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Neuer Anlauf für die Sonntagsöffnung

24.08.2012 | 18:29 |  JULIA KERN UND JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse)

Richard Lugner will mit einer neuen Klage die Sonntagsöffnung erstreiten. Auch der Besitzer der Drogeriekette Dayli will sonntags aufsperren – aber nur, wo es das Gesetz erlaubt.

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Wien. Eines kann man Richard Lugner bestimmt nicht vorwerfen: dass er nicht hartnäckig wäre. Vor wenigen Wochen blitzte er mit seiner Klage gegen das Verbot der Sonntagsöffnung beim Verfassungsgerichtshof ab. Nun unternimmt er einen neuen Anlauf: Lugner will die Handelskette Spar klagen, weil deren Geschäft am Flughafen Wien am Sonntag aufmacht. Billa könnte folgen. „Ich fühle mich gefrotzelt. Die verdienen sich dumm und dämlich an den Sonntagen“, sagte Lugner zur APA. Dies sei eine Ungleichbehandlung und Unverschämtheit. Bei Spar nimmt man das gelassen: „Denn bei uns ist alles rechtens“, sagt eine Sprecherin.

 

Aufsperren teilweise erlaubt

Lugner wollte vor dem Verfassungsgerichtshof erwirken, dass er seine Lugner City an fünf bis sechs Sonntagen im Jahr aufsperren darf. Das Gericht entschied aber, dass das Sonntagsverbot mit einem öffentlichen Interesse auf Wahrung der Wochenendruhe zu rechtfertigen sei. Geschäfte dürfen generell von Montag bis Freitag von sechs bis 21 Uhr und an Samstagen von sechs bis 18 Uhr geöffnet haben. Es gibt aber eine Vielzahl von Ausnahmen, wie etwa auf Flughäfen.

Eine Sonderstellung hat auch die Gastronomie. Lebensmittelgeschäfte, die zusätzlich eine Gastronomie-Lizenz haben, dürfen am Sonntag aufsperren, allerdings nur mit einem begrenzten Sortiment. Ein Graubereich, den vor allem Händler im städtischen Raum nützen, um Milch, Brot und Schokolade zu verkaufen. Das Milchpackerl wird dann etwa klammheimlich durch das Fenster des Kebabstandes gereicht. Manche Geschäfte verkaufen trotzdem alles, in der Hoffnung, dass sie nicht kontrolliert werden. Wer erwischt wird, muss mit Strafen von über 1000 Euro rechnen, im schlimmsten Fall sogar mit dem Verlust der Gewerbeberechtigung.

Ähnlich will es Rudolf Haberleitner angehen. Er ist Eigentümer der Drogeriemarktkette Dayli, die in den nächsten Wochen aus der insolventen Drogeriekette Schlecker hervorgehen soll. Neben Kosmetika und Hygieneartikel will Haberleitner auch Lebensmittel und Dienstleistungen wie Kopieren anbieten. Und vielleicht auch Kaffee – denn Haberleitner spielt mit dem Gedanken, am Sonntag aufzusperren: „Beschlossen ist noch nichts“, sagt er zur „Presse“. Aber er denke sehr wohl gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer der Kette, Ex-DM-Manager Peter Krammer, darüber nach, für einzelne Filialen eine Gastronomie-Lizenz zu beantragen. Diese Filialen würden dann mit einem Stehcafé ausgestattet und auch am Sonntag aufgesperrt. Dayli werde aber nur dort aufsperren, wo es rechtlich geht: „Wir halten uns an die gesetzlichen Regelungen.“ Zur Klage von Einkaufszentrum-Betreiber Lugner sagt er: „Wir werden uns an solchen Dingen überhaupt nicht beteiligen.“

Doch auch mit einer Gastronomie-Lizenz dürfte sich Dayli in einen rechtlichen Graubereich begeben. Denn Haberleitner könne zwar theoretisch die Gastronomie-Lizenz erwerben und am Sonntag öffnen. Verkaufen dürfe er rechtlich gesehen nur, wenn die „Eigenart des Betriebes“ erhalten bleibe, sagt Roman Seeliger, stellvertretender Geschäftsführer der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer.

 

Das Risiko obliegt dem Händler

Der Handel mit Waren ist also nur erlaubt, wenn der Betrieb vordergründig ein Restaurant ist und der Warenverkauf nur eine untergeordnete Rolle spielt. So dürfte zum Beispiel ein Schnitzelwirt auch Brösel, Eier und Mehl verkaufen. „Werbung machen darf er dafür allerdings nicht“, sagt Alexander Hengl vom Wiener Marktamt.

