Bereits seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte über eine mögliche Pleite des Schwedenbomben-Herstellers Niemetz. Die Firma, die saisonabhängig zwischen 65 und 80 Mitarbeiter beschäftigt, soll in ernsten Geldnöten stecken und eine Konkurseröffnung unmittelbar bevorstehen. Nun hat Firmenanwalt Stephan Nitzl im Kurier-Gespräch ein Dementi dazu abgegeben. "Eine langfristige Finanzierung soll in den kommenden Tagen oder Wochen stehen, wir sind in der Endphase der Verhandlungen", betont Nitzl.
Ziel sei es nach wie vor, das Unternehmen in österreichischer Hand zu lassen und an der Eigentümerstruktur nicht zu rütteln, so der Anwalt weiter. 20 Prozent des Betriebes sind in den Händen der Firmen-Erbin Ursula Niemetz, 80 Prozent gehören Niemetz-Geschäftsführer Steve Batchelor.
Gehaltsauszahlung vereinbart
Ein Teil der aktuell 67 Mitarbeiter hatte das Unternehmen wegen nicht oder nur teilweise bezahlter Juni- und Juli-Gehälter geklagt. Vergangene Woche wurde bei einer Betriebsversammlung ein von der Gewerkschaft verhandelter Plan vorgelegt. Demnach will das Unternehmen die Forderungen der Mitarbeiter bis Mitte Oktober in wöchentlichen Raten abstottern. Dass die erste Zahlung am 27. August überwiesen wurde, bestätigt auch ein Gewerkschaftsvertreter.
In die marode Kasse des Unternehmens muss wieder Geld kommen. Neben der geplanten Finanzierung soll auch die Produktion wieder nach oben gefahren werden. Bestellungen seien genug da, sagt der Firmenanwalt. Kein Wunder, sind doch in Supermärkten Schwedenbomben derzeit Mangelware. Ein Lokalaugenschein in einigen Geschäften in Wien zeigte, dass derzeit keine Niemetz-Schwedenbomben vorrätig sind. Anstelle dessen füllte ein deutsches Konkurrenzprodukt die Süßwarenregale.
Wenig Veränderung
Kenner des Handels führen fehlende Innovationen als einen wesentlichen Grund für die gegenwärtige Situation bei Niemetz an. „Die Essgewohnheiten haben sich geändert“, sagt der ehemalige Penny-International-Manager Trettenbrein. Konsumenten würden Süßigkeiten, die viel Zucker und Fett enthalten, weniger stark nachfragen. Wer Schwedenbombe hört, denkt an Kalorienbombe. Woran auch der Hinweis, dass ein Stück nur 70 Kalorien enthält, wenig ändert.
„Niemetz hingegen produziert mit Schwedenbomben, Manja und Swedy seit Jahrzehnten dieselben Produkte“, sagt der Handelsexperte. Auch die patentierte transparente Verpackung ist seit den Siebzigerjahren unverändert: In einer durchsichtigen Schachtel reihen sich je drei schwarze und drei mit Kokos bestreute Stücke aneinander. „Der Firma fehlen modernere, innovative Produkte, speziell für die jüngere Zielgruppe“, sagt Trettenbrein.
(herbas)
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