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Niemetz: Schwedenbomben-Alarm

18.08.2012 | 17:58 |  von julia kern (Die Presse)

Die Gründung der Süßwaren-Fabrik reicht zurück in die 1920er. Bis heute hat die Schwedenbombe 80 Prozent Marktanteil. Verpasste Expansionschancen und fehlende Innovationen trieben die Firma aber in Finanznöte.

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Es war kurz vor 1930 und es war in Wien. Der Konditormeister Walter Niemetz war nach sieben Jahren, in denen er in einer Patisserie in Paris gearbeitet hatte, in die Heimat zurückgekehrt. Dort besuchte ihn ein Freund aus dem hohen Norden, der ihn um einen Job bat. In der Backstube staubte der Zucker und spritzte die Schokolade: Die beiden tüftelten an einer lockeren Süßigkeit aus Eischnee und Zucker. Grundlage: ein schwedisches Rezept. Die Schneemasse ruhte auf einer Oblate und wurde überzogen mit Schokolade.

So entstand die traditionelle Wiener Süßigkeit, die der Konditor in Andenken an seinen Freund Schwedenbombe nannte. 1930 eröffnete Niemetz die Süßwaren-Manufaktur in der Aspangstraße im dritten Wiener Gemeindebezirk, wo bis heute auch die Schokoriegel Manja und Swedy hergestellt werden. In den Siebzigerjahren wich die Oblate einer Waffel – doch an der Rezeptur hat sich bis heute nichts geändert.


Kakao als Geheimwaffe. Die Österreicher lernten die Schwedenbombe und ihren speziellen Geschmack lieben. Denn bis zum Markteintritt des deutschen Süßwaren-Herstellers Storck 1988 war Niemetz hierzulande praktisch konkurrenzlos. Die Vormachtstellung beim Kunden ließ sich aber auch noch auf Jahre nach dem Markteintritt internationaler Wettbewerber und Handelsmarken ausdehnen.

Denn auch wenn die Süßigkeiten sich optisch ähnelten, in der Füllung liegt der feine Unterschied: Während die deutschen Dickmann's ein schneeweißes Innenleben führen, sind die Schwedenbomben graumeliert. „Wir mischen Kakao in die Eiweißmasse“, erklärt der Amerikaner Steve A. Batchelor, der den Familienbetrieb mit seiner Lebensgefährtin, Niemetz-Erbin Ursula Niemetz, führt. „Niemand bringt es fertig, diese Konsistenz zu kopieren“, sagte Handelsexperte Rudolf Trettenbrein von der Unternehmensberatung Inverto. Wettbewerbern wie Storck hat dies den Markteinstieg deutlich erschwert. Niemetz besitzt noch heute einen Marktanteil von rund 80 Prozent in diesem Segment, Storck zählte zuletzt 14 Marktanteilspunkte. Den Rest teilen sich kleinere Hersteller auf.

Doch die Herstellung der Schaumkugeln ist längst kein Bombengeschäft mehr: 2011 brach der Absatz in der Kategorie „Schokoladen-Schaumküsse“ in Österreich um 8,6 Prozent auf 772 Tonnen ein. Seit Jahresbeginn 2012 schrumpfte der Absatz hierzulande um weitere 22,9 Prozent. 2002 und 2003 wurden noch mehr als 1000 Tonnen abgesetzt.

„Die Essgewohnheiten haben sich geändert“, sagt der ehemalige Penny-International-Manager Trettenbrein. Konsumenten würden Süßigkeiten, die viel Zucker und Fett enthalten, weniger stark nachfragen. Wer Schwedenbombe hört, denkt an Kalorienbombe. Woran auch der Hinweis, dass ein Stück nur 70 Kalorien enthält, wenig ändert.