In welchem Umfang verkauft werden darf, ist allerdings nicht geregelt. Solange Mitbewerber oder Behörden nicht klagen, darf der Händler in dem Ausmaß verkaufen, wie er es sich traut. „Es ist das Risiko des Händlers, zu bestimmen, wie weit er geht“, sagt Seeliger. Hengl sieht das nicht so: „Bei einem Stehcafé darf Dayli an seine Kundschaft Kaffee ausschenken und sonst nichts.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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87 Kommentare
 
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Gast: Die Wahrheit ist die:
27.08.2012 14:55
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Es wird die Sonntagsarbeit sicher NICHT bezahlt!

De facto arbeiten viele WE-Kräfte auf Zeitausgleich bzw. im Rad. Wie viele bekommen die Wochenenden wirklich bezahlt?!

WE-Arbeit darf unterm Strich nicht mehr als normale Arbeit kosten, da sonst zu teuer!

Heut will Lugner sechs Sonntage, bald 20, dann alle! Das Spiel kennt man schon von den Samstagsöffnungen und den Feiertagen (8.12.).

Abgesehen wird der feine Hr. Lugner seine Wochenenden sicher gerne mit Familie verbringen. Warum vergönnt er das anderen nicht?

Lugner= Lügner

0 0

Ein Gammel Einkaufszentrum

Wer diesen Betrieb auch von Innen kennt weiß warum er dort nicht hingeht.
Es steht nie in der Zeitung das dort selbst Securitys zusammengeschlagen werden ein Tummelplatz für Gesindel aller Art.

Lugner ist mindestens so komisch...

...wie Stronach beim Rennen um den Geriatriepreis!

Gast: Wasserlaeufer
26.08.2012 11:46
0 0

Die Sonntags Einkaufsmoeglichkeit

wird dann alle die 99 % besonders freuen die am Sonntag arbeiten muessen ;-)

Re: Die Sonntags Einkaufsmoeglichkeit

Und was mit denen, die ohnehin schon am Sonntag arbeiten? Dann hat man halt unter der Woche zwei Tage frei. Ist ja in anderen Branchen auch nicht anders.

Gast: Wasserlaeufer
25.08.2012 21:26
1 0

A Ruah muass sein,

und aus Schluss basta!

Welcher Handelsangestellte will schon am
Sonntag auch noch budelhupfen wenn
er/sie eh schon bis 21:00 Uhr im Geschaeft
steht.

Immer ruecksichtsloser werden heutzutage die
Kunden.

Servicewüste Österreich!

Man könnte sich in Österreich ruhig an anderen europäischen Ländern orientieren. Z.B. Tschechien. Viel mehr Auswahl und das auch am Sonntag.

Re: Servicewüste Österreich!

Und der Preis ist auch heiß!!Ersparnis mit Spritkosten Nulllösung.

Öffnungszeiten

Die Kirche, die ja so gefürchtet ist wegen der Sonntagsruhe, die darf offen sein und Pfarrer, Messner und Ministranten(Kinderarbeit) dürfen hakeln. lol. Österr. macht sich lächerlich. Es gibt soviele Arbeitnehmer, für die ein Dienstplan mit Sonntag, selbstverständlich ist. (Schilehrer, Badewaschl, Klofrau, Straßenkehrer und Masseur)
In allen Fremdenverkehrsorten (wo ist die Definition?) darf Billa, Spar,etc. Sonntags offen haben, Tankstellen sowieso, nur nicht im Einzelhandel - lächerlich...

Vielleicht wird demnächst der Freitag

der arbeitsfreie Tag?

Des is gscheit

Das restliche Familienleben muss auch noch mit Gewalt ruiniert werden. Die Chance das eine Verkäuferin mal Überstunden ausbezahlt bekommen könnte, rückt in noch weiterer ferne.

Vereine die darauf angewiesen sind, dass ihre Mitglieder am Wochenende Zeit haben, werden ein Problem bekommen.

Schafft Arbeitsplätze? Des schau ich mir an, wer da wegen einige Stunden eine Vollarbeitszeit einstellt. Mein Chef stellt sich am Samstag immer selber ins Geschäft, damit er sich diese Kosten sparen kann! (Real Wirtschaft)!

Und wie ein Unternehmen mehr Umsatz damit generieren soll, muss mir auch noch erklärt werden oder bekommen die Bürger deswegen mehr Geld zum ausgeben vom Staat geschenkt?

Antworten Gast: international_
26.08.2012 06:30
1 0

Re: Des is gscheit

dem lugner geht es auch nicht um mehr umsatz für die gesamtwirtschaft, sondern einzig und allein darum, mehr von dem gesamtkuchen in sein ekz zu kriegen.
und eines ist klar - von so-öffnung würden nur die ekz profitieren.

lugner ist selbst nicht händler, sondern nur vermieter. durch umsatzabhängige mietverträge würde er persönlich von einem 7. umsatztag sofort profitieren.

die händler selbst würden zwar mehr umsatz machen , aber wohl kaum etwas verdienen, da die mitarbeiter am sonntag berechtigterweise hohe zuschläge bekommen würden.

