21.05.2013 18:29 Merkliste 0

Österreichs Wirtschaft fällt in den Winterschlaf

10.09.2012 | 17:48 |   (Die Presse)

Die heimische Volkswirtschaft steht vor der Rezession. Die Eurokrise lässt die Exporte schrumpfen, auch der private Konsum geht zurück. Die Gewerkschaft gibt sich vor den Lohnverhandlungen dennoch kampflustig.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Auer/Hie. Die wirtschaftliche Lähmung in der Eurozone steckt auch Österreich langsam an. Mit Italien, Spanien und Großbritannien sitzen drei große europäische Volkswirtschaften in der Rezession fest. Frankreich stagniert, nur aus Deutschland kommt noch Rückenwind für Österreichs Unternehmen.

Für die heimische Konjunktur ist das zu wenig. Nach starkem Jahresbeginn trat sie im zweiten Quartal auf der Stelle (0,1 Prozent), wie das Wifo berechnet hat. In den kommenden Monaten dürfte sich die beginnende Stagnation zu einem tiefen Winterschlaf auswachsen. Österreich muss sich bis Jahresende zumindest auf ein, wenn nicht sogar auf zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung einstellen. Das Land könnte also in der Rezession landen. Noch Ende Juni ging das Institut für heuer noch von 0,6 Prozent und für 2013 von 1,3 Prozent realem Wachstum aus.

Die Ursachen für den Abschwung verorten die Ökonomen jenseits der Grenzen im Rest Europas. Schon von April bis Juni schrumpfte die Wirtschaftsleistung der Eurozone um 0,2 Prozent. Und auch wenn sich der wichtigste Handelspartner, Deutschland, noch halbwegs über Wasser hält: Österreichs Unternehmen gehen die Kunden aus. Im zweiten Quartal exportierten sie um 0,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Nachfrage im Inland konnte das nicht ausgleichen. Die öffentliche Nachfrage stieg deutlich langsamer als zuletzt, die Privaten gaben im zweiten Quartal sogar weniger aus als vor einem Jahr. Langsam macht sich die trübe Wirtschaftslage auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Im August waren 233.000 Arbeitslose vorgemerkt, 6,1 Prozent mehr als 2011.

So wie die Probleme sieht das Wifo auch die Lösungen vorwiegend auf europäischer Ebene. Nationale Konjunkturpakete seien nicht notwendig. Stattdessen klatschen die Ökonomen der Europäischen Zentralbank Beifall. Die EZB hatte vergangenen Donnerstag angekündigt, wieder Staatsanleihen von den schwer verschuldeten Mittelmeerländern aufzukaufen – diesmal ohne offizielles Limit. Während sich das Wifo dadurch positive Effekte auf die Schuldenkrise erhofft, warnen andere Wirtschaftsforscher vor den Folgen einer Geldpolitik, die zu hoher Inflation führen könnte. Vor allem aus Deutschland kommt heftige Kritik. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet damit, dass die Politik der EZB die deutsche Wirtschaft langfristig „zum Absturz bringen“ könnte. Der Druck auf die Südländer würde durch höhere Inflation und einen schwächeren Euro zwar sinken, auch in Deutschland könnte sich das im ersten Moment „gut anfühlen“. Gleichzeitig drohe die deutsche Wirtschaft angesichts der niedrigen Zinsen aber zu überhitzen und an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Den programmierten Absturz erwartet Krämer in „fünf bis zehn Jahren“.

Unangenehme Position für Gewerkschaft

Die Wifo-Ökonomen teilen die Inflationssorgen nicht. Offiziell betrug die Teuerungsrate in Österreich im Juli 2,1 Prozent. Die gefühlte Teuerung liegt allerdings weit darüber. Das Institut rechnet damit, dass der ökonomische Winterschlaf spätestens in zwei Quartalen vorüber ist. Für die Gewerkschaften könnte das zu spät kommen. Sie bringt die Mischung aus Rezessionsgefahr, Arbeitslosigkeit und niedriger offizieller Inflationsrate kurz vor den anstehenden Lohnrunden in eine unangenehme Position.



