit dem Einstieg der Lufthansa. Sie hatte keine Konsequenzen. Fünf Jahre später kam die AUA an Bord. „Das war mein größter Fehler“, sagt Lauda heute. Warum? „Wirtschaftlich hätte die Sache schon Sinn gemacht, wenn die AUA die Chance ergriffen hätte und unser Geschäftsmodell mit den niedrigen Kosten übernommen hätte.“ Dazu hätte die AUA allerdings die Vergangenheit über Bord werfen müssen. „Unsere Firmenkulturen haben nie zusammengepasst“, resümiert Lauda, ohne zu merken, dass er noch immer „unser“ sagt.

Als die Verluste wuchsen und das Gutachten eines Wirtschaftsprüfers viel höhere Abgänge konstatierte als ausgewiesen wurden, uferte die Schlammschlacht mit der AUA aus. Der Höhepunkt erfolgte am 21. November 2000: Lauda trat ab.

Bis heute muss er sich wohl zu Recht den Vorwurf gefallen lassen, dass sein unternehmerisches Geschick nicht annähernd an jenes im Formel-1-Cockpit herangereicht hat. All das juckt Niki Lauda längst nicht mehr. „Wer hat das schon, zwei Fluglinien mit seinem Namen, die für einen werben?“, fragt er.

Knapp 33 Jahre nach ihrer Gründung, zwölf Jahre nach Niki Laudas Abgang, ist nun die Lauda Air endgültig Geschichte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)

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75 Kommentare
 
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Gast: b754
12.08.2012 18:46
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na hoffentlich verschwindet jetzt auch der lauda aus den medien


Re: na hoffentlich verschwindet jetzt auch der lauda aus den medien

ganz meine Worte, der Herr Lauda hat dem Steuerzahler genug gekostet.

Kommunismus

Ist halt schwer in einem kommunistischen Land,sich gegen die Oligarchen zu behaupten behauten.


Schade!

Ich war damals zu jung und bin nie in den Genuss gekommen, mit Lauda Air zu fliegen.

Fly Nicki mochte ich aber ganz gern. Schade, dass diese Fluglinie in der Air Berlin aufgegangen ist.

Gast: Martin_S
12.08.2012 14:03
5 7

Kultflieger?

Ein "Möchtegern-Unternehmer-Kasperl" mit Kapperl, der ausser Im-Kreis-Fahren nichts kann aber zu allen und jedem seinen Senf dazugeben muss, hat erfolgreich 2 Unternehmen gegen die Wand gefahren! Einmal Lauda, einmal Nikki. Und DAS soil Kult sein ????

Re: Kultflieger?

Und was haben Sie großartiges für die Welt gemacht, dass Sie so einen Mann herabwürdigen können?
Oder reden Sie einfach nur gerne vom bequemen Wohnzimmersessel aus die Leitungen anderer schlecht - weil Sie selbst zu faul sind, etwas zu erreichen und das die Schuld aller anderen ist?


Antworten Antworten Gast: Bademeisterin
12.08.2012 19:32
1 0

Re: Re: Kultflieger?

Sie haben mit jedem Wort recht.....

Re: Re: Kultflieger?

und was hat das mit Kult zu tun? Kein Mensch hat jeher um eine Airline einen Kult gemacht, sondern nur den billigsten Flug genommem...

Antworten Antworten Gast: Martin_S
12.08.2012 17:00
4 1

Re: Re: Kultflieger?

ICH rede auch nicht von mir als "Kult"; ausserdem: WAS hat dieser Mann SO "Grossartiges für die Welt" gemacht (ausser eben 2 Unternehmen an die Wand gefahren), dass man von ihm als "KULT" sprechen kann? Was ist daran GROSSARTIG, im Kreis zu fahren? Was ist aran GROSSARTIG, zweimal als Unternehmer zu versagen?? Können Sie das erklären? Nein, können Sie nicht, also halten Sie Ihren Schlapfen!

Re: Re: Re: Kultflieger?

schade dass sie seine Leistung nicht anerkennen,ihm wird's Wurst sein, typisch Österreich den anderen nichts gönnen und den anderen alles neiden.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: jtdgkkl
12.08.2012 19:00
2 1

Re: Re: Re: Re: Kultflieger?

