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Bawag-Prozess als Farce: Helmut Elsner im Kurhotel

03.09.2012 | 18:08 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Die Fortsetzung des zweiten Bawag-Strafverfahrens um Helmut Elsner, einst Bawag-Generaldirektor, und Co. fiel am Montag erneut ins Wasser. Das Gericht scheint ratlos. Auf Gutachterebene gibt es eine Pattstellung.

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Wien. Montag, neun Uhr, im Grauen Haus: Der gesamte Verhandlungstag ist wieder einmal extra für Helmut Elsner reserviert. Und der 77-Jährige kommt nicht - wieder einmal. Somit dauert die „Verhandlung“, für die immerhin der historische Große Schwurgerichtssaal reserviert worden ist, gezählte fünf Minuten. In dieser Zeit führt Richter Christian Böhm einen kurzen, leicht zynisch angehauchten Dialog mit Elsners Anwalt Jürgen Stephan Mertens: Ist das Hotel, in dem sich Elsner derzeit aufhält, als Wellnesstempel oder als Kurhotel zu sehen?

Ein Blick auf dessen Homepage lässt beide Interpretationen zu: Ebendort wird nämlich das Parkhotel Luisenbad im bayrischen Bad Reichenhall als Ort gepriesen, wo man „Kraft tanken“ kann – „ für die süßen Seiten des Lebens“. Unbestritten ist, dass Elsner, der sich derzeit im „Bawag-II-Prozess“ einer Subsidiaranklage der Bawag ausgesetzt sieht (die Bawag schlüpft dabei in die Rolle des Staatsanwaltes), tatsächlich herzkrank ist. Genau dies führt er, führen seine Ärzte und führen seine Anwälte seit Monaten konsequent ins Treffen. Elsner sei daher verhandlungsunfähig, heißt es.

 

„Keine akute Gefahr“ für Elsner

Der von Richter Böhm beauftragte Gerichtsgutachter, der Wiener Kardiologe Günter Leopold Steurer, sieht das anders. Er stuft Elsner als verhandlungsfähig ein und schreibt dazu in seinem jüngsten Gutachten (datiert mit 8. August): „Herr Helmut Elsner kann den täglichen Belastungen des Lebens normal ausgesetzt werden, und es besteht mit der in der Medizin möglichen Sicherheit keine akute Gefahr für Leib und Leben des Angeklagten. Herr Helmut Elsner ist daher transport- und verhandlungsfähig.“ Doch das nützt dem Gericht gar nichts, solange Elsner im Ausland bleibt. Eine Auslieferung wäre nur via Haftbefehl möglich, und den müsste ein Staatsanwalt beantragen. Doch die Anklage verzichtet seit dem Urteil des ersten Bawag-Prozesses auf eine weitere Verfolgung. Elsner, einst Generaldirektor der Bawag, ist ja bereits wegen der Spekulationsgeschäfte der Bank Ende der 1990er-Jahre wegen Untreue zur Höchststrafe, zu zehn Jahren Haft, rechtskräftig verurteilt. Noch mehr Strafe kann Elsner, der mittlerweile (nach viereinhalb Jahren U-Haft) als haftunfähig gilt, also nicht mehr bekommen. Allein ein zusätzlicher Schuldspruch (ohne weitere Strafe) könnte es noch werden. Darauf zielt nun die Bawag ab. Sie möchte an die Pensionsabfindung (insgesamt 6,8 Millionen Euro) herankommen, die sich Elsner bei seinem Ausscheiden aus der Bank im November 2000 auszahlen ließ.

Der Großteil des Geldes, exakt 5.087.098 €, landete damals in der Privatstiftung „Gambit“. Dieses Vermögen hält die Justiz seit Jahren eingefroren. Somit kommen bis auf Weiteres weder die Bawag noch deren einstiger Chef an das Geld heran. Wie lange diese Pattsituation dauert, ist völlig offen, zumal sich das Ringen um Elsners heiß ersehnten Gerichtsauftritt zur handfesten Justizgroteske entwickelt hat. Solange Elsner im Ausland bleibt, kann er nicht vorgeführt werden. Die Bawag hat als Subsidiaranklägerin einfach nicht die Mittel dazu. Selbst in Österreich könnte Elsner nicht einfach festgenommen und bis zum nächsten Gerichtstermin eingesperrt werden, solange sich kein Staatsanwalt findet, der erneut einsteigt und U-Haft beantragt.

