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Arbeitsmarkt: „Behinderte können Leistung bringen“

20.08.2012 | 18:05 |   (Die Presse)

Die Jobplattform Career Moves bietet Unternehmen die Möglichkeit, zielgenau anzugeben, welcher Arbeitsplatz auch für Menschen mit Behinderungen tauglich ist. 250 Arbeitgeber inserieren über die Plattform.

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Wien/ES. Die Berührungsangst der Arbeitgeber gegenüber Behinderten ist immer noch hoch. „Firmen fürchten sich immer noch vor Minderleistungen von Behinderten, dabei ist die Gefahr nicht größer als bei anderen Arbeitnehmern“, sagt Gregor Demblin, Mitbegründer von Career Moves, Europas erster Jobplattform für Menschen mit Behinderungen.

Auf der vor drei Jahren gegründeten Onlineplattform können sich Behinderte und Nichtbehinderte gleichermaßen um Arbeitsplätze bewerben. „Der entscheidende Vorteil  ist“, sagt Demblin, „dass hier Menschen mit Handicap auf einen Blick sehen können, ob ein Unternehmen behinderten Bewerbern gegenüber aufgeschlossen ist.“

Damit erspare man sich eine langwierige Jobsuche mit vielen Absagen und noch mehr Frust. Mittels einfacher Symbole können Unternehmen angeben, für welche Art von Behinderung (Seh- oder Hörbehinderte, Einschränkung im Bewegungsapparat) der Job geeignet ist. Demblin, der selbst seit einem Badeunfall mit 18 Jahren im Rollstuhl sitzt, sagt: „Behinderte können Leistungen bringen und wollen nicht mit Samthandschuhen angegriffen werden.“

Career Moves bekommt langsam Wind in die Segel. Der Anteil der Jobangebote hat sich seit dem Start 2009 verdreifacht. 250 Arbeitgeber, darunter McDonald's, Ikea und Microsoft, inserieren über die Plattform. Eine wichtige Aufgabe von Career Moves sei es, direkt an die Unternehmen heranzutreten und dort Aufklärungsarbeit zu leisten, so Demblin.

725 Mio. Euro für Barrierefreiheit

Mehr Geld für die Integration Behinderter in den Arbeitsmarkt verspricht Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Von 2013 bis 2016 gibt es eine Geldspritze von 725 Mio. Euro für neue und verstärkte Förderungsmaßnahmen. Unter der Dachmarke „Netzwerk für berufliche Assistenz“ (Neba) sind sämtliche vom Sozialministerium geförderten Maßnahmen zusammenfasst: Vom „Clearing“, das behinderten Jugendlichen dabei hilft, ihre beruflichen Stärken herauszufinden, bis zu diversen Eingliederungshilfen, die Behinderte dabei unterstützen, sich am Arbeitsplatz zurechtzufinden. Neben diesen auf die Jugend ausgerichteten Initiativen dürfe man aber die Älteren nicht außer Acht lassen, so Hundstorfer am Montag vor Journalisten.

Umstieg für Schichtarbeiter

Wegen der demografischen Entwicklung müssten Arbeitgeber sich zunehmend mit älteren Beschäftigten auseinandersetzen, die trotz körperlicher Beeinträchtigung arbeiten wollen bzw. müssen. Hundstorfer will „weg von der befristeten Invaliditätspension“. Dafür müsse man rechtzeitige Aus- und Umstiegsmöglichkeiten für bestimmte Berufsbilder schaffen, etwa für Schichtarbeiter.

Die letzte Novelle des Behinderteneinstellungsgesetzes hat 2010 deutliche Erleichterungen für Arbeitgeber gebracht. So gilt seither der Kündigungsschutz für Mitarbeiter mit Handicap erst ab dem vierten Jahr und nicht, wie zuvor, schon ab sechs Monaten. An sich ist jedes Unternehmen verpflichtet, auf je 25 Arbeitnehmer einen Behinderten einzustellen.

Doch rund zwei Drittel der Betriebe ziehen es vor, statt einen Behinderten einzustellen lieber Strafgeld („Ausgleichstaxe“) zu zahlen. Jede nicht wie vorgesehen mit einem Behinderten besetzte Stelle kostet ein Unternehmen monatlich je nach Größe zwischen 232 und 345 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

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10 Kommentare

unsere Bundesregierung ist das Beispiel..

...das Menschen mit Behinderung auch Arbeit finden, als unsere Volksvertreter!

nehmt euch (wiedermal) ein bsp

an der schweiz. der rest ist jetzt arbeit für einen journalisten, der diese berufsbezeichnung auch verdient.

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und wer tut sich schon den umbau an? das alles kostet viel geld was die meisten firmen NICHT haben!


Gast: Ralf Corner
20.08.2012 22:17
1 1

behinderte werden nicht überall als solche behandelt

Sie werden gemobbt, ausgegrenzt bei diversen Freizeitgestaltungen. Die von Betrieb aus gehen etc. Unterstützung ist nicht wirklich von jeden zu erwarten. einigs mehr. Behinderte mit einen Einstellungsschein werden zu wenig untertützt von den Vertrauungspersonen. Machst alles bist der Beste. Kannst mal nicht aus Gesundheitlichen Gründen. Heist es, ich frag mich für was der da ist. Nicht die Firma ist das Opfer. Der Behinderte wenn man ihn nicht unterstützt.

Gast: b745
20.08.2012 21:07
1 2

laut den neoliberalen sind das aber minderleister

gruß an schellhorn

Gast: 1. Parteiloser
20.08.2012 19:57
3 0

Gute Aktion!

