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Berlakovich: "Bei Bauern entdeckt man keine Goldgrube"

16.08.2012 | 08:49 |  JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse)

Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) verteidigt die steuerliche Pauschalierung von Landwirten und würde es „unterstützen“, diese Form der Steuerermittlung auch auf Unternehmen auszuweiten.

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Die Presse: Stellen Sie sich auf einen „heißen Herbst“ ein?

Nikolaus Berlakovich: Ich war der Erste, der gesagt hat, dass es für die Bauern in die heiße Phase geht. Denn wir befinden uns in der Endphase der Verhandlungen zum EU-Budget und zur gemeinsamen Agrarpolitik.

Staatssekretär Andreas Schieder hat Ihnen einen heißen Herbst angekündigt. Er will die Förderungen für die Bauern kürzen und anders verteilen.

Ich finde es eigenartig, dass Schieder einen heißen Herbst angedroht hat. Das ist kein Stil, den man in der Koalition pflegen sollte.

Aber die Förderdebatte wird jetzt doch wieder heftig geführt.

Sobald die SPÖ die Bauern entdeckt, muss Wahlkampf sein. Niemand ist an einem vorgezogenen Wahlkampf interessiert. Wir sind in einer schwierigen Phase, es geht um die Stabilisierung Europas, um die Rettung des Euro, um Klimaschutz und Ausbau der erneuerbaren Energien. Mir ist es ein Anliegen, dass wir mit dem Koalitionspartner an einem Strang ziehen und für die österreichischen Bauern die optimale Lösung erzielen.

Es sollte um die gesamte Bevölkerung gehen. Die ist vielleicht nicht damit einverstanden, dass Bauern massiv gefördert und durch die Pauschalierung steuerlich begünstigt werden.

Bei der gemeinsamen Agrarpolitik muss es zwei Profiteure geben: die Bauern, aber auch die Konsumenten. Die Konsumenten bekommen durch die Agrarpolitik leistbare Qualitätslebensmittel, eine intakte Umwelt und eine gepflegte Landschaft. Bei der Pauschalierung geht es darum, ein unbürokratisches System der steuerlichen Erfassung zu haben, das sich bewährt hat.

Es gibt aber einen Steuerberater („Die Presse“ berichtete, Anm.), der beim Verfassungsgerichtshof dagegen vorgeht. Auch Arbeiterkammer und SPÖ wollen das System stark reformieren.

Die permanenten Attacken der Arbeiterkammer auf die Landwirtschaft sind bekannt, es ist unverständlich, warum sie hier den sozialpartnerschaftlichen Konsens verlässt. Ich darf nur daran erinnern, dass in Österreich zweieinhalb Millionen Menschen keine Einkommensteuer zahlen, weil ihr Einkommen zu gering ist. Und nachdem in der Landwirtschaft die Einkommenssituation nicht rosig ist, fallen auch Teile darunter.

Durch die Pauschalierung werden aber nicht nur kleine Betriebe begünstigt.

Große landwirtschaftliche Betriebe sind buchführungspflichtig.

Die ganz großen schon, aber davon gibt es in Österreich nicht viele.

Die Vollpauschalierung gilt bis zu 100.000 Euro Einheitswert, aber auch mittlere Betriebe fallen schon in die Buchführungspflicht. In Ackerbauregionen sind das auch schon Betriebe mit 50 Hektar. Der ÖVP-Bauernbund hat einen Vorschlag zur Reform des Einheitswertes erarbeitet. Aber die SPÖ bremst bei den Verhandlungen, das ist schade.

Auch Betriebe mit 100 Hektar und mehr sind vollpauschaliert. Im Durchschnitt zahlt ein landwirtschaftlicher Betrieb 260 Euro Einkommensteuer.

Das ist eine Milchmädchenrechnung. Wenn ich alle Betriebe zusammenzähle, auch die vielen kleinen, komme ich vielleicht auf so einen Wert. Aber ein Betrieb mit 100 Hektar in einer Ungunstlage mit schlechter Bodenqualität hat auch einen geringen Einheitswert.

Ein Betrieb mit 100 Hektar in einer Gunstlage dagegen macht leicht 50.000 Euro Gewinn. Ein Angestellter kann sich mit so einem Einkommen nicht um seine Steuerpflicht drücken.

Sie wissen genau, in der Landwirtschaft gibt es gute und schlechte Jahre. Ein pauschalierter Betrieb zahlt jedes Jahr seine Steuer, auch wenn er Verluste macht. Und so gleicht sich das über die Jahre aus.

Sie sagen immer, die Bauern sind Unternehmer. Wer vollpauschaliert ist, muss ja nicht Buch führen. Das ist ein Widerspruch, denn ein Unternehmer sollte seine Zahlen kennen.

Sie können sicher sein, dass die Bauern ihre Zahlen kennen. In der landwirtschaftlichen Beratung gibt es einen Schwerpunkt, das betriebswirtschaftliche Denken einzuführen.

Wenn das wirklich so ist, könnten die Bauern ja einfach ihre Steuererklärung machen und beim Finanzamt abgeben.