Welche Leistung,er hängte seine Schulden immer anderen um,

Gast: Ceterum
12.08.2012 13:55
1 1

Instinktlose Deutsche

Die den Deutschen eigene Instinktlosigkeit stellen die neuen deutschen Führer mit dem Aus für die Lauda Air unter Beweis. Schließlich trägt diese für Österreicher über 30 stark zur positiven Identifikation mit Österreich bei. Aber darauf pfeifen die Deutschen. Man kommt sowieso nur mehr mit der Lufthansa oder einer ihrer Töchter aus Österreich raus.

Antworten Gast: Martin_S
12.08.2012 17:01
7 2

Re: Instinktlose Deutsche

Ich bin über 30, aber mit Lauda verbinde ich KEINE positive Identifikation!

Gast: Kreditreferent
12.08.2012 13:46
9 4

AUA Erpressung

Ich war damals als Kreditreferent in einer Bank bei der Gründung der LAUDA Air involviert und habe miterlebt, wie die AUA den Bankvorstand mit Beendigung der Geschäftsverbindung gedroht hat, sollte der zur Finanzierung der ersten Maschinen in Aussicht gestellte Kredit tatsächlich zur Auszahlung kommen. Lauda mußte sich dann in eine Leasingvariante retten, da die Maschinen schon bestellt waren. Damit waren die finanziellen Probleme von Anfang an vorprogrammiert. Ich bin dann nie wieder mit der AUA geflogen, da ich mit solchen Methoden die Grenzen des Wettbewerbes überschritten sah.

Antworten Gast: Die Wahrheit macht frei
12.08.2012 19:35
1 0

Re: AUA Erpressung

Lauda hat die zwei Fokker über ein Verlustbeteiligungsmodell der Salzburger Profinanz finanziert....

Re: AUA Erpressung

schon mal was von bankgeheimnis gehört? ich hoffe, sie sind gefeuert worden.

Re: Re: AUA Erpressung

na dafür is es wohl ein bisschen lang her oder?

Lauda ist der nächste Rote Pleitier,

seine Fluglinien wurden, Gott sei Dank fuer Lauda persönlich, immer rechtzeitig verkauft!


Gast: Flugbeobachter
12.08.2012 13:40
3 3

Austria & Australia

Qantas & AUA: Die zwei miesesten Fluglineine der Welt, damei UEBER-Arrogant und die Konkurenz nur mit Al Capone Methoden behandelnd. Aber wenigstens ist das Kabinenpersonal immer auf Perchtenlauf!

Gast: Waldi
12.08.2012 13:39
8 2

Der Mann der alles weis und kann.....

Mit seiner Lauda Air hat der gute Mann der AUA knapp 90 Millionen Euro Schulden hinterlassen und dafür von der ÖIAG noch 20 Mio. Geld kassiert. Super Kerl der Niki

Re: Der Mann der alles weis und kann.....

gegen das was der AUA Verkauf gekostet hat, nicht nur Geld,ist das ein Lercherlschaas.

10 11

klassisch

das man einen der wenigen lebenden österreicher, die es weltweit zu ruhm und ansehen gebracht haben, wegen allerlei eigenschaften, die ihm von wem auch immer zugeschrieben werden, runtermacht. sie sollen von mir aus alle stimmen, ist mir trotzdem egal, weil ich nicht davon ausgehe, dass es perfekte und makellose menschen gibt. lauda ist eine österreichische legende, und als österreicher bin ich stolz darauf, dass er einer von uns ist.

Antworten Gast: Kritischer Beobachter
12.08.2012 19:40
2 0

Re: klassisch

Na wenn Sie glauben, daß man zur Lichtgestalt und Legende wird wenn man zweimal mit einer Airline pleite macht dann wird es wohl so sein. Seine Schulden hat jedenfalls die AUA übernehmen müssen, weil politisch erwünscht!

Re: Re: klassisch

die lauda-air geschichte würde ich nicht schönreden wollen. es ist ein teil der österreichischen wirtschaftsgeschichte der letzten 30 jahre, und wenn man sich in erinnerung ruft, was da alles los war, dann kommt mir eine lange reihe grösserer skandale in den sinn, als dieser fall es war. aber lauda ist halt nicht nur lauda-air.

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Re: Re: klassisch

Nicht vergessen die dritte, die Flyniki welcher er ebenfalls gerade rechtzeitig der Air Berlin angehängt hat

12 7

Hoffentlich...

.. zieht sich der ungebetene Senfspender der Nation auch gleich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Das Steuergeld, was uns dieser Typ gekostet hat (AUA), möchte ich nicht recherieren.

 
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Hobbyökonom