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Enteignung? Ungarn droht österreichischen Firmen

05.09.2012 | 18:09 |  von Christian Höller (Die Presse)

Rechtsstreit. Nächste Woche könnte Ungarn ein Verstaatlichungsgesetz für die Abfallwirtschaft beschließen, befürchtet die steirische Firma Saubermacher. Die Regelung soll bereits Anfang 2013 in Kraft treten.

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[Wien] Die ungarische Regierung scheint ihre Drohung, die Abfallwirtschaft de facto zu verstaatlichen, umzusetzen. Davon wären österreichische Firmen wie Saubermacher, Abfall Service AG (ASA) und die oberösterreichische AVE betroffen. „Das käme einer Enteignung gleich", sagte Saubermacher-Vorstand Frank Dicker am Mittwoch zur „Presse". Seinen Informationen zufolge könnte das Gesetz bereits nächste Woche im Parlament beschlossen werden. Leo Windtner, Chef der AVE-Mutter Energie AG, will sich auf keine Spekulationen über einen Zeitplan einlassen: „Denn die ungarische Regierung ist unberechenbar."

Zwar versprach Ungarns Premierminister Viktor Orban im Juni bei einem Wien-Besuch, Gespräche mit den betroffenen Firmen aufzunehmen. „Doch solche Gespräche haben nicht stattgefunden", kritisiert Dicker. Orbans Bürgerpartei Fidesz verfügt im Parlament über eine Zweidrittel-Mehrheit und kann damit alle Gesetze im Alleingang beschließen.
Laut Angaben der Opposition kommt es immer wieder vor, dass Fidesz heikle Materien ohne lange Vorankündigungen im Schnellverfahren durchpeitscht.

Gesetz soll 2013 in Kraft treten

Bereits Anfang 2012 hatte Orban eine Neuregelung der Müllentsorgung angekündigt. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Dienstleistungen nur noch von der öffentlichen Hand gemacht werden dürfen oder von Firmen, an denen der Staat die Mehrheit hält.

Die Regelung soll Anfang 2013 in Kraft treten. Da die Gemeinden und Städte einige Monate Vorbereitungszeit für die Umstellung brauchen, scheint eine Beschlussfassung im Herbst plausibel. Die steirische Firma Saubermacher ist seit mehr als 20 Jahren in Ungarn tätig und beschäftigt dort 700 Mitarbeiter. Sie ist im Nachbarland einer der größten Anbieter und betreut 600 Gemeinden. Saubermacher hat rund 30 Mio. Euro in den Aufbau des Ungarn-Geschäfts investiert. Für die gesamte Branche geht es laut Vorstand Dicker um Investitionen von 100 Mio. Euro.
Der Verband der der europäischen Entsorgungswirtschaft (FEAD) brachte bei der EU-Kommission gegen den Gesetzesentwurf eine Beschwerde ein. Daraufhin leiteten die EU-Behörden im Sommer ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn ein und schickten einen umfangreichen Fragebogen nach Budapest. ASA-Vorstand Wolfgang Leitner hofft, dass das Gesetz nicht beschlossen wird, solange die EU-Ermittlungen andauern.

Doch selbst wenn sich Brüssel querlegt, hat Ungarns Premierminister Orban schon einen Alternativplan in der Tasche. Er will dann alle Versorger per Gesetz zu gemeinnützigen Firmen umwandeln. In diesem Fall müssten die Unternehmen ihre Gewinne an die Kunden weitergeben. Neben der Abfallbranche wären davon auch Strom- und Gasversorger betroffen. „Dann machen für uns Investitionen in Ungarn wenig Sinn", so ASA-Vorstand Leitner.

Orban ist für seine Vorgangsweise gegen internationale Konzerne gefürchtet. Neben Slowenien wurde Ungarn besonders hart von der Wirtschaftskrise getroffen. Das Land ist stark verschuldet. Orban wirft einigen Firmen vor, auf Kosten der Bevölkerung zu hohe Profite erwirtschaftet zu haben.

Bereits im Vorjahr knöpfte sich der Rechtspopulist die Banken vor. Sie wurden per Gesetz gezwungen, in Schweizer Franken aufgenommene Kredite von Privatkunden zu einem günstigen Kurs in die Lokalwährung Forint umzutauschen. Die Lasten dafür mussten die Finanzinstitute tragen. Außerdem wurde eine Sondersteuer für zahlreiche Branchen eingeführt.

