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E10: Das Ende einer gut gemeinten Idee

18.09.2012 | 17:13 |  Von Norbert Rief und Martin Kugler (Die Presse)

Die Einführung des Agrotreibstoffs E10 endete für Umweltminister Nikolaus Berlakovich in einem politischen Desaster. Dabei drehte sich die Stimmung schon vor Monaten gegen den Agrartreibstoff.

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Wien. Am besten lässt es sich mit einem Autofahrer vergleichen, der auf eine Wand zufährt, aber immer mehr Gas gibt statt zu bremsen. Ähnlich agierte Umweltminister Nikolaus Berlakovich beim Agrotreibstoff E10: Seit Monaten war klar, dass eine Einführung in Österreich wegen des heftigen Widerstandes vom Koalitionspartner abwärts nicht möglich sein wird. Im Büro des Umweltministers nannte man aber noch am vergangenen Freitag den 1. Oktober als Starttermin – zu einem Zeitpunkt, als sogar schon die EU ihre verordnete Umweltinitiative infrage stellte.

Mit der Vollbremsung am Montag verhinderte Berlakovich zwar den totalen politischen Crash. Aber auch so ist es für den ÖVP-Minister noch peinlich genug, seine große umweltpolitische Initiative absagen zu müssen.
Dabei hätte der Minister schon – um beim Bild zu bleiben – früh und sanft auf die Bremse steigen können. Bereits im Oktober vergangenen Jahres berichtete „Die Presse“ von den innerkoalitionären Widerständen gegen E10 (also der Anhebung der Beimischung von Ethanol im Benzin von derzeit fünf auf zehn Prozent). Selbst Parteifreund Reinhold Mitterlehner (Wirtschaft) wandte sich gegen Berlakovichs Plan.

Frankreich senkte Prozentsatz

Die Euphorie über Ethanol, das noch vor einigen Jahren als Allheilmittel gegen Autoabgase und Ölabhängigkeit galt, ist mittlerweile verflogen. Einerseits, weil Studien die Umweltfreundlichkeit infrage stellten, andererseits, weil Getreide im Tank den Preis von Getreide auf dem Teller steigen ließ.

Frankreich, das als eines der ersten Länder Europas Ethanol in das Benzin mischen ließ, tat vergangene Woche kund, man werde den Anteil von Ethanol von zehn auf sieben Prozent senken. In Deutschland hat die Einführung von E10 zu einem Chaos und einer mittelschweren Koalitionskrise geführt. Und von der EU wurde ein Entwurf bekannt, wonach der Anteil von gefördertem Biosprit auf fünf Prozent gesenkt werden und die Förderung für Treibstoff aus Lebensmittelpflanzen bis 2020 gänzlich auslaufen soll.

Unumstritten ist, dass die Zumischung von Biosprit zu Treibstoffen das erste und bislang einzige wirksame Mittel ist, das im Verkehrssektor den CO2-Ausstoß gesenkt hat. Wie stark der CO2-Ausstoß durch Biosprit reduziert wird, hängt aber von der konkreten Situation ab: also welche Rohstoffe bei der Herstellung verarbeitet und wie intensiv die Felder gedüngt werden (überschüssiger Dünger verwandelt sich in das starke Treibhausgas Lachgas) oder der Energieversorgung der Produktionsanlage. Allgemeine Angaben sind daher kaum möglich.

Konkurrenz zu Teller und Trog

Dazu kommt die angespannte Situation der Getreideversorgung. Biotreibstoffe sind eine Konkurrenz zur Produktion von Futter- und Lebensmitteln (Biosprit bietet oft eine höhere Rendite). Der Getreideverbrauch steigt weltweit schneller als die Produktion. Unter anderem deshalb, weil immer mehr Menschen immer mehr Fleisch essen (für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch benötigt man mehr als zehn Kilo Getreide). Wenn dann noch – wie derzeit – eine Dürre in den wichtigsten Produktionsgebieten dazukommt, wird die Knappheit sofort spürbar und die Preise steigen rasant.

Das führt dazu, dass in vielen Entwicklungsländern fruchtbarere Weiden mit speziellen „Energy-Crops“ bebaut und die Weideflächen in die Urwälder verlegt werden, die dafür gerodet werden. Es gibt keine anerkannte Methode, wie die Folgen dieser „indirekten Landnutzungsänderung“ bewertet werden können. Die Rohstoffe für die österreichische Bioethanolanlage kommen aus dem zentraleuropäischen Raum – einer Region, in der Getreideüberschuss herrscht. Für die Ethanolproduktion werden überwiegend Getreidesorten verwendet, die nicht für die Ernährung geeignet sind.

Für die meisten Autofahrer ist die Zusammensetzung des Treibstoffs aber ohnehin eine theoretische Diskussion, die Praxis erleben sie an der Zapfsäule: Eurosuper war noch nie so teuer wie am Dienstag (nicht inflationsbereinigt). Mit einem Durchschnittspreis von 1,534 Euro pro Liter wurde ein neues Rekordhoch erreicht.
? siehe auch Debatte Seite 26

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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61 Kommentare
 
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9 0

Oh mein Gott

das Berlkovich blubbert schon wieder sinnlos herum!!

s.g. Hr. Berlakovic !

