[Wien] Seit 1. Juli ist der Flugbetrieb der AUA und deren Regionaltochter Tyrolean eine Einheit. Der von AUA-Boss Jaan Albrecht initiierte und von den Betriebsräten heftig bekämpfte Betriebsübergang von der AUA zur Tyrolean ist Teil des 260 Mio. Euro schweren Sparpakets, das die AUA in die Gewinnzone bringen soll. Die rund 2500 Piloten und Flugbegleiter haben aber derzeit keine Vertretung, weil die AUA-Spitze den am 4. Juli interimistisch konstituierten AUA-Bordbetriebsratschef Karl Minhard nicht anerkennt, sondern nur den Tyrolean-Bordbetriebsrat. Das soll sich nun ändern. Vom 27. September bis 1. Oktober wählt das fliegende Personal einen neue einheitliche Vertretung, wie Tyrolean-Bordbetriebsratschef Thomas Blaska der „Presse" sagt.
Mit der Einheit, die noch im Juli beschworen wurde, um sich nicht mehr „gegeneinander ausspielen zu lassen" ist das aber so eine Sache. Denn Blaska und Minhard treten mit zwei getrennten Listen an. Möglicherweise wird es noch weitere Listen geben. Der Wahlkampf ist damit eröffnet.
„Wir sind noch nicht so weit, das dauert noch Jahre, bis die Kulturen zusammenwachsen", sagt Blaska. Minhard sieht das ähnlich und spricht von einer „Zwangsehe", in der man zusammenarbeite. Zwar seien alle formalen Schritte für den Betriebsübergang vollzogen, aber die Praxis sehe anders aus. So etwa fahren die Crews immer noch in verschiedenen Bussen zu ihren Flugzeugen, auch die Personalplanung läuft getrennt. Die Neuwahlen seien jedoch wichtig und notwendig, um das Vakuum zu beseitigen.
Viele Klagen anhängig
Außerdem hängt der Betriebsübergang, der die Personalkosten um rund 25 Prozent senken soll, rechtlich noch in der Luft. In mehreren Klagen, unter anderem direkt beim Obersten Gerichtshof (OGH), geht die Gewerkschaft gegen den Betriebsübergang vor. Auch die im Frühjahr erfolgte Aufkündigung des AUA-Bordkollektivvertrags durch das AUA-Management ist gerichtsanhängig.
„Solange wir uns in diesem Graubereich bewegen, sind die verschiedenen Wahllisten verständlich", meint Blaska. Eine Schwächung seiner Position - er vertritt 930 „Tiroler", Minhard 1800 AUA-Kollegen - sieht er nicht. Es sei ja jedem Mitarbeiter freigestellt, wen er wähle. Letztlich würde aus den stimmenstärksten Bewerbern eine einheitliche Vertretung aus 18 Mitgliedern gebildet.
Eine der wichtigsten Aufgaben für den neuen Bordbetriebsrat, der Mitte Oktober konstituiert sein soll, wird die Verhandlung eines neuen Kollektivvertrags für das gesamte Bordpersonal sein. Dies strebt auch Albrecht an. Blaska preschte bereits mit einem Entwurf vor. Inzwischen ist er aber sicher, dass sich das neue Regelwerk heuer nicht mehr ausgehen werde.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 6. September 2012)
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