Die Bauern haben ja eine Steuererklärung, indem sie pauschal steuerlich erfasst werden. Das Wesen der Pauschalierung ist nicht, dass die Bauern keine Steuern zahlen, sondern dass die Steuererfassung unbürokratisch ist. Jeder kann freiwillig eine Buchführung machen. Der Sinn ist auch, dass sich der Staat einen Verwaltungsaufwand erspart. Jeder, der glaubt, er entdeckt bei den Bauern eine Goldgrube, wenn er die Pauschalierung abschafft, der irrt.

So ein unbürokratisches System würden sich viele andere Selbstständige auch wünschen.

Das unterstütze ich. Wenn andere Klein- und Mittelbetriebe auch eine steuerliche Pauschalierung hätten, wäre das sicher ein Beitrag zur Entbürokratisierung.

Ab welcher Größe sollte ein landwirtschaftlicher Betrieb in Ihrem Modell Buch führen müssen?

Wir sind bei der Höhe gesprächsbereit.

Wo ist für Sie die Untergrenze?

Das werde ich Ihnen jetzt nicht sagen, sonst müssen wir mit der SPÖ keine Verhandlungen führen.

Die SPÖ fordert Buchführungspflicht ab 30.000 Euro Einheitswert.

Ja, aber das ist unrealistisch. Die SPÖ sagt, sie will die kleinen Bauern unterstützen. Hier kann sie beweisen, dass sie wirklich etwas für die kleinen Bauern tut.

Auf einen Blick

Landwirtschaftsbetriebe können sich für die Einkommensteuer „pauschalieren“ lassen. Basis sind Einheitswerte, die zuletzt 1988 festgelegt wurden. Bei bis zu 100.000 Euro Einheitswert gilt die Vollpauschalierung, bei der die Pflicht zur Buchführung entfällt. Laut Arbeiterkammer gilt diese für 90Prozent der heimischen Bauern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)

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51 Kommentare
 
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Bis zu welcher Größe

sollte sollte denn dann ein nicht-landwirtschaftlicher Betrieb pauschaliert werden? Auch 100k (hypothetischer) Umsatz?

Ich würde sofort zum EPU.

Gast: Dr. Brunner M. B.
16.08.2012 13:48
0 0

Berlakomisch ist ein HEUCHLER !

Bei der Wehrpflicht schreit er laut "PFLICHT" !

Bei seiner Klientel schreit er laut "FREIWILLIG" !

Typischer ÖVP-HEUCHLER !

Berlakovich betreibt die Klientelpolitik für Grossbauern

und die AK und Andreas Schieder haben nur das Allgemeinwohl im Sinn.
Wer kann nur so naiv sein?

Ich darf nur daran erinnern, dass in Österreich zweieinhalb Millionen Menschen keine Einkommensteuer zahlen, weil ihr Einkommen zu gering ist.

Und ich erinnere daran, dass das nur ein fragwürdiger Vorteil ist, weil in Österreich "Jedermann" genau für diesen "minderen Einkommensbetrag" auch volle Steuerfreiheit genießt, ob er nun im Jahr 10.000 oder 100.000 und auch darüber "Einkommensteuererklärt"!

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Re: Ich darf nur daran erinnern, dass in Österreich zweieinhalb Millionen Menschen keine Einkommensteuer zahlen, weil ihr Einkommen zu gering ist.

dafür die aber anders als die armen Bauern, überall volle 10 oder 20% Steuern plus Mieten olus teurer Energie statt billigen Diesel... berappen müssen, um sich wenigetens noch die Nahrung leisten zu können; dies spricht der ehrenwerte Minister natürlich nirgendwo an !?

Gerechtigkeit hat also weiterhin 2 Gesichter ?

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LOBBYIST

Berlakovich betreibt die, von Fischler als Sargnagel für die ÖVP bezeichnete Klientelpolitik für Grossbauern und die Agrarindustrie.

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Re: LOBBYIST

dies wird nur halt künftig zum Glück der Bürger nicht mehr reichen, um weiterhin gemeinsam mit der ebenso "a.sozialen Partei" das Land aufteilen zu können, weshalb er ja auch diese arme.selige Koalition nicht gefährdet sehen will !


Gast: HugoWiener
16.08.2012 08:23
8 0

Habe eine Tochter eines Bauers geheiratet...

und habe erst danach (nach der Hochzeit) erfahren, welches gute Mitgift es hier gibt. Ihr Vater ist Kleinbauer mit ca. 11 Hektar im Weinviertel, 4 davon mit Weinbau.
Das Haus im Speckgürtelvon Wien ist längst bezahlt;-))))

Sie hat während des Stipendiums ein Stipendiumbekommen, weil sie Tochter eines Bauern ist - ich habe keines bekommen, obwohl ich fünf Geschwister habe und alle studiert haben - meine Vater war leitender Angesteller, aber es gab Monate, da wurde für uns mehr ausgegeben, als er verdiente. Ich bekam um 1987 ca. öS 3.500,- / pro Monat (inkl. Heimmiete).

Und an dem System hat sich heute nichts geändert - heute läufte der Betrieb weiter über eine Pachtkonstruktion, um ja die Sozialausgaben zu minimieren -durch die Beratung der Bauernkammer.