E 10 ist eine Agrarförderungsmaßnahme, sonst nichts. aber das wissen Sie in Ihrer Funktion als Agrarminister besser als jeder andere. Und im Übrigen : das Klima beeinflussen wir sowieso nicht, aber der Mensch leidet nun einmal von Haus aus an Selbstüberschätzung.

Erlöst ihn (und uns) endlich von seinem Amt

Er konnte doch vielleicht Bürgermeister von Nebersdorf im Burgenland werden, das entspricht seiner Schuhgröße. Das Ministeramt ist ihm eindeutig einige Schuhnummern zu groß.

Vielleicht sollte ihm auch jemand erklären, dass er nicht in der Funktion des Bauerninteressenvertreters agieren soll, sondern auch Umweltminister ist. Und als solcher müsste er dem Bauernvertreter Berlakovich in die Hand greifen und sagen: Schweig lieber, und geh.

Jetzt kommt er

wieder mit seinem Klima-Wahn.

Ab auf die Baumgartner-Höhe mit diesem Herrn!

Gast: mehrhatsnicht
18.09.2012 16:09
4 0

der ist genauso verlogen

wie seine kollegen.

Gast: Ceterum
18.09.2012 15:57
5 1

E10 ist eine Klimaschutzmaßnahme...

...und Herr Berlakovich ein Würschtl der Bauernklientel.

2 0

Oesterreichs Bildungselite am Werk


Gast: Frank L.
18.09.2012 14:56
9 2

Berlakovich absetzen ist eine noch viel bessere Klimaschutzmaßnahme!


Antworten Gast: Bänkster
18.09.2012 15:31
1 0

Re: Berlakovich absetzen ist eine noch viel bessere Klimaschutzmaßnahme!

stimmt leider.

Berlakovich ist eher ein Landwirtschafts- oder Wirtschaftsminister (Agrana) als ein Umweltminister.

Für ein entwickeltes (und an Wasserkraft) reiches Land wie Österreich, sind die kläglichen "Fortschritte" beim Klimaschutz und das ständige Verfehlen der Kyoto-ziele eine Peinlichkeit.

Solche "Ergebnisse" bringt man nur, wenn hier keine Fortschritte erreichen will, weil man der irrtümlichen Meinung ist, es könnte den Bauern oder Wirtschaft schaden....

crime

E10 ist ein verbrechen

Gast: Unkenntliche
18.09.2012 14:42
7 1

..ist eine Klimaschutzmaßnahme...

..

Herr BM das ist keine Klimaschutzmaßnahme sondern eine versteckte Bauernförderung die der dumme Steuerbürger wieder bezahlen muss.

Bleiben Sie bei der Wahrheit. Sie sind doch in einer christlichen Partei. Da war doch mal eines der zehn Gebote: "Du sollst nicht lügen"..

Passt irgendwie...

Re: ..ist eine Klimaschutzmaßnahme...

du sollst nicht lügen?? wo steht das?
das ist keines der 10 gebote..
da sie so schlecht aufgepasst haben im religionsunterricht werden sie in der hölle sieden und bruzzeln

Antworten Antworten Gast: Unkenntliche
18.09.2012 15:12
2 0

Re: Re: ..ist eine Klimaschutzmaßnahme...

..es steht geschrieben...

8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben.


Gast: Denkfabrik am Wörthersee
18.09.2012 14:15
4 1

Berlakovich: "E10 ist eine Klimaschutzmaßnahme"

Warum werden keine Autos gebaut
die mit der warmen politischen Luft
der ÖVPler billig betrieben werden?

"Klimaschutzmaßnahme"?

Wer immer vom "Klimaschutz" spricht, macht in Wirklichkeit überhaupt nichts gegen den Klimawandel.

Das Klima ist die Summe aller Wettererscheinungen an einem bestimmten Ort, gemessen über eine bestimmte Zeit.

Das Klima kann kein Mensch schützen. Schützen können wir uns aber vor den Auswirkungen des Klimas, durch einen Regenschirm, durch Dächer über unseren Behausungen, Heizungen und so weiter...

Gast: Johann S
18.09.2012 13:52
4 1

Dieser Herr

hat das deutsche Desaster mit E10 vollkommen verdrängt.

Gast: 88Bs
18.09.2012 13:38
3 0

Eher Klimaschutzlüge der Bauernlobby

als effektive Maßnahme, aber bitte.

1 5

abwarten

wenn die Treibstoffpreise Richtung 3 bis 4 Euro wandern, schreit das Volk selber nach E10. Oder fahren dann alle Einfamilienhausbewohner mit den Fahrrad?

Re: abwarten

Warum sollten wir dann nach E10 schreiben wenn das noch teurer ist als normaler Sprit?

