Wien/AG. In der Spitzengastronomie nimmt man es schon seit Jahren zähneknirschend zur Kenntnis: Immer öfter werden Tische reserviert, doch die Gäste erscheinen einfach nicht. „Wir haben schon erlebt, dass Leute für den Abend in mehreren Haubenlokalen Tische reserviert haben, um sich dann spontan für eines zu entscheiden“, berichtete der Geschäftsführer eines Wiener Innenstadt-Restaurants der „Presse“. Die Tische bleiben in der Regel den ganzen Abend leer, denn ein Spitzenlokal hat kaum Laufkundschaft. Die Zeche zahlt in diesem Fall der Wirt.
Das soll bald ein Ende haben. Denn die Wirtschaftskammer (WKO) diskutiert nun erstmals auch öffentlich eine Stornogebühr in der Gastronomie. Karl Wratschko, Obmann der Sparte Gastronomie der WKO-Steiermark, sagte dem ORF Steiermark: „Stornogebühren sind Thema, aber wir müssen uns überlegen, wie wir das angehen, ob mit Gutscheinen oder nicht.“
In der Gastronomie verweist man auf Hotellerie oder Reisebranche. Dort sei es üblich, dass Stornogebühren eingehoben werden. Der Grazer Gastwirt Didi Dorner fordert „einen Betrag von 50 Euro als eine Art Storno, aber im Gegenzug 80 Prozent dafür beim nächsten Besuch als Gutschein“.
Auch wenn Wratschko meint, die Stornogebühren könnten innerhalb von zwei Jahren in die Praxis umgesetzt werden – noch diskutiert die Branche sehr heikle Fragen: Welche Daten müssen Gäste bei einer Reservierung preisgeben? Bedarf es bei einem Krankheitsfall einer ärztlichen Bestätigung? Ausgegoren ist das Stornomenü also noch lange nicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)
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