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Goldgrube

Man muss ja auch keine Goldgrube entdecken. Es ist immer die Summe aller Massnahmen, die einen Staat erfolgreich dastehen lassen oder eben nicht. Ich glaube nicht, dass Griechenland nur 1 Fehler gemacht hat und Deutschland dagegen nur 1 Sache richtig. Und die Bauern gehören ja jetzt nicht geschröpft. Es gibt da aber Bereiche, die nicht mehr zeitgemäß sind und geändert werden müssten.

Gast: johannes5
16.08.2012 08:00
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der skandal ist,

dass für luxusartikel wie iphone, ipad usw. das geld da ist, lebensmittel aber gefördert werden müssen, damit sie "leistbar" werden. das system ist so krank.

Antworten Gast: hugoWiener
16.08.2012 08:23
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Re: der skandal ist,

und wiewürden sie die Situation lösen???

wenn schon, denn schon: Pauschalierung für Angestellte

Schluss mit der Lohnsteuer und der Arbeitnehmerveranlagung: Her mit dem Einheitswert für Arbeiter und Angestellte, entlastet die Finanzverwaltung auch - keine Lohnsteuerprüfungen mehr, keine Arbeitnehmerveranlagungen mehr

also: Einheitswert für alle, so wird der Staat saniert! Keine Steuern einheben, dann fallen auch keine Kosten für die Einhebung an!

Danke Niki, für diese brilliante ausbaufähige Idee, reif für den Wirtschaftsnobelpreis!

Gast: ldshg 03267
16.08.2012 07:47
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ESM käme dem Steuerzahler noch viel teurer !


Haben die Globalisten die Griechenland-Krise inszeniert, um am die griechischen Öl- und Gasvorkommen zu kommen?
Ist die Gaunerei im IWF, Weltbank und EZB noch viel größer, als wir es uns vorstellen können? Nicht nur Griechenland wird in Folge der inszenierten Währungskrise von der Trioka geplündert, sondern vor allem die Deutschen. Die Griechen sitzen angeblich auf Unmengen Öl und Gas!! Sie könnten ihre Schulden sofort abbezahlen und es blieben noch Unsummen über. Das ist jedoch nicht im Sinne der Londoner Mafia. Stattdessen werden die deutschen Steuerzahler zur Kasse gebeten. Die globale Mafia schlägt wieder mehrere Fliegen mit einer Klappe.

danke, Herr Berlakovich für die Offenheit:

"die Bauern kennen ihre Zahlen".

Also her damit.

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ab dem ersten Euro Umsatz (wie jeder Kleinstunternehmer)

Buchhaltung ab EUR 700.000 Umsatz (wie jeder Unternehmer ab dieser Grenze)

Mehraufwand für den Bauer: NULL (er macht die Aufzeichnungen eh schon)

Re: danke, Herr Berlakovich für die Offenheit:

Die Buchhaltungspflicht beginnt jetzt schon bei 300.000,- €. Leider ist eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu wenig. Wie bewerten Sie Investitionen, Mehrwerte (in der Scheune, im Stall)? Warum gerade bekämpft ein Steuerberater die Pauschalierung vor Gericht? Für ihn gibt's mehr zu holen als fürs Finanzamt.


vor ca. 25 jahren

war eine mitschülerin, tochter eines bauern, die - wie auch ihre zahlreichen geschwister - schülerunterstützung erhielt, die erste, die bei studienbeginn ihre eigene wohnung in innsbruck bekam. das gab mir damals schon zu denken ...

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Re: vor ca. 25 jahren

Ich kenne einige Marchfeldbauern. Die Söhne und Töchter haben fast durchgehend im Ausland studiert und gingen meist in Privatschulen.

Aber jammern tun sie, mit wenigen Ausnahmen, trotzdem immer.


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Re: vor ca. 25 jahren

Glauben Sie, dass das heute anders läuft?

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Planwirtschaft

Die Sozen wollen halt den den totalen Kommunismus, wo die Bauern trotz guter Ernte verhungern!!

Re: Planwirtschaft

Postens keinen Unsinn!

Die Bauern wollen weiterhin Förderungs-Kommunismus,egal was sie produzieren!

Gast: Ertl Kar
15.08.2012 23:53
4 0

„Bei Bauern entdeckt man keine Goldgrube“

Kein Wunder. Wenn sich die Bauern das Geld vom Giebelkreuz wegnehmen lassen.

naja

naja, so ist unsere führungselite.

beharrt er nicht auch auf den biosprit?

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/e10-entwicklungsminister-niebel-fordert-verkaufstopp-von-biosprit-a-850230.html

Re: naja

Muß er ja wohl, wenn er der größte Grundbesitzer mit Rapsfeldern im Bezirk Oberpullendorf ist.

Antworten Antworten Gast: grummel
16.08.2012 15:32
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Re: Re: naja

so gut gemeint das auch ist, e10->ethanol, raps->biodiesel, dein posting -> epic fail

das ist es eben

egal wo angesetzt wird, es gibt den Lobbyisten, der wehement interveniert. Schliesslich möchte man ja wiedergewählt werden.

 
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