Wien/Bad reichenhall/M.s. Er sei herzkrank, der Erfolg der Bypass-Operation vom Februar 2007 sei „zunichte“, da zwei Bypässe mittlerweile wieder verschlossen seien, zudem habe er Lungenprobleme. Dies sagt der Wiener Kardiologe Manfred Deutsch über Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner. Deshalb sei Elsner nicht verhandlungsfähig. Erstmals wird dies nun bestätigt. Und zwar von einem deutschen Gericht.
Da Elsner (77) im Parkhotel Luisenbad im bayerischen Kurort Bad Reichenhall wohnt und noch keiner einzigen Ladung zum zweiten Bawag-Prozess nachkam, wandte sich das Straflandesgericht Wien per Rechtshilfe an das für Bad Reichenhall zuständige Amtsgericht Laufen. Wenn Elsner nicht nach Österreich komme, solle die deutsche Justiz eine Einvernahme durchführen.
Elsner – schon im ersten Bawag-Prozess zur Höchststrafe wegen Untreue, also zu zehn Jahren Haft, verurteilt – wird von der Bawag per Subsidiaranklage erneut verfolgt. Auch soll er gegen den Spekulanten Wolfgang Flöttl als Zeuge aussagen. Um diese Aussage ging es nun. Doch das Amtsgericht Laufen sieht Elsner, vertreten von Anwalt Jürgen Stephan Mertens, eben als verhandlungsunfähig und zog eine bereits ausgeschickte Ladung zurück.
Die Deutschen stützen sich auf ein Attest des eingangs erwähnten Privatgutachters Manfred Deutsch. Ihre Verfügung steht somit im Widerspruch zur Meinung des „offiziellen“ Wiener Gerichtsgutachters. Elsner darf sich somit weiter unbehelligt in Bayern auskurieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)
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