0 0

Re: Re: abwarten

müssen sie in kaufen?
Alternativen, Wettbewerb, ...

3 1

Der Bauern-Raiffeisen-Minister


Der Top-Minister Berlakovich missbraucht natürlich auch die Umweltpolitik um seinem Bauern-Klientel und Raiffeisen noch mehr Steuergelder in die Taschen zu schieben. Er selbst und alle seine Verwandten langen ja auch ganz gewaltig zu.

Er wird uns sicher demnächst weis machen wollen, dass Diesel dann nicht gesundheitsgefährdend ist, wenn es sich um Biodiesel handelt. Weshalb zwangsweise der Anteil von Biodiesel auf 25% erhöht werden muss.

Die Giebelkreuzler und die Bauern werden ihn dann zum nächsten Finanzminister machen, damit sie noch direkter am Steuergeld-Topf sitzen.

Gast: The Lopatka Bush Foundation
18.09.2012 13:06
0 0

“Sehen Sie, in seiner Arbeit muss man ständig Sachen nochmals und nochmals wiederholen, damit die Wahrheit verstanden wird, das ist so etwas, wie die Propaganda katapultieren.”

Die Achse der Intelligenz?

Der Bauernvertreter Berlakovich hats nocht nicht geschnallt. E 10 ist tot und das ist gut so.


ja eh,

E10 schützt das klima zwischen övp und bauern.

zahlt die agrana/raiffeisen zu wenig?

... never forget: övp = korruption!

Solche Ansagen lassen uns keine andere Wahl!

Am besten wäre wahllos aus der Bevölkerung die Ministerposten zu besetzten, denn dann kann man noch eher davon ausgehen, dass da was zustande kommt.
Solche Leute wie der Berlakovich müssen des Amtes verwiesen werden, sie sind eine Schande für dieses Land.
Bitte befreit uns von diesem präpotenten Typen.

Gast: gast 1
18.09.2012 11:49
6 0

setzen - fünf


wenn für "bio"-sprit regenwälder abgeholzt
werden, kann sich das mit dem klimaschutz nicht
ausgehen...

noch so ein ministerposten den man ersatzlos
streichen könnte...

Falsch am Platz

Wie kann einer, der so wenig Ahnung von irgendwas hat, Minister sein?
Ah, genau das Parteibücherl macht’s!
Gebt in eine Duplobox fürs Büro da kann er wenigstens keinen Schaden anrichten!

6 0

Re: Falsch am Platz

Vorsicht bei dem Vorschlag mit den Duplosteinen. Der gute Mann ist berüchtigt für seine Wutanfälle.

Gast: DER ADVOKAT
18.09.2012 11:28
7 0

GRENZWERTIGE INTELLIGENZ

Wir haben in Österreich ja viele Politiker/Innen, deren Intelligenz-GRENZWERTIG IST!!
Aber Berlakovich kämpft eindeutig um einen Spitzenplatz, und, ob das wohl ein Zufall ist, mit einem ANDEREN BURGENLÄNDER, einem Sozi in diesem Fall-Norbert DARABOS um den absoluten Spitzenplatz!
Mit der Aussage E10 sei eine Klimaschutzmaßnahme gehört dieser UNSÄGLICHE an den öffentlichen Pranger, mit allen Rechten für die zornigen Wahlbürger-und-ich meine damit spitzfindigere Strafen-ALS BLOSS ANSPUCKEN!!

3 0

E10 ist eine Klimaschutzmaßnahme

... geauso wie Atomstrom ....

5 0

Re: E10 ist eine Klimaschutzmaßnahme

Also das E10 keine Klimaschutzmaßnahme ist, mit dem haben Sie sicherlich recht. Wobei Atomstrom ja wirklich klimaschonende ist, wenn man von der Annahme ausgeht, dass CO2 ein Treibhausgas ist. Natürlich muss berücksichtigt werden, dass Atomkraftwerke ein gewisses Risiko sind welches durch hohe Sicherheitsmaßnahmen reduziert werden kann.

0 2

Re: Re: E10 ist eine Klimaschutzmaßnahme

... und damit wird Atomstrom unbezahlbar!

Gast: Hellboy
18.09.2012 11:20
3 0

"Er selber habe bei der Einführung keine Fehler gemacht sondern "nur konsequent umgesetzt..."

@ Niki,

den Spruch kennen wir von frueher - "reine Pflichterfuellung" und so.

Hausverstand wohl Fehlanzeige ?

Re: "Er selber habe bei der Einführung keine Fehler gemacht sondern "nur konsequent umgesetzt..."

wenn dich die weltbank, die ezb und die eu mal in der mangel haben...

höhere steuern sind

auch eine budgetsanierungsmassnahme. wie man an diesem bsp in anderen ländern sehen kann, aber ähnlich kontraproduktiv: konsmenten verzichten auf konsum und trotz höherer steuersätze macht das unterm strich sogar weniger steuereinnahmen.

nicht jede massnahme ist automatisch gut, nur weils am papier stimmt.

 
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Hobbyökonom