Ist die EU hier machtlos?

Seit Monaten prüfen Österreichs Banken, ob sie gegen Ungarn rechtliche Schritte ergreifen. Doch Raiffeisen Bank International-Chef Herbert Stepic schätzt die Chancen, dass tatsächlich geklagt wird, für gering ein. Denn ein Prozess würde Jahre dauern. Und außerdem lasse die Unterstützung der EU zu wünschen übrig.
Leo Wintner, Chef der AVE-Mutter Energie AG, setzt trotzdem alle Hoffnungen auf Brüssel: „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die EU ein solches Gesetz durchgehen lässt. Denn das würde den Grundgedanken des Binnenmarktes in seinen Grundfesten erschüttern."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)

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162 Kommentare
 
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Nicht vergessen: Diese Kreatur von ungarnem Premierminister Viktor Orban lobte erst kürzlich der erbärmliche Ex-ÖVP-Kanzler Schüssel!

Soweit zur Erinnerung, falls jemand noch daran denken sollte die ÖVP zu wählen!

habe gerade im kronenpapier gelesen,

das die eu das wasser privatisieren will, das ist jetzt aber wirklich alarmierend, da kommt jemand daher der sagt er hätte rechte auf mein grundwasser, das ist doch zu perfid, aus diesem blickwinkel betrachtet, sieht die sache in ungarn anders aus. vielleicht meinen die ungarn, wir nehmen uns das zurück was uns gehört, aber dazu bedarf es keiner enteignung, die verträge sind ganz einfach nicht zu verlängern, es klingt dich so das die öst. saubermänner ein unbegrenztes recht auf den ung. abfall hätten.

Gast: Manfred Berterer
09.09.2012 09:04
0 0

Klar

Die ungar. Regierung wird von "Jobbik" (Imitatoren der faschistischen Pfeilkreuzler) unterstuetzt. Also das alte Bild: "national" und "sozialistisch": Verstaatlichung. Vorbild fuer die - noch 0,0001-Prozent-demokratische EU?

Gast: Be-obachter
08.09.2012 09:45
0 0

Passt!

Österreichische Firmen haben in Ungarn eh nix verloren.
Weil wir selber jeden Arbeitsplatz brauche,

Re: Passt!

Ach, für sie gibt es keinen Arbeitsplatz ....
Warum wohl???

Gast: j.d.
07.09.2012 08:39
3 0

siehe

endlich mal einer der sieht, versteht und reagiert - in der politik zu selten

Gast: Rating Agent 007
07.09.2012 00:27
0 0

Hier ist Österreich machtlos.

Daher gleich alles Geld in Ungarn abschreiben und um EU-Hilfe anstellen.

Gast: Schlaubi
06.09.2012 22:20
2 1

Die internationale Finanzmafia enteignet jedenfalls alle: Aufschrei?

Nein, die steuert ja auch die Medien.

Gast: invest
06.09.2012 21:29
2 0

Ungarn ist eine Mausefalle

Man kommt hinein, aber nicht mehr raus

Enteignung?!?!

Ich kenne die Vorgeschichte nicht, aber das klingt als wäre dieser Staat nicht mehr ernst zunehmen.

Gast: Fprester
06.09.2012 18:17
5 0

Orban hat den Trick begriffen

Orban hat offenbar begriffen, dass kein Land aus der EU geworfen wird, auch wenn das betreffende Land gegen alles EU-Recht verstösst. Wenn man das mal intus hat, kann man eigentlich ganz ungeniert schalten und walten.

sehr unrealistisch...

... das die ungarischen Kommunen in so kurzer Zeit selsbt ein System zur Abfallversorgung aufbauen können. Das Land wird leider im Müll versinken.
Sehr realtiätsfremd der Herr Orban.

Gast: Der Troll
06.09.2012 15:47
2 2

Orban

der neue Liebling der Bräunlinge im Presseforum. Ach wie niedlich.

Antworten Gast: @derTroll
06.09.2012 16:39
6 4

Re: Orban

Tja, Orban verkauft und verrät jedenfalls nicht seine Mitbürger an die Finanzmafia und deren Handlanger in Bruxelles.

Dass sein Widerstand natürlich Unwillen bei den Besatzern und ihren Systemmedien hervorrufen ist durchsichtig.

ABER: Genauso wie putin weiss Orban dass dieser WIrbel im H20-glas nur künstlichh ist.

Der EU und auch den USA sind Menschenrechte völlig egal, das sieht man an den kriminellen Machenschaften dieser Vereine in der 3. Welt.

es geht nur um macht, und die wütenden Angriffe der Systempresse auf Putin und Organ (Männer solchen Formats würd ich mir auch in Österreich als anführer wünschen, und keine Bilderberger-blödmanns!) beweisen dass sie - aus der Sicht ihrer Länder - recht haben.

aus der Sicht der Finanzmafia natürlich nicht...

Es wäre sozialverträglicher,

wenn Du Deine Sehnsüchte nach einem "straken Mann" bei einem entsprechenden privaten Dienstleister im stillen Kämmerlein ausleben würdest.

Die Kollateralschäden selbsternannter Dominas auf nationaler Ebene sind einfach zu groß.

0 0

"Die Kollateralschäden selbsternannter Dominas auf nationaler Ebene sind einfach zu groß."

Ja, das sieht man vor allem an der EU.

Antworten Antworten Gast: Konservativer
06.09.2012 17:55
1 3

Orban ist einfach ein Kummerl.

"Tja, Orban verkauft und verrät jedenfalls nicht seine Mitbürger an die Finanzmafia und deren Handlanger in Bruxelles."

Nein, er ist nur ein Stalinist, der die freie Marktwirtschaft durch eine Gulasch-Kolchose ersetzen will.

Ich merke, Ihnen gefällt das. Na dann viel Spaß mit Ihrem Puszta-Kummerl.

Antworten Gast: RRP
06.09.2012 16:13
2 2

Re: Orban

Und der Realsozialistlinge auch.
Die passen nämlich beide super zusammen :-))

Antworten Antworten Gast: Der Troll
06.09.2012 17:11
1 2

Re: Re: Orban

Das ist allerdings richtig. So nach dem Motto P schlägt sich, P verträgt sich

soll noch einmal einer sagen....

...die EU hätte nicht ihre Berechtigung!!!
Was es da nicht alles gibt in unserem feinen Europa. Einen Rückschritt in die Zeit der Diktatur und das Mitten in Europa.
Wie wäre es mit Sanktionen?
Achja, ich hab vergessen, die gibt es ja nur gegen den hohen Nettozahler Österreich...

Antworten Gast: c'est la guerre
06.09.2012 16:15
0 0

Re: soll noch einmal einer sagen....

c'est la vie :-))))

ein Blick nach Neapel gefällig ?

scheint so als ob sich Orban in diese Richtung orientiert
die Stadt erstickt im Dreck ,weil die Entsorgung in Mafiahand ist
Buda -bald erwischt dich die Pest

Staat treibt die Preise nach oben!

Die Preise für Versorgungsgüter wie Strom, Gas oder Wasser steigen immer am stärksten, wenn der Staat dafür zuständig ist. Wassergebühren sind ein wunderbares Beispiel genauso wie die Gebühren für die Müllabfuhr in Österreich.
Im Strom- und Gassektor gibt es in der EU eben keinen funktionierenden Markt. Immer noch haben staatliche oder staatsnahe Betriebe Kartelle und Monopole. Wenn es hier eine funktionierende Anti-Monopolbehörde gäbe, wären die Preise deutlich geringer.
Hauptproblem mit den Energiepreisen ist allerdings das Gelddrucken der (staatlichen) Notenbanken. Sie erzeugen Inflationsangst und treiben die Anleger in Rohstoffe wie Öl und Gas. Durch den staatlichen Markteingriff der Notenbanken (Zinsmanipulation, Gelddrucken) wird der Großteil der Preissteigerungen verursacht.

Re: Staat treibt die Preise nach oben!

sie haben recht, die privatwirtschaft ist billig, so wie die chinesische ware, ohne qualität, im finanzbereich konzessionierter betrug, das ist die neoliberale privatwirtschaft.

Re: Staat treibt die Preise nach oben!

genau, und die privaten beschenken uns.geiz ist geil.

Das schöne am Kapitalismus ist,

daß es keine guten Intentionen für ein gutes Ergebnis braucht.

Kollektive Systeme hingegen rechnen immer mit (in ihrem Sinne) idealen Menschen, sind dann enttäuscht und greifen zur Gewalt, bevor sie die eigene Dummheit den Weg alles irdischen gehen lässt.


 
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