Die Wirtschaft in Österreich wächst weiter, allerdings langsamer als bisher. Der reale BIP-Anstieg bremste sich gegenüber dem Vorquartal von 0,5 auf 0,2 Prozent ab. Diese erste Schätzung gab das Wirtschaftsforschungsinstitut am Dienstag ab. Trotz der relativ deutlichen Konjunkturabkühlung könne die Entwicklung in Österreich angesichts der Rezession im Euro-Raum aber als relativ gut bezeichnet werden, betonen die Wifo-Experten.
Die mäßige Konjunkturdynamik hat sich im Frühjahr laut Wifo in nahezu allen Bereichen gezeigt. Sowohl der gesamtwirtschaftliche Export als auch der Import wachsen gegenüber dem vorhergehenden Vierteljahr zwar stärker als im Ersten Quartal, da aber beide Komponenten gleichmäßig zunehmen, "liefert der Außenbeitrag nahezu keinen Wachstumsimpuls für die heimische Wirtschaft", heißt es.
Während die Investitionen in Ausrüstungsgegenstände abermals zunehmen, stagniert die Nachfrage nach Bauinvestitionen und die Nachfrage der privaten Haushalte. Der öffentliche Konsum steigt etwas schwächer an als in der Periode davor.
Scheiblecker: "EZB soll eingreifen"
Wifo-Konjunkturexperte Marcus Scheiblecker geht davon aus, dass - wie vermutlich die deutsche - auch die österreichische Wirtschaft im dritten Quartal schrumpfen wird. Danach könnte es noch ein weiteres Mal ein kleines Minus oder ein Nullwachstum geben. Das wäre dann "durchaus eine rezessive Phase", so Scheiblecker. Im Jahresverlauf 2012 habe man eine Rezession nie ausgeschlossen, mit dem dritten Quartal komme das Minus ohnedies "überraschend spät". Damit das prognostizierte Wachstum von 0,6 und 1,3 Prozent in den Gesamtjahren 2012 und 2013 halte, müsse es aber gelingen, die Eurokrise in den Griff zu bekommen.
"Wir haben uns eine Lösung der Euro-Schuldenkrise eigentlich etwas schneller vorgestellt", schließlich schlage sich dieses Problem in Europa in den realwirtschaftlichen Investitionen nieder "und belastet mehr und mehr auch Österreich", so Scheiblecker. Die EZB "dürfe" zwar von ihrem Auftrag her keine Staatsfinanzierungen vornehmen, doch sei sie "das einzige Institut, das hier überzeugend agieren könnte": "Wenn sie jegliche Schulden übernimmt und eingreift, könnte das wirken", ist der Experte überzeugt und fügt hinzu: "Viele sagen, das ist notwendig. Eine Inflationsgefahr seh' ich da noch keine."
Zurückliegende Quartale müssen revidiert werden
Aufgrund neuer Daten ergaben sich auch starke Revisionen der zurückliegenden Quartale. So etwa gab es doch kein Minus-Quartal zu Ende des Vorjahres und das heimische BIP wuchs zum Jahresauftakt 2012 stärker als bisher angenommen.
(APA)
Inflation, Hyperinflation oder Deflation?Mag. Zareh Mossessian, Trainer der Wiener Börse Akademie
Wenn Ökonomen irren ''Nach Öl bohren? Verrückt''
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet

