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Staatsholding: Favoritensterben beim ÖIAG-Rennen

13.08.2012 | 17:32 |  Von Hedi Schneid (DiePresse.com)

Politikeinfluss und Konzeptlosigkeit erschweren die Kandidatensuche. Nun winkt der als Favorit gehandelte Evotec-Chef Werner Lanthaler ab.

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[Wien] Ein Job mit einer Jahresgage von gut 600.000 Euro – so viele lukrative Posten sind derzeit hierzulande nicht zu haben. Und dennoch: Schon auf der Suche nach aussichtsreichen Bewerbern für den Nachfolger Markus Beyrers als ÖIAG-Chef erhielt Aufsichtsratspräsident Peter Mitterbauer viele Absagen. Jetzt muss der von ihm eingeschaltete Headhunter Egon Zehnder auch die Liste mit den fünf Topkandidaten ändern, die der Personalausschuss des Aufsichtsrats demnächst bekommen soll. Der Grund: Der als Favorit gehandelte Werner Lanthaler, einst Kommunikationschef der Industriellenvereinigung unter ihrem damaligen Präsidenten Mitterbauer, hat abgewinkt. Am Montag informierte Lanthaler, jetzt Vorstandschef des Hamburger Biotech-Konzerns Evotec, seine Mitarbeiter, dass er ihr Boss bleibe, erfuhr „Die Presse“.

Damit steigen wieder die Chancen von Herbert Paierl, ehemals steirischer ÖVP-Wirtschaftslandesrat und zuletzt Chef des Management Clubs, und von Peter Malanik, bis Mai Vorstand der AUA. Auch Letzterer gehört dem bürgerlichen Lager an – aber das ist schon die einzige Gemeinsamkeit. Während Malanik als Mann des Konsenses gilt, der seit seiner Tätigkeit als Arbeitgebervertreter in den AUA-KV-Verhandlungen auch einen Draht zur Gewerkschaft hat, ist Paierl ein Mann mit Ecken und Kanten, der auch für unkonventionelle Ideen steht. Weshalb ihm, obwohl Wunschkandidat von ÖVP-Chef Michael Spindelegger und ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter, nicht nur Zustimmung entgegenschlägt. Die ÖVP würde Mut beweisen, wenn sie sich auf Paierl einigte, heißt es in Parteikreisen. Ob Ex-HP-Österreich-Chef Rudolf Kemler auch auf der Liste steht, ist offen.

Weder Mayrhuber noch Ederer

Ex-Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber, auf den Mitterbauer auch ein Auge geworfen hatte, kommt daher genauso wenig infrage wie das Damentrio Brigitte Ederer (Siemens), Regina Prehofer (WU-Vizerektorin) und Michaela Steinacker (Raiffeisenholding Niederösterreich-Wien). Alle haben sich nicht beworben, auch Letztere nicht, wurde der „Presse“ am Montag bei Raiffeisen erneut bestätigt. Definitiv nicht beworben hat sich auch der frühere Wien-Chef von Personalberater Zehnder, Philipp Harmer.

Am Salär dürfte das enden wollende Interesse nicht liegen. Vielmehr dürfte der – offiziell immer in Abrede gestellte – Politikeinfluss eine Rolle spielen. Obwohl der Aufsichtsrat auf die im ÖIAG-Gesetz verankerte Unabhängigkeit pocht, mischen die Parteien mit. Immerhin geht es um Staatsbesitz.

Viel schwerer wiegt jedoch der Mangel an Strategie. Seit Jahren wird über eine „ÖIAG neu“ geredet, aber keiner der unzähligen Vorschläge wurde umgesetzt. Weshalb die SPÖ zuletzt für die Auflösung der ÖIAG in ihrer bisherigen Form eintrat. Derzeit verwaltet die Staatsholding nur die Beteiligungen an OMV, Post und Telekom Austria.

Schieder will „Standortholding“

Jetzt prescht just SPÖ-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder vor. Er will aus der ÖIAG eine „Standortholding“ machen. Unter ihr Dach könnten „Schlüsselunternehmen“ kommen, die für die Infrastruktur, Bevorratung und Zukunftstechnologien des Staates wichtig sind. Dazu gehören die bestehenden Konzerne und darüber hinaus ÖBB, Asfinag, Verbund, Bundesforste und die Flughäfen.
Schieder fordert dieses Zukunftskonzept vor der Entscheidung über einen neuen ÖIAG-Chef ein. Von der Strategie hänge nämlich das Profil des geeigneten Managers ab, sagt Schieder. Diese Vorgangsweise monieren am Auswahlverfahren Beteiligte schon länger.
Die Krux daran: Ein neues Konzept für die ÖIAG dürfte erst unter einer neuen Regierung angegangen werden – die wird allerdings erst in einem Jahr gewählt. Einen neuen ÖIAG-Chef braucht es nach dem überraschenden Abgang von Beyrer aber jetzt. Weshalb die Mutmaßung, dass es nun um eine Interimslösung geht, nicht von der Hand zu weisen ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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8 Kommentare
Gast: Freunderlwirtschaft
14.08.2012 21:51
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Für die kolportierten 600.000 Euro p.a. ließen sich durch eine echte Ausschreibung im Nu mindestens 100 Top-Leute finden, die noch dazu bereit wären, heimlich jährlich 500.000 Euro freiwillig an die ÖVP zu "spenden"

Am besten, man löst die längst unnötige ÖIAG endlich auf. Dann erspart man (der Steuerzahler) sich diesen Faschingsprinzenposten.

Schieders Idee ist gar nicht so blöd (wer ihm diese wohl geflüstert hat? Androsch? Schmied, die von ihrem Schleudersitz flüchten will? Schlaff? Leo Specht? Gusi?).

Der als Favorit gehandelte Werner Lanthaler .....

das ist wieder mal die märchenstunde der hedi schneid in der presse:

außer von mitterbauer wird der von niemandem favorisiert. deshalb hat er jetzt abgesagt - aber erst nach seiner bewerbung.

Gast: Hauptsache Privatisierungsgewinn
14.08.2012 03:26
2 0

In Wirklichkeit brauchen sie jemanden Schwachen, der in ihre Taschen privatisiert

Vorschlag und Argumentation von Schieder sind endlich etwas Erfolgversprechendes (muß ihm jemand eingeflüstert haben).

Gast: b754
13.08.2012 21:56
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wie immer wird sich das mittelmaß durchsetzen mir einem schwarzen parteibuch


Zuviel Einfluss durch die Politik würd ich mir auch nicht antun!


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Eines ist jetzt schon klar

Der beste Kandidat macht sicher nicht das Rennen.

Richtige Parteibuch!


Dem Proporz-Stadl...


....gehen die Schauspieler aus.


Hobbyökonom