Wien/hie. Frost, Hagel, und extreme Trockenheit haben die österreichischen Landwirte heuer in Angst und Schrecken versetzt. Auch die Weinbauern blieben nicht verschont: Die diesjährige Weinernte dürfte „unterdurchschnittlich“ ausfallen, sagte Josef Pleil, Präsident des österreichischen Weinbauverbands, am gestrigen Montag. Er rechnet für heuer mit zwei bis 2,2 Millionen Hektolitern, davon entfallen 0,6 Millionen auf Rotwein. Die Schäden durch die Witterung dürften sich auf rund 22 Mio. Euro belaufen.
„Es gibt sicherlich keine Engpässe bei der Versorgung. Aber es gibt Betriebe, die null Ernte einbringen können“, so Pleil. Besonders hat es das Pulkautal im Weinviertel getroffen, aber auch die übrigen Teile Niederösterreichs und Teile des Burgenlands wurden geschädigt. Der Weinbauverband schätzt, dass in Summe mehr als 6000 Hektar „extrem“ beschädigt wurden, wovon etwa 2000 Hektar „völlig ertragslos“ bleiben würden. Die betroffenen Betriebe müssten nun Trauben zukaufen, um ihre Kunden beliefern zu können. Die gute Nachricht: Die Qualität der Ernte werde „außergewöhnlich“ sein. „Was geblieben ist, hat sich sehr gut entwickelt“, so Pleil. Die Anbaufläche beläuft sich in Österreich auf etwa 46.000 Hektar.
Durchschnittspreis je Liter steigt
Neben der guten Qualität freuen sich die heimischen Winzer über eine zweite Entwicklung: Der österreichische Wein verabschiedet sich zunehmend aus dem Billigsegment. Das wird durch die geringe Menge noch befeuert. „Das Billigsdorfer-Segment sinkt“, sagt Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing. Im Jahr 2011 war die Ernte zwar besser als jene, die heuer erwartet wird. Das Jahr davor jedoch deutlich schlechter. „Bis zum Jahr 2009 kosteten 40 Prozent der österreichischen Weine im Supermarkt weniger als zwei Euro. Heuer sind es nur mehr 15 Prozent.“ Die Kunden seien bereit, für einen guten Wein mehr auszugeben. „Das muss kein teurer Luxus sein, aber ein bis zwei Euro mehr sind drin. Das ist die große Chance, die es zu nützen gilt“, so Klinger.
Auch im Ausland zahlen die Kunden immer mehr für Wein aus Österreich. Im Vorjahr wurden knapp 47 Millionen Liter österreichischer Wein exportiert, die 126 Mio. Euro einbrachten. Im Jahr 2003 lag der Exporterlös noch bei 67 Mio. Euro – allerdings für 83 Millionen Liter. Der größte Exportmarkt ist Deutschland: Dort bringt ein Liter durchschnittlich 2,18 Euro ein. Anders in der Schweiz und in den USA, wo der Durchschnittspreis je Liter mehr als vier Euro einbringe: „Dort verkaufen wir aber auch nicht im Supermarkt“, so Klinger. Er warnt angesichts der knappen Ernte vor übertriebenen Preiserhöhungen. Sonst würden dramatisch viele Marktanteile verloren gehen. „Zwischen drei und zehn Euro ist das Segment der Zukunft“, so Klinger.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)
WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet

