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Greenonetec: „Nur die Sonne schickt keine Rechnung“

06.09.2012 | 18:20 |  von Matthias Auer (DiePresse.com)

Robert Kanduth hat die Solarthermie in Österreich aus der Selbstbauszene der Ökofreaks ins Zeitalter der Industrie geholt. Heute baut er das größte Sonnenkraftwerk der Welt in Saudiarabien.

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St. Veit. Es war ein Fest ganz nach seinem Geschmack. Oben am Himmel zog der Kunstflieger Hannes Arch seine Loopings über St. Veit an der Glan. Unten am Boden drängte sich Kärntens Prominenz zwischen den Montagehallen der Firma GREENoneTEC. Über tausend Mitarbeiter, Unternehmer, Politiker und Ökofans applaudierten zum Fünfziger jenes Mannes, der die Solarthermie in Österreich zu einem profitablen Geschäft gemacht hat. Das war nicht immer so. Vor zwanzig Jahren wollten sie von Robert Kanduth noch nicht so viel wissen.

Damals war die Solarthermie in Österreich noch fest in den Händen der sogenannten Selbstbauszene. Es waren diese Ökopioniere, die hierzulande die Idee unter das Volk brachten, die Kraft der Sonne dafür zu nutzen, um Wasser zu erwärmen. Der gelernte Schlosser Robert Kanduth war damals gerade auf der Suche nach einer Idee, mit der er sich selbstständig machen konnte – und war auf Anhieb fasziniert. Vielerorts schulten diese Pioniere umweltbewusste Kunden ein, damit sich diese ihre Sonnenkollektoren selbst basteln konnten. Mit schwankendem Erfolg. Löteten die Solarjünger ihre Anlagen gewissenhaft zusammen, waren diese dicht und liefern noch heute Warmwasser. Arbeiteten die Leute schlampig, waren die Module hingegen schnell kaputt. „Es hat funktioniert, aber es war unprofessionell“, erzählt Kanduth. Und genau darin sah der damalige Produktionsleiter bei Philipps seine Chance. Er wollte den Bau der Sonnenkollektoren industrialisieren, bastelte in seiner Freizeit die notwendigen Maschinen und legte los.

Nur verkaufen konnte er seine Kollektoren nicht. Die Szene winkte ab. Schließlich verdiente sie ihr Geld bis dato mit dem Verleih ihrer Werkzeuge an die Heimwerker. Erst als Kanduth begann, komplette Solaranlagen inklusive Montage anzubieten, lief das Geschäft an. Mit seinem Bus tingelte der Kärntner durchs Land und montierte einen Kollektor nach dem anderen, bis er mit der Firma Sonnenkraft einen Partner an Bord holen konnte, der seine Kollektoren unter eigener Marke vertrieb. Als Kanduth Philipps wenige Jahre später verließ, hatte er schon fünf Mitarbeiter. Drei Monate danach war ihm klar: „Ich hätte es viel früher machen sollen.“ Heute ist GREENoneTEC der größte Anbieter von thermischen Sonnenkollektoren in Europa mit einem Marktanteil von 25 Prozent.  Jedes Jahr kann das Unternehmen 1,6 Millionen Quadratmeter an Dachfläche mit Kollektoren zupflastern.

Erfolg in der Anonymität

Der Clou hinter dem rasanten Aufstieg: GREENoneTEC vertreibt keine eigene Marke,  sondern baut als Auftragsfertiger für fast alle Anbieter. Ganz ähnlich wie es Foxconn etwa für Apple oder Samsung tut. Auf Messen präsentierten oft nebeneinander sechs Hersteller stolz ihre Produkte, erinnert sich Kanduth: „Fünf davon haben wir gebaut. Und keiner von denen hat es vom jeweils anderen gewusst.“

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Mittlerweile ist es mit der Anonymität aber vorbei. Seit Anfang des Jahres ist GREENoneTEC offiziell Weltrekordhalter. Die Kollektoren aus Kärnten sind das Herzstück der mit Abstand größten solarthermischen Anlage der Welt. 36.000 Quadratmeter an Sonnenkollektoren waren notwendig, um die 40.000 Studentinnen der Frauenuniversität Princess Noura Bint in der saudiarabischen Hauptstadt Riad mit Warmwasser zu versorgen. Um dem harten Wüstenklima zu trotzen, wurden die Solarpaneele komplett neu adaptiert. Bisher mussten sie keinem Sandsturm mit 150 Stundenkilometern standhalten.