Trotzdem gibt man sich in der Gewerkschaft kampflustig. „Das Wirtschaftswachstum ist nur ein Parameter“, so Karl Proyer, stellvertretender Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, zur „Presse“. Der anstehenden Metaller-Lohnrunde liege die Inflation der vergangenen zwölf Monate zugrunde: 2,8 Prozent. Eine konkrete Forderung wollte Proyer nicht auf den Tisch legen. Aber unter dem Strich müsse ein Reallohnzuwachs stehen. Also mehr als die Inflationsrate. Die Unternehmervertreter wollten das nicht kommentieren.

Nach dem Wunsch der Arbeitgeber hätten die Verhandlungen der Metaller gestern, Montag, starten sollen. Doch weil die Arbeitgeber angekündigt hatten, künftig nicht mehr in einem Verband verhandeln zu wollen, nahmen die Arbeitnehmervertreter den Termin nicht wahr. Die Gewerkschaft will frühestens am 19. September verhandeln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

120 Kommentare
 
12 3

Das musste ja so kommen!

Wenn die europäischen Südstaaten, die nach der Euro-Einführung plötzlich ein herrliches Leben auf Pump führen konnten, anfangen ihr Wohlleben auf das verdiente Niveau zu senken, so hat das natürlich negative Auswirkungen auf den Konsum und die Exporte dorthin.

Das sollte uns aber gar nicht leid tun, wir haben von denen ja nie Geld für unsere Exporte bekommen! Die Exporteure werden im verrückten EU-System nicht von den Empfängern der Waren bezahlt, sondern von der heimischen (für uns die österreichische) Nationalbank! Diese bekommt dafür eine Forderung an den künstlichen Fond "Target 2", wohin die Nationalbanken der Empfänger den Kaufpreis überweisen sollten, was sie aber gar nicht können. Deutschland hat auf diese Weise schon ca. 700 Milliarden uneinbringliche "Exporterlöse", für die es nie Geld sehen wird und die sie sich letztlich selbst bezahlen müssen! Für Österreich kenne ich keine Ziffer, meist ist so etwas aber etwa ein Zehntel des deutschen Betrages.

Die Exporte an die Südstaaten der EU zahlt also unsere Nationalbank und um die zu "retten", muss dieses Geld dann aus uns herausgepresst werden!

Es braucht uns also überhaupt nicht leid zu tun, dass die Exporte in den europäischen Süden weniger werden, wir bekommen dafür sowieso kein Geld, es sind einfach Geschenke von uns Steuerzahlern an die Südländer, damit die weiter über ihre Verhältnisse leben können! Auf die Dauer ist das aber nicht leistbar, diese Exporte würden auch uns in den Staatsbankrott treiben!

Re: Das musste ja so kommen!

Ad T2: AT ist mit 38Mrd. im *Minus* (Quelle: letzter T2-Jahresbericht d. EZB)

Ganz oben natürlich D, die sich, wie Sie richtig schreiben, ihre Exporte selbst zahlen (bisher knapp 1/2 Billion), "Schlusslicht" IT mit ca. 190Mrd. minus.

Re: Re: Das musste ja so kommen!

"knapp eine halbe Billion" ist veraltet, es sind jetzt (nach Hans-Werner Sinn) schon 700 Milliarden!
Wahrscheinlich sind auch die österreichischen 38 Milliarden (die auch wir uns selber zahlen müssen) inzwischen schon gewachsen!

Re: Re: Re: Das musste ja so kommen!

Das mit den 700Mrd. mag sein - kann ich nicht verifizieren. Das AT-Saldo ist jedoch *negativ* (im Gegensatz zum deutschen).

0 1

KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!! KORRUPTION!!!


Gast: Geld in der Tasche
11.09.2012 12:58
1 0

Kein Wunder!

Der Staat verplempert das Geld und hält sich an den Steuerzahlern/ Bürgern schadlos.

Die Wirtschaft pfeift auf ihre Verantwortung und bietet immer miesere und schlechter bezahlte Arbeitsplätze.

In Summe führt das zu weniger Einkommen der Masse.