 

OGH als Stütze für Elsner

Durchleuchtet man Elsners Lage, so sticht das OGH-Urteil vom Dezember 2010 heraus. Genau in dem Punkt, um den es nun geht, wurde der Ex-Banker freigesprochen: Die Auszahlung der Pensionsabfindung könne nicht als schwerer Betrug gewertet werden. Betrug setze Täuschung voraus. Ob aber Elsner die Bawag über Spekulationsverluste getäuscht und zur Auszahlung der Abfindung verleitet hat, könne nicht gesagt werden, da ungeklärt sei, ob zum Zeitpunkt der angeblichen Täuschung überhaupt Verluste vorlagen.

Auch die medizinische Beurteilung, wonach Elsner verhandlungsfähig sei, scheint nicht einwandfrei auf der Hand zu liegen: Einem von Elsner beauftragten Privatgutachter, dem ehemaligen Vorstand der Herz- und Gefäßchirurgie in Wels und Lainz (Wien-Hietzing), Manfred Deutsch, gelang der Nachweis, dass frühere Steurer-Gutachten, zuletzt eines vom Mai dieses Jahres, Fehler aufweisen. So schreibt Deutsch in seinem Gutachten (datiert mit 16. 7. 2012): „Den Gutachten des Kollegen Steurer liegt allerdings eine nachweislich falsche Auswertung des Herzfilms zugrunde, wonach konsequenterweise auch die Gutachten des Dr. Steurer hinsichtlich der Herzsituation mangelhaft sein müssen.“ Laut Deutsch hat Elsner ein „schwer krankes Herz“. Und: „Es ist von permanenter Verhandlungsunfähigkeit auszugehen.“

In seiner jüngsten, sehr genauen – und nun für das Gericht ausschlaggebenden – Expertise hat Steurer diese Kritik allerdings eingearbeitet. Die schon erwähnte Schlussfolgerung: „Elsner ist verhandlungsfähig.“ Damit gibt es also auch auf Gutachterebene eine Pattstellung. Mit offenem Ende.

Auf einen Blick

Im Bawag-Prozess war am Montag Helmut Elsner geladen. Wieder war der 77-jährige Ex-Bawag-Boss aus gesundheitlichen Gründen nicht gekommen. Heute, Dienstag, wird das Verfahren fortgesetzt. Auch der Spekulant Wolfgang Flöttl steigt wieder als Angeklagter in den Ring.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2012)

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54 Kommentare
 
12
Gast: Bello
04.09.2012 09:17
2 1

Wirklich ein Witz!!!

Was heißt hier ratlos? Jeden anderen würde die Justiz auch fortführen! Wem deckt der Herr Elsner und von wem hat der Herr soviel Unterstützung? Das ist hier die Frage!

wer Geld hat, kann sichs im Wellness-Hotel gut gehen lassen

nur wer keines hat, muss ins Gefängnis. Justizia mag blind sein, aber in ihre Fänge gerät nur, wer nicht reich ist...

Doch die Anklage verzichtet seit dem Urteil des ersten Bawag-Prozesses auf eine weitere Verfolgung.

Wie das?
Ein Deal der SPÖ mit der ÖVP Justiz?

Höchstwahrscheinlich.

Richter Böhm zeigt sich verstimmt

Die Bevölkerung ist auch darüber verstimmt, daß es bei KHG, dem Euroberater, Faymann oder Rauch-Kallat nach grenzlegealen oder illegalen Handlungen offensichtlich zu keinen Anklagen kommt, während Tierschützer mit dem Mafiaparagraphen geknebelt wurden und - trotz Freisprüchen - teilweise nach dem Einsitzen in Untersuchungshaft ihre Jobs verloren.

Justizskandal

Es ist unfassbar wie ein eingebildeter und überheblicher Mann mit der Justiz Schlitten fährt. Ist Österreich nun ein Rechtsstaat oder doch eine Bananenrepublik?

Gast: wansuk
03.09.2012 22:44
4 0

schoen fuer alle

der richter weis genau dass der herr elsner nicht kommt.
was macht er dann den restlichen tag.
mfg

4 0

Re: schoen fuer alle

Vielleicht geht er mit Elsner essen und sie lachen sich schief.

4 1

Den Fall Elsner und den im Kurier zitierten, eines Schussopfers durch die Polizei, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen


Das ist schon irgendwie ekelhaft.

http://kurier.at/nachrichten/wien/4510638-schussopfer-muss-auf-der-bahre-vor-gericht.php

Als Otto Normalverbraucher hat man keine Rechte, außer vom Staat geschröpft zu werden.


eben ein primus inter pares

was will man da schon machen.