Viel Geld verdient das Unternehmen mit dem Prestigeprojekt nicht, die internationale Aufmerksamkeit macht sich aber bezahlt. Bald könnte GREENoneTEC seinen eigenen Rekord brechen. In Chile zeigen Kupferminen großes Interesse. Derzeit erhitzen sie mit teurem Erdöl das Wasser, das für das Auswaschen von Kupfererz notwendig ist. Das Öl müssen sie umständlich in die Atacama-Wüste transportieren. Mithilfe der Solarthermie könnten die Kosten halbiert werden. Bis zu 40 Projekte seien möglich, etliche wären deutlich größer als jenes in Riad.

EU-Verfahren gegen China

Aber nicht in allen Bereichen sind die Aussichten für den Kärntner Firmenchef so rosig. Mit seiner Fotovoltaik-Tochter Kioto hat er die Verwerfungen der vergangenen Jahre voll zu spüren bekommen (siehe unten). Der Preisverfall der Zellen und Module, der Absturz der deutschen Solarbranche, die wachsende Konkurrenz aus Asien. Bei diesem Thema redet sich der hünenhafte Unternehmer leicht in Rage. Die Chinesen würden Preisdumping betreiben und Europa hatte bisher „zu viel Angst“, um sich mit Schutzzöllen zu wehren. Bisher. Denn spät, aber doch hat die EU-Wettbewerbsbehörde ein Anti-Dumping-Verfahren gegen China eingeleitet.

Dass Deutschland mit zu hohen Solarförderungen den Markt erst künstlich aufgebläht und so die asiatische Konkurrenz starkgemacht habe, will der bullige Kärntner nicht bestätigen. Kanduth weiß zu gut, dass die Solarbranche noch stark von öffentlichen Mitteln getrieben ist. Auch in der Solarthermie entscheiden staatliche Subventionen vielfach über den Erfolg. „Als Niederösterreich seine Förderung gestrichen hat, brach der Markt um 90 Prozent ein“, erzählt er.

Um nicht ewig von der Gunst der Politiker abhängig zu sein, hat GREENoneTEC eine eigene Produktlinie entworfen, die sich auch ohne Förderungen rechnet. Die billigeren Module verkaufen sich vor allem in Costa Rica und Brasilien gut. Bald, ist Kanduth überzeugt, werde die Solarenergie der fossilen Konkurrenz aber ohnedies auch preislich überlegen sein. Überall gebe es Inflation, die Preise für Erdöl und Gas würden immer weiter steigen. Und eines weiß er mit Sicherheit: „Nur die Sonne schickt keine Rechnung.“

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18 Kommentare
Gast: Hudriwudri
09.09.2012 18:10
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Die Sonne schickt zwar keine Rechnung

... aber wenn das je was wird, dann wird wohl eine saftige Solarsteuer fällig werden.

Die saftige Rechnung

schickt aber der Kanduth!

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„Nur die Sonne schickt keine Rechnung“

Sondern die, die daraus Energie produzieren. Und wer hat am meisten Sonne? Aber! Wieder mal die, die jetzt schon am meisten Öl haben.

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hmmm

scheinbar

"Auch in der Solarthermie entscheiden staatliche Subventionen vielfach über den Erfolg."

diese subventionen sind allerdings im vergleich zu subventionen auf anderen gebieten ein lächerlich geringer betrag.

doch dafür durfte ich erfahren, dass sie durch bürokratie glänzen und die form von knebelverträgen haben.

das ziel allerdings muss sein: jede dafür geeignete dachfläche (oder sonstige nicht besser nutzbare fläche) muss in absehbarer zeit mit paneelen vollgepflastert sein, damit wir endlich von diesem verbrecherischen wahnsinn namens fossile energieträger wegkommen. nicht zu unserem vorteil, sondern damit unsere kinder und enkel eine chance aufs überleben haben!

Gast: sonnenkind1
07.09.2012 18:38
3 2

Nur die Sonne schickt keine Rechnung,

aber es wird nicht mehr lange dauern bis der Staat für die Sonnenenergie eine "Solarabgabe" einheben wird.
So pro m2 Fläche würde sich das schön rechnen lassen, denn es muss für die entgangenen Steuern auf Energie ein Ausgleich gefunden werden, da bin ich mir ganz sicher!

Die Solar-Blase wird

auch bald platzen!

Antworten Gast: Kontrolleur
08.09.2012 00:18
0 1

Kommts durch?

Ich mache seit einigen Wochen Screenshots von deinem Profil. Und musste erstaunt feststellen das sich die Anzahl deiner Kommentare/Antworten/Bewertunge nicht verändert!
Das heisst du bist offensichtlich ein "Agent Provocateur" der Presse!