Innovative Produkte fehlen. Und so kommt es, dass die Firma, die saisonabhängig zwischen 65 und 80 Mitarbeiter beschäftigt, dieser Tage in ernsten Geldnöten steckt. Anderen Unternehmen, die auf eine lange Firmentradition zurückblicken, etwa dem Wiener Schnittenhersteller Manner, gelang es, sich auf die geänderten Kundenwünsche einzustellen. So stellt Manner mittlerweile zusätzlich „Vollkorn-Schnitten“ her, die weniger Zucker enthalten als das Original. Auch Coca-Cola hat sich mit Cola Light und später Coke Zero immer wieder neu erfunden. „Niemetz hingegen produziert mit Schwedenbomben, Manja und Swedy seit Jahrzehnten dieselben Produkte“, sagt der Handelsexperte. Auch die patentierte transparente Verpackung ist seit den Siebzigerjahren unverändert: In einer durchsichtigen Schachtel reihen sich je drei schwarze und drei mit Kokos bestreute Stücke aneinander. „Der Firma fehlen modernere, innovative Produkte, speziell für die jüngere Zielgruppe“, sagt Trettenbrein.

Denn Niemetz hat auch noch ein anderes Problem: Österreich ist der einzige Markt, auf dem die Firma ihre einzigartige Vormachtstellung besitzt. Während der deutsche Hersteller Storck es langfristig schaffte, sich mit seinen Dickmann's in Österreich zu etablieren, gelang dies umgekehrt eher schlecht als recht. „Wir exportieren ein bisschen nach Deutschland“, sagt Batchelor. Außerdem soll der Export in die Länder Tschechien und Slowenien ausgebaut werden. Das Engagement in den USA (die Ware wurde für den Export tiefgefroren), das Niemetz in den 1990er-Jahren aufgebaut hat, sei Geschichte: „Wir konzentrieren uns auf Europa.“


Neues Firmenkonzept. Immerhin handelt es sich bei Schwedenbomben um ein äußerst delikates Exportgut. „Wir machen keine Kompromisse bei der Qualität“, sagt der Minderheitseigentümer Batchelor. Doch ohne Konservierungsstoffe ist die Ware maximal vier Wochen haltbar. Während der Sommermonate wird die „echte“ Bombe sogar durch ein Produkt ersetzt, das – ohne Schoko im Eiweiß und ohne Kokos – weniger anfällig für Hitze ist.

Erst Ende August vertreiben Billa, Merkur und Spar wieder das Original. In den kommenden Wochen könnte auch im Traditionsbetrieb noch eine Bombe platzen. Die Eigentümer verhandeln mit potenziellen Finanzpartnern, um die Finanzierung, aber auch das Konzept der Firma auf neue Beine zu stellen. „Danach planen wir die Produktpalette zu expandieren“, sagt Batchelor. „Wir sind uns der Probleme bewusst.“

IN ZAHLEN
772

Tonnen
Schaumküsse verkaufte die Süßwarenindustrie 2011 in Österreich.

80

Prozent
Marktanteil hält die Firma Niemetz.

4

Wochen
ist die traditionelle Schwedenbombe maximal haltbar.

Foto: Breuss

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)

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14 Kommentare
Gast: John Doe 1
27.08.2012 14:18
0 0

Keine Schwedenbomben

Ende August soll es Schwedenbomben geben? Nicht mal im Niemetzgeschäft im 3. Bezirk in Wien gibt es welche!

Alles andere is eh Mist

Wer einmal die sogenannten Schaumküsse oder wie sie alle heißen und aus verschiedenen EU Laendern kommen gekostet hat weiß die Schwedenbomben erst so richtig zu schätzen. Ähnlich ist es bei den Männer Waffeln, dazu gibt es auch keine Alternative.

Wozu ständig expandieren und erneuern?

Ein gutes Produkt bleibt ein gutes Produkt. Und so lange der Gewinnzuwachs langfristig einfach auf Inflationsniveau bleibt, besteht kein Grund für irgendwelche Änderungen.

Antworten Gast: besser.schwedenbomben.als.bomben
19.08.2012 15:26
0 0


Gast: Johan C.
19.08.2012 11:19
3 2

Die EU macht alles hin!

