Wien/Höll. Im Gesundheitssystem könnten relativ einfach 256 Mio. Euro pro Jahr eingespart werden, indem Ärzte vermehrt Generika statt Originalmedikamenten verschreiben würden. Dies geht aus einer Studie des Instituts IMS Health hervor, die vom Generikaverband präsentiert wurde.
Generika sind nachgeahmte Produkte von Originalmedikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist. Generika werden daher billiger verkauft, sie haben aber die gleichen Wirkstoffe wie die Originalpräparate, sagt Christoph Baumgärtel, der im „Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen“ für die Medizinaufsicht zuständig ist. „Berichte über vermeintlich schlechtere Wirkungen von Generika halten einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand“, so Baumgärtel. In Österreich überprüfe die Medizinaufsicht die Wirksamkeit und Sicherheit jedes Generikums.
Nur bei „völliger Erfüllung aller gesetzlichen und wissenschaftlichen Auflagen“ erfolge die Genehmigung. Im Vorjahr wurden 961 Generika zugelassen. „Der Vorteil liegt im Einsparungspotenzial, also im volkswirtschaftlichen Nutzen“, so Baumgärtel.
Sind Ärzte nicht kostenbewusst?
Rund 40 Prozent aller hierzulande verkauften Medikamente sind ein Generikum. Damit gehört Österreich laut Baumgärtel zu den Schlusslichtern. So liegt der EU-Durchschnitt bei 60 Prozent. In den USA sind es 80 Prozent.
Über die Gründe für den im internationalen Vergleich schleppenden Verkauf gehen die Meinungen weit auseinander. Generikahersteller kritisieren, dass es für Ärzte, Apotheken und Patienten zu wenig Anreize gibt. In anderen europäischen Ländern wie in Deutschland wurde die sogenannte „Aut idem“-Regelung eingeführt. Das bedeutet, dass Ärzte nur noch den Wirkstoff vorschreiben. Der Patient geht dann in die Apotheke, wo das günstigste Medikament ausgewählt wird.
In Österreich wurde nach heftigen Diskussionen die Einführung einer solchen Maßnahme allerdings verworfen. So kritisierten etwa Apothekenvertreter, dass die Lagerhaltung aufwendiger werden würde. Viele Ärzte wollten wiederum die Entscheidungsgewalt über das definitive Medikament nicht an die Apotheker abgeben.
Laut manchen Generikaherstellern fehlt es den Ärzten jedoch an Kostenbewusstsein. Zwar sind Mediziner, die über einen Vertrag mit einer Krankenkasse verfügen, angehalten, beim gleichen Wirkstoff das günstigere Medikament auszuwählen. Doch dies wird nicht ausreichend überprüft, heißt es.
Apotheken greifen zu Originalen
Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei rezeptfreien Medikamenten. Tests des Vereins für Konsumenteninformation ergaben, dass in den Apotheken in 33 von 40 Fällen zunächst einmal die teuren Originalpräparate angeboten werden. Selbst auf dezidierte Nachfrage nach einem günstigeren Generikum wird dieses häufig nicht verkauft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)
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