Meine eigenen Erfahrungen zeigen allerdings eher das Bild, dass sich Menschen mit Behinderungen und sehr reduziert um einen stabilen Arbeitsplatz bemühen. Es scheint sich um ein Europäisches Phänomen zu handeln und nicht nur um ein Ö Phänomen. Bei mit hat sich in den letzten 10 Jahren kein einziger Mensch mit Behinderung beworben oder auch nur nachgefragt ob es Möglichkeiten geben würde. Daher hatte ich vor Jahren mit einem lokalen Behindertenverband Kontakt aufgenommen und auf die Möglichkeiten im Unternehmen hingewiesen. Wir wären auch bereit gewesen die Adaption der Arbeitsplätze dem Bedarf der Menschen anzupassen. Es hat sich kein Einziger gemeldet. Die Berührungsängste scheinen eher von den Menschen mit Behinderungen zu kommen, vielleicht doch weniger von den Unternehmen. Möglicherweise ist das Selbstvertrauen aber auch so ruiniert, dass es zu einer Art Resignation gekommen ist.

Die Jobplattform Career Moves kann auf jeden Fall für Klärung sorgen und den Bewerbern Hoffnung, vielleicht Selbstvertrauen, geben. Wenn es dann, vielleicht in vielen Fällen, Absagen wegen mangelnder Fähigkeiten gibt, dann wird es wohl für die Bewerber die Ausrede "wegen meiner Behinderung" auch nicht mehr geben.

Wir werden diese Plattform auf jeden Fall nutzen, weil wir an den Nutzen behinderter Menschen für die Menschen glauben.

Re: Gute Aktion!

das thema ist galube ich komplexer: behindert ist, wer behindert gemacht wird und gerade in österreich, wo man bereits behinderte kinder fein säuberlich vom rest der gesellschaft trennt bzw getrennt hat ist das ergebnis die heutige gesellschaft, die in dem moment, wo sie auf behinderte menschen trifft (wenn sich diese mittels lebenshilfe in die öffentlichkeit wagen) sehr unwohl fühlt, da man im bisherigen leben ja null kontakt zu solchen menschen hatte, ergo auch nie gelernt hat, wie man sich in so einer situation"richtig" verhält. ergo: wegschauen.

dass sich das auf den behinderten mitmenschen auf dauer zu seinen problemen zusätzlich belastend auswirkt liegt doch auf der hand. und dann wird selbstvertrauen erwartet, wie es manche "normale" menschen nicht haben. da ist doch der hund drinnen!

Re: Gute Aktion!

das thema ist galube ich komplexer: behindert ist, wer behindert gemacht wird und gerade in österreich, wo man bereits behinderte kinder fein säuberlich vom rest der gesellschaft trennt bzw getrennt hat ist das ergebnis die heutige gesellschaft, die in dem moment, wo sie auf behinderte menschen trifft (wenn sich diese mittels lebenshilfe in die öffentlichkeit wagen) sehr unwohl fühlt, da man im bisherigen leben ja null kontakt zu solchen menschen hatte, ergo auch nie gelernt hat, wie man sich in so einer situation"richtig" verhält. ergo: wegschauen.

dass sich das auf den behinderten mitmenschen auf dauer zu seinen problemen zusätzlich belastend auswirkt liegt doch auf der hand. und dann wird selbstvertrauen erwartet, wie es manche "normale" menschen nicht haben. da ist doch der hund drinnen!

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
21.08.2012 12:55
0 0

Re: Re: Gute Aktion!

1) Sicher ist das Thema komplexer als es mit 1.500 Zeichen dargestellt werden kann.

2) "behindert ist, wer behindert gemacht wird"?

Wer hat die Behinderten behindert gemacht? Ich kann diese Aussage überhaupt nicht verstehen.

Sind das wieder "die Anderen" welche diesen Menschen die Behinderung zugefügt haben?

Sind das "die Anderen", welche die Behinderten gegen der Wunsch als Behinderte einstufen?

Gibt es vielleicht gar keine Behinderten, sondern nur andere Menschen?

Haben alle Menschen die gleichen Eigenschaften und Fähigkeiten?

3) Wegschauen?
Kann es sein, dass die Masse der Menschen den Behinderten gar keine korrekte Reaktion zeigen können?
Erwarten die Behinderten von den Mitmenschen nicht vollkommen verschiedene Reaktionen, welche den Menschen nicht bekannt sein können?
Schauen die Menschen weg um keine falsches Verhalten gegenüber den Behinderten zu zeigen, also "die Behinderten" zu schützen?

4) Probleme der Behinderten Menschen?

Kann es sein, dass man auch dieses Thema nicht einseitig sehen kann?

Kann es sein, dass die Behinderten auch erhebliche Probleme den Mitmenschen bereiten?

5) Verantwortung nur bei den "normalen" Menschen?

Ihr Kommentar weist, bei einer Gesamtbetrachtung, die volle Verantwortung für die vorhandenen Schwierigkeiten den "normalen" Menschen zu. Die sind für die zusätzliche Belastung der Behinderten voll verantwortlich!

Kann man dieses Thema wirklich so einseitig betrachten?

Sind immer nur "die Anderen" Schuld?

1 0

Re: Gute Aktion!

Ich muss Ihnen (leider) zustimmen, was die kaum existenten Bewerbungen angeht.

Wir haben eine Kollegin im Rolli, die aber auch die einzige Behinderte ist, die sich bei uns jemals beworben hat. Eine großartige Kollegin und mittlerweile Projektleiterin, und seit sie dabei ist, sind die Räume rolli-gerecht und die restlichen Kollegen finden es normal, mit ihrer Behinderung umzugehen. Sie hat in ihrem Bekanntenkreis Behinderte angesprochen, wenn Stellen zu besetzen waren, aber bisher hat sich selbst über diesen persönlichen Kontakt niemand beworben.

Hobbyökonom