Gast: Einer
11.09.2012 08:07
2 0

glaubt man wirklich

Glaubt man wirklich das man mit unserer geldverschwenderischen Staatswirtschaft den Lebensstandard halten kann ?
Das kann doch nur abwärts gehen. Aber die, die den Nutzen aus dieser Staatswirtschaft ziehen werden erst was ändern, wenn die Tatsachen sie dazu zwingen ( siehe Griechenland ).
Das Problem ist nur das die wirklich leidtragenden, das Volk, dass von der ausgeplünderten Privatwirtschaft lebt, dann teilweise zu wenig zum leben haben werden.

Gast: ABCLehrer
11.09.2012 07:59
3 0

Sperrt endlich

die Prognoseinstitute zu! Die liegen doch ständig daneben. Wie kann man sich nur um über 1% irren? Da ist ja würfeln noch genauer.

Hat man doch...

in der heimischen Politik tatsächlich angenommen, dass trotz fast täglicher Steuer-, Gebühren und Abgabenerhöhungen, Preissteigerungen (pardon: -anpassungen und -harmonisierungen) etc. der Binnenkonsum wieter ansteigt?
Wo doch am Monatsende kaum mehr was im Geldtascherl verbleibt.

"Träumer" kann man dazu nur sagen...

Jedes Jahr

ungefähr um diese Zeit kommen diese Artikel, die darauf "hinweisen", dass die Wirtschaft stagniert, rückläufige Umsatzzahlen aufweist etc.

Ziel: Geringe bis keine Lohnerhöhungen!

Aber es steht auch zu lesen: Privater Konsum bricht ein!

Was sollte uns das sagen?

Die Kaufkraft der Bevölkerung ist deutlich gesunken!

Bitte also deutliche Lohnerhöhungen; denn die Wirtschaft verdient kräftig!

Re: Jedes Jahr

Das Problem sind nicht die Einkommen in der Wirtschaft sondern im öffentlichen Bereich.
Der Staat kann sich die Kosten der öffentlich Bediensteten nicht leisten. Die Einkommenserhöhungen der öffentlich Bediensteten kann er sich erst recht nicht leisten. Daher werden Einkommenszuwächse (die dann auch die öB fordern) sofort durch Steuererhöhungen abgesaugt.
Diese Einkommenszuwächse mindern aber die Produktivität der Wirtschaft und bringen durch die Absaugung dem Mitarbeiter nichts als einen unsichereren Arbeitsplatz.

Game over - möchte man sagen. Oder: Ein Lump wer mehr gibt, als er hat. Oder: Unsere KMUs werden höhere Personalkosten bei minder gebildeten Beschäftigten (denn die besser gebildeten gehen in den öffentlichen Bereich) nicht länger tragen können.

(Lt. OECD:)
Einkommensvergleich 1999 - 2009:

Beamte +26%
Angestellte + 4 %
Arbeiter - 9%

Monatliches Durchschnittseinkommen

Arbeiter 1331
Angestellte 2481
Beamte 3722
Selbstständige 1719

PS: Die Nullohnrunde im öffentlichen Bereich sieht z.B. so aus, dass Junglehrer mit einem Einstiegsgehalt von EUR 2.500,00 beginnen werden (was natürlich viel zu hoch ist). Die Aussage, dass es dafür dann im Lauf des Berufslebens weniger gibt, glauben nur die, die auch an den Weihnachtsmann glauben.

Gast: Eurotiker
11.09.2012 07:20
0 0

Jo mei

Kurz vor den KV Verhandlungen, werden wie jedes Jahr mediale Bocksprünge veranstaltet. Da wird dann ein "nur mehr" 0,3, prozentiger Ausenhandels"zuwachs" in Richtung Armutsgefährdung geredet. Man sollte mit der Totjammerei endlich aufhören. Die Wortwahl ist unangepasst und übertrieben.

Also, ich glaub das nicht!

Gestern hat unser großer Vorsitzender doch gesagt, dass ohne EURO die Wirtschaft einbrechen würde und die Arbeitslosigkeit würde auch steigen...
Deswegen brauchen wir auch den ESM und unlimitierte Anleihenkäufe der EZB...

Aber der große Vorsitzende ist sicher, dass wir mehr heraus bekommen als wir einzahlen...

Danke Werner und danke auch an die Taxiinnung die uns so einen gescheiten Bundeskanzler beschert hat...

Unser großer Vorsitzender hat "Weltuntergang" gesagt ...