Gast: Hannes Ebner
03.09.2012 20:27
4 0

Justizskandale über Justizskandale!!

Die österr. Justiz taumelt von einem Skandal zum nächsten. Der haftunfähige Tanzbär Elsner reist genüsslich durch die Welt, und k.ckt der österr. Justiz ins Gesicht. Da sind wir hingekommen. Danke Frau Karl! Oder ist das etwa sogar Justiz-Absicht??

Schmiere

wieviel Schmiere hat Elsner denen gezahlt? Schätzungen?

0 0

Re: Schmiere

Der bekommt sicher für das,dass er stillhält und ruhig ist noch bezahlt.

2 0

Re: Schmiere

Wohl nichts. Er weiß noch zu viel, das er noch nicht erzählt hat.

Gast: international_
03.09.2012 19:55
7 0

interessant

interessant, dass jemand, der haftunfähig ist einmal abends in der bar tanzen kann und ein andernmal reisen ins ausland ohne schwierigkeiten übersteht.

0 0

Re: interessant

Das lange Sitzen in der schlechten Luft tut ihm halt nicht gut.

wie den mubarak müsste man auch den elsner im krankenbett

zu gericht bringen!

aber unsere justiz lässt sich von dem und seiner frau gern verarschen.

Gast: IO
03.09.2012 19:03
7 0

Diese Justiz ist das Letzte

.

Gast: Vogel Strauss
03.09.2012 18:41
5 1

Der muss viel wissen ...

Dass ihn die alle so decken ... find ich interessant, dass ihn keiner fallen lässt! Ich schließe daraus, dass - wenn der auspackt - die Republik ein mittleres Erdbeben erlebt. Da wäre die GroKo wahrscheinlich am Ende!

Gast: schluckspecht
03.09.2012 18:28
16 1

Elsner häckerlt die Justitz genauso, wie Grasser, Strasser, Rauch-Kallat und Faymann. Geht alles bei uns in Österreich, wenn es nicht gerade die FPK oder die FPÖ betrifft.


2 0

Re: Elsner häckerlt die Justitz genauso, wie Grasser, Strasser, Rauch-Kallat und Faymann. Geht alles bei uns in Österreich, wenn es nicht gerade die FPK oder die FPÖ betrifft.

Bei der FPÖ oder BZÖ werden Exempel stautiert mit Haftstrafen gerne auch wegen Rechtschreibfehlern. Da ist die Justiz extra scharf.

SPÖ und ÖVP müssen halt bis zur nächsten Wahl die Opposition hinter Gittern haben. Die Grünen dürfen bleiben, die haben sich schon bewährt.

Stronach wird es nicht so leicht haben einen Club zu gründen wie einst Heide Schmidt. Gegen den werden in "Österreich", Heute und Krone noch schwere Geschütze aufgefahren werden. Die Asfinag, Wiener Wasser und Verkehrsbetriebe werden das zu honorieren wissen.

Gast: Bello
03.09.2012 16:04
9 2

Was glaubt der Herr Elsner eigentlich, wer er ist?


Auch andere Häftlinge sind sicherlich schwer krank, warum lässt man die nicht auch auf eine Kur fahren???

Gast: b745
03.09.2012 16:02
10 2

dier ärzte sollte man mal genauer unter die lupe nehmen

von wegen schmiergeld und so

Wenn sich die Österreichische Justiz derart frotzeln lässt,

darf man sie nicht mehr ernstnehmen. Die traut sich nur beim bekannten Hendldieb, da haut sie mächtig drauf!

3 0

Re: Wenn sich die Österreichische Justiz derart frotzeln lässt,

Die lassen sich nicht frotzeln, die spielen uns was vor. Die Komödie: "Wir tun was".

Re: ernstnehmen?

"Ernst nehmen" wollten Sie doch schreiben?
.
Werden Sie, die Klage gegen Ernst Strasser ist rechtskräftig!

Aus dem Zeitungsbericht geht hervor, dass Österreich freisprechen wird.

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1284632/Prozess-gegen-Strasser-soll-am-26-November-starten-?from=suche.intern.portal

17 2

Paparazzi

Wo sind die denn, wenn man sie braucht?
Würde gerne ein Foto vom braun gebrannten, mit dem Hund spazierengehenden Elsner sehen.

 
12

Hobbyökonom