Schon lange wird über einen Umbau der Mariahilfer Straße geredet. Im Zentrum der Diskussionen stand bislang immer die Umwandlung der größten Einkaufsmeile Österreichs zur Fußgängerzone. Nun hat Verkehrsstadträtin Vassilakou einen Vorschlag unterbreitet, der dem Handel an der Grenze zwischen dem sechsten und siebenten Bezirk einiges kosten könnte. Der Abschnitt zwischen Andreasgasse und Kirchengasse soll zur Fußgängerzone werden.
Es gibt einige stichhaltige Argumente, die vor einer geplanten Umsetzung der Maßnahme noch einer näheren Erörterung bedürfen.
- Anlieferung
Auch wenn die Zufahrt für Lieferanten bis 10:30 Uhr gewährt werden soll, bedeutet diese Maßnahme eine gravierende Einschränkung für die betroffenen Händler. Die notwendige Flexibilität bei den Anlieferungszeiten wird eingeengt. Große Filialisten haben von ihren Verteilzentren aus nicht nur die Geschäfte in der Mariahilfer Straße zu beliefern, sondern Filialen im gesamten Bundesgebiet. Da gehört schon optimales Timing zu den Hauptanforderungen. Oft werden mit einem Transport mehrere Filialen angeliefert. Diese aus Kostengründen sinnvollen Maßnahmen könnten oftmals ad acta gelegt werden, wenn sich kombinierte Transporte aus Zeitgründen nicht mehr ausgehen. Mehrkosten wären die Folge. Durch das enge Zeitfenster bei den Anlieferungszeiten würden sich die Fahrten der Spediteure auf noch weniger Stunden konzentrieren. Die Folge könnte ein Verkehrskollaps sein. Viele Händler und Spediteure befinden sich schon heute täglich im Kampf gegen die Uhr. Die Presse.com hat über die prekäre Situation in den Stadtzentren erst kürzlich berichtet.
- Parkplätze
Die Zufahrtsituation zu den an der Einkaufsstraße gelegenen Parkgaragen würde sich nicht verbessern. Schon an den vier Weihnachtssamstagen, an denen die Straße immer Fußgängerzone ist, verspüren Autofahrer die Hürden, die ihnen in den Weg gelegt werden. Idealerweise sollte es am Anfang und am Ende einer so langen Fußgängerzone ausreichende Parkmöglichkeiten geben, was aber im konkreten Fall nicht gegeben ist. Wer einmal in Westbahnhofnähe einen Parkplatz gesucht hat, um auf die U-Bahn umzusteigen, weiß davon ein Lied zu singen. Und dass es für Autofahrer eine Notwendigkeit gibt mit dem Pkw einkaufen zu fahren steht wohl außer Diskussion. Nicht jede Ware kann in der Handtasche oder im Plastiksackerl mit der U-Bahn nach Hause befördert werden.
- Verkehr
Die Vielzahl der geplanten Änderungen, insbesondere welche Querungen wo möglich sind, könnten die Konsumenten verunsichern. „Wenn die Leute nach den Änderungen nicht mehr wissen, wie sie auf die Einkaufsmeile kommen", sieht ÖVP Wien-Klubobmann Fritz Aichinger große Bedenken. Der ehemalige Handelschef in der WKÖ befürchtet die Verlagerung des Verkehrs in Nebenstraßen und ohnehin bereits stark befahrene Abschnitte. Dass der Individualverkehr zunächst auf Burggasse und Neustiftgasse ausweichen würde, vermutet auch Verkehrsplaner Harald Frey von der TU Wien. Und langfristig würden die Autofahrer die Gegend gar nicht mehr anfahren. Ob das im Sinne der Betriebe der „MaHü" ist, darf stark bezweifelt werden.
- Zerstückelung
Auch die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank hat Bedenken über die Änderungen. Es drohe die Zerstückelung der Mariahilfer Straße und in der Folge ein „enormer Imageverlust". Warum genau der Abschnitt zwischen Andreasgasse und Kirchengasse nun zur Fußgängerzone werden soll, wird von Verkehrsstadträtin Vassilakou einfach damit begründet, dass es sonst überall Garageneinfahrten gebe. Damit besteht die Gefahr dass sich die Wertigkeit der verschiedenen Straßenabschnitte noch mehr verschiebt. Dass es auch in diesem Straßenteil sehr viele Geschäfte gibt, die regelmäßige Nachlieferungen für ihr Überleben benötigen, wird stillschweigend übergangen. Die Shopping Center in der Stadt und am Stadtrand mit ungehinderten Zufahrten und günstigen Parkangeboten werden vielleicht jubeln, die Händler und Gäste der Mariahilfer Straße mit Sicherheit nicht.
>>PRO: Eine Fußgängerzone schafft Räume zu Verweilen
(herbas)
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