.... oder "das Erkennen Gottes".
Er hat wörtlich von "Apokalypse" gesprochen und das ist die Bedeutung dessen.
Interessanterweise hat kein Journalist diese Aussage Feymanns aus der ESM-Parlamentssitzung aufgenommen.

Gast: walter 3
11.09.2012 06:53
1 0

Reallohnzuwachs

Wie schaut es bei den Beamten aus? Die haben 2013 eine Nullohnrunde aufgebrummt bekommen, das dürften auch die Wirtschaftsvertreter mitbekommen haben.

das rad der zeit dreht sich unaufhaltsam

zuerst rezession den den peripherielaendern, danach kapitalflucht aus den peripherielaendern

dann rezession in den kernlaendern, danach - ratet mal was - kapitalflucht aus den kernlaendern

einhergehend mit milliardenablfuessen aus den anleihen, abzug der sparguthaben, etc.
die anleihen-kurse kann die ezb noch kontrollieren mit gelddrucken (bzw anleihen kaufen am sekundaermarkt) aber sobald die anleger die spareinlagen abziehen von den banken wirds ungemuetlich - sehr ungemuetlich sogar

der euro wird implodieren, es ist nur eine frage der zeit


Ein Zeitungsartikel aus alten Tagen -oder

es lebe die Sozialpartnerschaft?

Re: Ein Zeitungsartikel aus alten Tagen -oder

Nachsatz! Brauch´ma (wer?) vielleicht deshalb ein Berufsheer? - hamma scho g´habt!

Gast: mmmh
10.09.2012 22:36
3 0

wie

war das noch gerade...
jedes fünfte unternehmen = 20% verlieren aufträge wegen korrupter mitbewerber!

schafft die korruption ab = mind 15% zusätzliches wachstum??

ichglaube keinem politiker mehr, keinem österreichischen medium, denn wir sehen was wir sehen wollen und ihr mir glauben sollt!

Gast: mmmh
10.09.2012 22:33
1 0

fragen

sie doch einen menschen auf der strasse, ob er ihnen schlüssig den begriff wirtschaftswachstum erklären kann!
gehen sie auf die wirtschaftsuni und fragen sie alle ökonomen nach der definition dieses begriffes!

mir hat es noch niemand schlüssig erklärt!

Gast: klar
10.09.2012 21:51
2 2

Irgendwas ist da falsch

Wir brauche mehr Konsum - klar, wir haben ja auch genug Energie, genug Platz, genug unberührte Natur und sowieso alles im Überfluss, da kann man ruhig noch ein bisschen mehr einkaufen... wenn die Wirtschaft immer wachsen muss, werden die Menschen 2020 dann jede WOCHE ein neues Handy kaufen?

Antworten Gast: Halbwissen
10.09.2012 22:26
0 0

Re: Irgendwas ist da falsch

Nur weil Sie anscheinend alles was Sie sich wünschen haben, so heißt das noch lange nicht das es allen so ergeht !

PS: Fragen Sie doch mal Ihre Frau ob sie gerne jede Woche ein neues Kleid oder so hätte

Re: Re: Irgendwas ist da falsch

vielleicht ist er einer von denen der selber jede Woche gerne ein neues Kleid hätte :-)

Gast: sdfjks
10.09.2012 21:48
2 1

Wirtschaft = Religion?

Wir leben auf einem räumlich begrenzten Planeten mit begrenzten Ressourcen, und die Wirtschaft soll unbegrenzt wachsen?

Wer das Mantra vom unbegrenzten Wachstum glaubt (klar, wenn die Erde aufkonsumiert ist und auf dem Meer nur noch eine flächendeckende Plastikmülldecke schwimmt, fliegen wir einfach zum Mars), müsste eigentlich genauso behandelt werden wie ein x-beliebiges Sektenmitglied.

Antworten Gast: Halbwissen
10.09.2012 22:28
0 1

Re: Wirtschaft = Religion?

Dann sollten wir den Plastikmüll recyceln !

Gast: Denk modern!
10.09.2012 21:25
1 1

Positive Meldung!

Ständiges Wachstum schadet der Umwelt. Ein Gleichgewicht tut gut.

 
12 3

Hobbyökonom