Wien/Eid. „Professionell, ordnungsgemäß und im Einklang mit den EU-Privatisierungsrichtlinien“: So ist die Privatisierung des Dorotheums 2001 aus Sicht der ÖIAG abgelaufen. Die Meinung der Staatsholding unterscheidet sich jedoch gravierend von der des Rechnungshofs (RH).
Die Prüfer, die auf Antrag der Grünen ans Werk gingen, zerpflücken den Verkauf des „Pfandls“ unter dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser an das Konsortium „OneTwoSold“, hinter dem der Bauunternehmer Erwin Soravia und Christoph Dichand („Kronen Zeitung“) standen. Zu niedriger Preis, zu hohe Beraterkosten und wenig Transparenz: Das sind die Kernpunkte der Kritik des am Donnerstag veröffentlichten RH-Berichts.
Der Verkaufserlös des Bundes lag mit 70,57 Millionen Euro „um rund zehn bis 20 Millionen unter der Verkaufspreisempfehlung seitens der Investmentbank“, schreiben die RH-Prüfer. Davon mussten noch die Kosten für den Deal abgezogen werden. Und die lagen wegen des überdurchschnittlichen Beratungshonorars an die Investmentbank UBS Warburg von 1,95 Millionen Euro bei in Summe 3,03 Millionen Euro.
Laut RH sei der Verkauf auch „zu einem wirtschaftlich ungünstigen Zeitpunkt“ erfolgt, an dem das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit seinen Tiefpunkt erreicht hatte. Durch die von der ÖIAG veranlasste Umgründung des Dorotheums von einer GmbH in eine GmbH & Co. KG hätten die Käufer ein Steuerzuckerl von 16,9 Millionen Euro erhalten. Letztlich sei der mit 48,7 Millionen Euro hohe Wert der Immobilien des Dorotheums nicht berücksichtigt worden.
Im Zuge der Ermittlungen rund um den Buwog-Verkauf tauchten auch Korruptionsvorwürfe beim Dorotheums-Verkauf auf. Belastet wurde Grasser, der diese Vorwürfe stets zurückgewiesen hat, von Willibald Berner, früher Kabinettschef von Infrastrukturminister Michael Schmid. Parallelen zur Buwog gab es doch: Der Abstand zwischen dem Bestbieter OneTwoSold und der unterlegenen Valora-Gruppe war mit 2,5 Millionen Euro sehr gering. Der Valora gehörten übrigens die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Peter Hochegger und Ernst Karl Plech an. Sie spielten auch bei der Buwog eine wichtige Rolle. Walter Meischberger soll beiden Bietern seine Dienste angeboten haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)
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