In der Ukraine bekommt man fast nur heimische Produkte in den unzähligen kleinen "Magazini" - winzige Fleischereien, Fischgeschäfte, Bäckereien, Konditoreien. Gemüse verkaufen die eigenen Bauern am Markt - keine Gurke oder Tomate sieht wie die andere aus, alles garantiert gentechnikfrei, vollkommen bio. Weil hier von 5000 Bauern jeder für sich produziert, und nicht 5000 Vasallen für einen Betrieb arbeiten.

Die Produktvielfalt ist unglaublich - beim Fleischer kann man Würste von größeren Betrieben genauso kaufen wie von kleinen Bauern. Der Preis ist ähnlich.

Man bekommt keine Milch aus Holland und keinen Käse aus Frankreich - but who cares? Die Produkte hier sind mindestens genauso gut.

Ohne EU würde vieles in unserem Land um ein Vielfaches besser funktionieren..

Antworten Gast: zvadorybczuk
19.08.2012 15:24
1 0

Re: Die EU macht alles hin!

bio in der ukraine?ist das nicht z.t. tschernobyl-verseucht?
also ich kauf bei uns vor ort am bauernmarkt alles frisch.hat ja keiner gesagt,dass man im supermarkt einkaufen muss.

Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
19.08.2012 21:22
1 1

Re: Re: Die EU macht alles hin!

Frisch am Bauernmarkt?? Lol!! Vor allem die Eier, die den ganzen Tag in der Sonne vor sich hinbrutzeln ...

Gast: UKW
19.08.2012 08:51
6 0

Unfug

Man sollte jetzt nicht in Panik verfallen und ein perfektes Produkt durch hunderte Variationen verwässern (Bananengeschmack, Erdbeer, Stevia, etc).

Vielleicht liegen die Schwierigkeiten ja daran, dass man nicht fähig ist, dieses perfekte Produkt anständig zu bewerben (wer nicht wirbt der stirbt) und es in den Regalen der Supermärkte zu platzieren (im Kühlregal, um die frische der Ware herauszustreichen).

Es werden auch Ex-Konsumenten dabei sein, die die verfälschten Sommerschwedenbomben gekauft hatten (zuviel Zucker drin, wegen der Haltbarkeit) und danach zu Ex-Kunden wurden.

Einfach den Marketingchef austauschen und dem Nachfolger ein ordentliches Budget in die Hand geben (auf Events präsentieren, knackige Werbung schalten, andere Verpackung, ander Platzierung in den Regalen...).

Hoppauf! Schwedenbomben dürfen nicht sterben!

Gast: N. Broter
18.08.2012 19:35
2 15

Niiiiiiiiicht

Schwedenbomben. Soooo rasistisch, sooo sexistisch. Die verlogenen politisch Scheinkorrekten werden jaulen wie die Arktishunde. ....

Gast: konsument
18.08.2012 19:13
9 3

kein wunder,

daß das unternehmen in schwierigkeiten steckt. die schwedenbomben werden immer kleiner und immer teurer. die konsumenten sind halt auch nicht dämlich.

Re: kein wunder,

Blödsinn. Die sind schon ewig unverändert und an die echte Kosteninflation (nicht gleich VPI) muss man den Preis langfristig schon anpassen.

5 0

Re: kein wunder,

Das werden die Tortenstücke bei Aida auch.

Antworten Antworten Gast: alatheus
19.08.2012 11:06
3 0

Re: Re: kein wunder,

Ich war letztes Jahr einmal beim "Demel" am Graben. Was dort als "Torte" verkauft wird, kann man höchstens noch als "Törtchen" bezeichnen. Spitzen Qualität, keine Frage, aber kein Verhältnis zu den horrenden Preisen.

1 0

Re: Re: Re: kein wunder,

Dort war ich schon seit Jahren nicht mehr,kann mir das aber lebhaft vorstellen.Insider meinen,dass der Preis nicht mehr zu steigern ist,also kann nur an der Menge gespart werden.Machen ja auch die großen Firmen,die immer weniger Menge zum gleichen Preis als "konsumentenfreundliche Preispolitik" verkaufen.

Hobbyökonom