Re: Des is gscheit

jep. wertschöpfung <= null, und das ist vorsichtig formuliert.

Re: Des is gscheit

jep.. die kaufkraft wird dadurch nicht 'mehr'. (denke auch nicht, dass sonntags geld gedruckt und verteilt wird )
mit der sonntagsöffnung möchte man die umverteilung zugunsten grosser ketten, konzerne erreichen. reine gier der aktionäre und reichen.

Jobs

Fast 30 % der Bevölkerung muss Sonntags arbeiten. Warum sollte der Handel hier eine Ausnahme sein ?

Durch Lobbying der grossen Konzerne wird hier eine Sonntags-Öffnung verhindert.

Sonntags Geschäfte aufzusperren ist in vielen europäischen Ländern seit Jahren Standard und bring zig-tausend Arbeitsplätze.

Antworten Gast: international_
26.08.2012 06:41
0 0

Re: Jobs

die 30% sind stark anzuzweifeln. aber egal - wenn der handel als große berufsgruppe dazukommt wird der prozentsatz der sonntagsarbeiter stark steigen - folgewirkung: man braucht am so auch kinderbetreuungsplätze, dichtere intervalle bei den öffis und vieles mehr wie unter der woche = der prozentsatz der sonntagsbeschäftigten wird nochmals erhöht und der sonntag als tag für gemeinsame aktivitäten von familie und freundeskrieis ist endgültig hin.

ihre zig-tausend arbeitsplätze können sie übrigens auch vergessen, da der zu verteilende kuchen nicht größer, sondern lediglich umverteilt wird.
einkauf am sonntag STATT unter der woche oder einkauf am sonntag STATT besuch einer freizeiteinrichtung.
das den konsumenten zur verfügung stehende geld wird nämlich leider nicht mehr, weil ein paar läden länger offen haben.

Re: Re: Jobs

ja, weil ich am sonntag auch die ZEIT fuer einen einkauf habe, der nicht mit 'schnell ausm buero, sonst sperrt mir der billa zu' eingeleitet wird...

Antworten Gast: ido
25.08.2012 16:35
2 3

Re: Jobs

Das "Lobbying der grossen Konzerne"??? Kompletter Unfug - die (Handels)Konzerne sind die die aufsperren wollen.

Der einzige Grund warum bei uns sonntags (noch) nicht offen ist, ist der überdimensionale Einfluss der Kirche in Österreich

Re: Re: Jobs

wenn ich schon lese 'einziger grund' ist das für michein zeichen...
ich stelle sie gerne an, für sonntagsarbeit.

anscheinend st ein mass das über einen tellerrand hinausgeht für sie schon überdimensional.

armer alter Mann

setzen sich sich endlich zur Ruhe und verschonen sie die Bürger mit diesem Öffnungs Geplärre
die Versorgung klappt auch ohne Sonntags Lugner

Gast: auwe
25.08.2012 15:15
1 4

also mMn

sind jene extrem im vorteil, die sonntags geöffnet haben dürfen. speziell fällt mir da der billa am praterstern ein (von allen sonntagseinkäufern dort besitzen wahrscheinlich nicht mal 5% ein bahnticket), aber natürlich auch alle anderen supermärkte die an bahnhöfen lokalisiert sind und daher einen sehr großen wettbewerbsvorteil genießen.

also allen das recht geben, sonntags zu öffnen...oder - konsequent wie beim duty-free shop am flughafen - das ticket kontrollieren.

Re: also mMn

und sonst fahr ich mit da s-bahn um an euro zum flughafen.

Re: also mMn

Ticketkontrolle bringt da gar nix. Wenn man eine Station hin zum Praterstern fährt, um dort einzukaufen, dann hat man ein Ticket. Jahreskartenbesitzer haben auch immer ein Ticket.

Ist mir egal

Was immer möglich, kaufe ich bei Amazon und lasse es mir in die Firma schicken. Meine Bestellungen schicke ich im Normalfall zwischen 20 und 0 Uhr ab, nämlich dann, wenn ich Zeit habe, oder auch am Wochenende. Wenn die Politik verhindert, dass österreichische Händler ihren Umsatz machen, geht er halt anderswo hin.

Re: Ist mir egal

Dito :).
Könnte man Lebensmittel auch online bestellen, dann würde ich auch dieses Angebot nützen. Leider gibt es dieses Angebot bis jetzt nur sehr beschränkt.

Gast: international_
25.08.2012 11:35
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unverständlich

unverständlich ist für mich, warum immer nur über die öffnungszeiten des handels diskutiert wird!

viel dringender wären meiner meinung kundenfreundliche öffnungszeiten der ämter, wo man nicht einmal am samstag etwas erledigen kann.

auch handwerker könnten ruhig nicht schon am freitag mittag den hammer fallen lassen, sondern servicedienste zumindest auch am samstag anbieten!

 
12 3

Hobbyökonom