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Hemetsberger: "Keine Bank ist ihren Buchwert wert"

14.09.2012 | 13:42 |   (DiePresse.com)

Der Finanzsektor sei eine schrumpfende Industrie, sagt Vermögensverwalter und ehemaliger Bank-Austria-Vorstand Willi Hemetsberger.

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Die globale Finanzindustrie und damit auch die österreichischen Banken werden weiter schrumpfen müssen. Das habe auch die Politik erkannt und gehe zum Beispiel mit ihren Notfallplänen für die Kreditinstitute - etwa den Anweisungen für ein "Testament" im Falle einer Bankeninsolvenz - in die richtige Richtung, sagte Willi Hemetsberger, Vorsitzender der Vermögensverwaltungs- und Beratungsgesellschaft Ithuba Capital, am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

"Die Banken werden ihre Bilanzen runterfahren, das wird passieren, das kann nicht anders sein", sagte der Investmentbanker und ehemalige Vorstand der Bank Austria. Er sieht darin eine unvermeidliche Folge der Entwicklungen am Finanzsektor, die bereits in den 1980er-Jahren eingesetzt und in der jüngsten globalen Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht haben. Nicht erst seit 2008 hätten die Banken gewusst, dass man sie nicht in Konkurs gehen lasse, sie hätten praktisch schon 20 Jahre lang auf dieser Basis gewirtschaftet: "2008 wurde diese Garantie von den Staaten dann eingelöst"

"Finanzsektor ist schrumpfende Industrie"

"Der Finanzsektor ist eine stark schrumpfende Industrie", sagte Hemetsberger weiter. Der Schrumpfungsprozess werde im Schnitt noch fünf bis zehn Jahre weiter gehen. Das werde sich auch bei den Refinanzierungskosten auswirken. Die Institute werden mehr Eigenkapital benötigen, das sie aber - zu den aktuellen Kursen - nicht von den Finanzmärkten bekommen werden. "Keine Bank ist mehr ihren Buchwert wert", so der Bankberater. Die tatsächlichen Firmenwerte würden nur mehr das 0,6-Fache des Buchwertes betragen. Bei den Investmentbanken werde dieser Schrumpfungsprozess noch rascher vor sich gehen. In den USA hätte sich diesbezüglich schon viel getan. Die Banken werden nicht nur ihre nicht-finanziellen sondern auch ihre finanziellen Assets abgeben müssen.

In welcher Problematik der Bankensektor steckt, zeigt sich laut Hemetsberger auch daran, dass nur drei europäische Großbanken der noch in Diskussion befindlichen neuen Maßzahl für die Stabilität von Banken, der Liquiditäts-Ratio, entsprechen würden.

"Neue Finanzökologie nötig"

Die geplante strengere Regulierung der Banken werde sich auch auf die Kreditvergabe an Unternehmen auswirken. Schon jetzt würden sich die Kapitalmärkte verschieben, die Refinanzierung von Unternehmen erfolge immer mehr über Anleihenmärkte und nicht mehr über Banken. Viele Firmen seien aber zu klein dafür, zugleich sei die traditionelle Verbriefung von Krediten - um auf größere Volumina zu kommen - in Verruf geraten.

Man werde den Bankensektor und seine Funktion der Risikotransformation aber weiterhin brauchen, um Kapital schnell dorthin bringen zu können, wo es gebraucht werde. Damit das schnell genug gehe, werde eine neue "Finanzökologie" nötig sein, wie sie sich bereits bei den "Schattenbanken" abzeichne. Schnelle Sanktionsmechanismen für Banken im Falle von wirtschaftlichen Fehlentscheidungen seien notwendig, statt wie derzeit verlorene und immer weniger wert werdende Assets weiter zu finanzieren. "Du musst verlieren können", so der Bankberater. Ansonsten beschäftigten sich die Banken nicht mehr mit anderen Dingen, was eine schnelle Kapitalzuwendung an die Wirtschaft verhindere. "Wir müssen Investoren ohne Staatsgarantie finden", so Hemetsberger.

(APA)

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6 Kommentare
Gast: Raffzahn Schani
14.09.2012 19:50
1 0

Man nennt es "moral hazard"

Zitat
Nicht erst seit 2008 hätten die Banken gewusst, dass man sie nicht in Konkurs gehen lasse, sie hätten praktisch schon 20 Jahre lang auf dieser Basis gewirtschaftet: "2008 wurde diese Garantie von den Staaten dann eingelöst"
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Erstaunlich, diese Offenheit.

Zitat
"Keine Bank ist mehr ihren Buchwert wert", so der Bankberater. Die tatsächlichen Firmenwerte würden nur mehr das 0,6-Fache des Buchwertes betragen.
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Glauben wir gern. Blöd nur, dass wir für das Kasperltheater mit realer Arbeit bezahlen sollen, was die Hütchenspieler so anrichten.

Dennoch: beeindruckende Ehrlichkeit. Bitte mehr davon. Wir sind alle keine Engerl, aber so kann es nicht weiter gehen.

Gast: Selfmade Man
14.09.2012 16:11
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viel schuld ....

an der bankenmisere zumind. in österreich hat auch das leidige "wo unterkommen",ganz ehrlich wer da aller seine unqualifizierten kinderln,enkerln,ehepartner,parteifreunderln etc. etc. in "der bank" untergebarcht hat war/ist schon sehr abenteuerlich,aber wie immer im leben ist es eben einmal zu viel des guten, u. jetzt ist es zu viel wie selbst die grössten blindgänger aus österreichs staatsnaher/staatshilfe wirtschaft erkennen müssten !! ps: ... u. wer wird/muss für die ganze sch.... aufkommen, wieder einmal mehr die privatwirtschaft(unternehmer wie auch deren mitarbeiter),frankreich z.b hat seinen (steuer)raubzug schon massiv ausgeweitet !!

Diese Worte

aus dem Mund eines Bankers: "Du musst verlieren können"

Endlich einer, der den sozialistischen Zweig unserer Wirtschaft einmal die Wahrheit sagt:
Die Branche ist grunsätzlich notwendig und wichtig, aber auf die einzelen Institute kann man verzichten.

Schumpeter hätte seine Freude mit dem Herrn.

Bankenkonkurse und deren Abwicklung (auch mit Gerichtsverfahren für die Verantwortlichen) müssen her, sonst schrumpft die Branche nicht und die Banken bilanzieren uns das Blaue vom Himmel (wie ZB die Deutsche Bank oder die RZB).

Antworten Gast: Ordnungsmappe
18.09.2012 14:39
0 0

Re: Diese Worte

Bitte etwas weniger Euphorie. Schliesslich fällt "dem Herrn" das Alles reichlich spät ein. Als hochbezahlter BA-Vorstand war er nicht so hellsichtig, sondern hat zu seinem Vorteil das Spiel mitgespielt.

0 0

Re: Diese Worte

Können sie mir "den sozialistischen Zweig unserer Wirtschaft" näher erklären?

Gast: trader1
14.09.2012 15:48
1 0

wie wäre es mit traden auf eigene rechnung ?

als ehemaliger spitzentrader muß es doch entsetzlich fad sein, laien sachen zu erzählen, über die man längst hinaus ist, und dabei nur die miete und die telefonkosten einzusetzen ....

es muß doch eine freude sein, anstatt als söldner des kapitalismus zu werken, zum erstenmal, ganz alleine dem markt gegenüberzustehen, und für sich selbst zu kämpfen ....

Hobbyökonom