MfG

Re: Die Solar-Blase wird

Die Solarblase ist nichts als heiße Luft!

Genau das, was wir brauchen! Günstige Energie ohne Abhängigkeit.

Sie sollten ihre Posts auch als Energiequelle anbieten. Ist sicher ein Geschäft!

Re: Re: Die Solar-Blase wird

Schiefergas aus dem Weinviertel,Braunkohle,WKW-Hainburg und Geothermie!

Re: Re: Die Solar-Blase wird

Was für Saudi Arabien und der Sahara wirtschaftlich und sinnvoll ist,überlebt bei uns nur durch staatliche Förderungen zugunsten diverser Grün-Firmen.

Re: Re: Re: Die Solar-Blase wird

Genau, daher überlebt derzeit die Atom und Kohlewirtschaft.

Rein Wirtschaftlich gäbe es in Europa keine Kohleabbau mehr.

Solaranlagen sind extrem wirtschaftlich, nur halt nicht, wenn Gas-Verbindungen auf Staatskosten gebaut wurden, die Restrukturierung des Monopolisten vom Steuerzahler abgewickelt wurde, und nur ein Bruchteil der entstehenden Kosten (Kläranlagen, Luftüberwachung, Sicherheitsaufgaben) von den Firmen übernommen wird.

Das alles hat nichts mit Grün zu tun, sondern mit Kostenrechnung.

Oder warum glauben sie, dass sich der deutsche Staat gewundert hat, warum nach den Abschaltungen der Atomkraftwerke sofort einige Millionen mehr im Topf waren? Weil die übernommen Sicherheitskosten auf einmal auf 0 gefallen sind. Und das ist wirklich viel Geld, (~1Mrd pro Jahr, für alle Atomkraftwerke in D zusammen)


Re: Re: Re: Re: Die Solar-Blase wird

Postens keinen Unsinn!

Fossile Biomasse vom Erdöl über Erdgas bis Kohle benötigt keine öffentlichen Förderungen,denn ihre Nutzung rechnet sich selbst und sichert viele Arbeitspätze und kann auch in Österreich neue Arbeitsplätze schaffen.

Bei der Atomenergieist es da anders.

Antworten Gast: abcdefghijklmnopqrstuvwxyz
07.09.2012 15:16
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Re: Die Solar-Blase wird

sie posten wie es aussieht in vielen foren - meistens negative aussagen, sudern, alles bloed finden und alles was nur ansatzweise in veraenderung muenden koennte wird von ihnen sofort schlecht gemacht. es scheint fast so als haetten sie wirklich bedarf fuer professionelle hilfe. ich will ihnen wirklich nicht zu nahe treten, aber es hilft manchmal wenn einem ein "unabhaengiger" beobachter etwas feedback gibt. nichts fuer ungut, aber vielleicht gibt es jemanden in ihrem umfeld mit dem sie darueber sprechen konnten und der meine beobachtung moeglicherweise teilt...

Re: Die Solar-Blase wird

was genau meinen sie damit?

Sonneneruptionen?

was anderes kann ich mir nicht vorstellen, denn nicht nur, dass es in einzelnen bundesländern PFLICHT ist, für die warmwasseraufbereitung eine solarthermie zu verwenden, weiß das auch der dümmste häuslbauer, dass sich das schon nach 4-5 Jahren rechnet.

und österreich ist nichts im Vergleich zum europäischen gesamtmarkt.

Re: Re: Die Solar-Blase wird

Nein!

Ich meine die Finanz-Blase mit der Sonnenenergie zur Solar-Stromnutzung!

Die Solarenergie für thermische Nutzung(Warmasser und Fußbodenheizung im Bad) hat sich bei mir,obwohl in sonniger Lage, erst nach 12 Jahren gerechnet.

Re: Re: Re: Die Solar-Blase wird

Im Gegensatz zur Finanzblase bringen nach dem Platzen die Anlagen noch immer Zinsen.

Und wo bekommen sie als Private Investionen, die sich nach 12 Jahren vollkommen amortisieren?

Außerdem, eine Anlage senkt Kosten, die man sowieso hat.
Es zahlt sich also schon aus, wenn die Anlage nur ihre Grenzkosten einspielt.
(Diese Einführung in Kostenrechnung I ist kostenlos!)

Re: Re: Re: Re: Die Solar-Blase wird

Hatte nach 20 Jahren bei meiner Solaranlage die ersten Reparatur-Kosten von ca.450 Euro im letzten Jahr!

Hobbyökonom