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Rotlichtaffäre: Preisabsprachen im Nobelbordell

18.09.2012 | 17:45 |   (Die Presse)

Die Affäre um Bordellbesuche in Deutschland, die dem heimischen Stahlkonzern Voestalpine als Bewirtungsspesen verrechnet wurden, ufert aus. 93 Rechnungen über 140.000 Euro wurden schon gefunden.

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Wien/Berlin/red./ag. Die „Rotlicht-affäre“ um den heimischen Stahlkonzern Voest zieht immer weitere Kreise: In der Buchhaltung der deutschen Voest-Tochter Voestalpine Kloeckner Bahntechnik (VABT) sind weitere verdeckte Bordellrechnungen aufgetaucht, womit sich die Zahl der von Voest-Mitarbeitern auf Spesen abgerechneten Bordellbesuche auf 93 und die dafür dem Unternehmen verrechnete Summe auf knapp 140.000 Euro erhöht. „Beglückt“ wurden die Etablissements Bel Ami in Berlin („Deutschlands edelstes Bordell“, wie es in der Werbung heißt), die „Eule“ im deutschen Ratingen und ein Swingerclub in Essen.

Deutsche Zeitungen berichten, dass die Bordellaffäre im Zusammenhang mit dem in Deutschland aufgeflogenen Schienenkartell steht. Die Voest hatte laut deutschen Kartellbehörden Schienenpreise mit deutschen Mitbewerbern abgesprochen und damit vor allem der Deutschen Bahn in den Jahren 2002 bis 2008 einen Schaden von 500 Mio. Euro verursacht. Die beteiligten Firmen (unter anderem zwei Voestalpine-Töchter und ThyssenKrupp) müssen deshalb 124,5 Mio. Euro Bußgeld bezahlen, die deutschen Behörden ermitteln aber weiter.

Kartellfeier auf Spesenrechnung

Nach Angaben deutscher Medien sollen die Preis- und Mengenabsprachen jeweils in Bordellen auf Kosten der Unternehmen „gefeiert“ worden sein. Die Voestalpine bestreitet freilich einen Zusammenhang zwischen dem Kartell und den Bordellbesuchen. Mitarbeiter von ThyssenKrupp und der Deutschen Bahn sollen jedenfalls an den der Voestalpine als Spesen verrechneten Bordellpartys teilgenommen haben. ThyssenKrupp und die Deutsche Bahn haben in der Vorwoche mitgeteilt, sie wüssten nichts von derartigen Ausflügen ihrer Manager. Alle drei Unternehmen betonten, dass Nachtklubbesuche jedenfalls gegen die Compliance-Regeln der Unternehmen verstoßen.

Bei der Voestalpine hieß es am Dienstag, man gehe den Vorwürfen nach und dulde keine derartigen Verfehlungen. Von den fünf Mitarbeitern, die derartige Spesen eingereicht hatten, hätten vier das Unternehmen schon verlassen. Darunter der fristlos entlassene frühere Geschäftsführer der deutschen Tochter. Der Stahlkonzern prüft jetzt, wie er das Geld für die dem Unternehmen verrechneten Bordellbesuche von den Missetätern zurückholen könnte.

Insgesamt ist auf den Spesenrechnungen die einschlägige „Bewirtung“ von 28 Personen angeführt. Bei der Voest wird unterdessen aber angezweifelt, ob die auf den Abrechnungen aufgeführten Personen tatsächlich mit den Teilnehmern an den Bordellpartys ident sind. Ein involvierter Voest-Mitarbeiter hat nach Angaben des Unternehmens ausgesagt, der unterdessen ausgeschiedene Geschäftsführer der deutschen Schienentochter habe ihn jeweils angewiesen, welche Teilnehmer auf den Abrechnungen angeführt werden sollen. Dies führe zur Annahme, dass aufgeführte Personen an den „Anlässen“ nicht teilgenommen hätten.

Laut dem deutschen „Handelsblatt“ ist das Berliner Nobelbordell Bel Ami im Schienenkartell als „Nebenstelle“ gehandelt worden. Die Bordellbesuche seien der „wichtigste Kitt“ des Schienenkartells gewesen. Bei den Bel-Ami-Rechnungen sei als Zahlungsempfänger eine unverfängliche „Gastronomiebetriebs Ges.m.b.H.“ angeführt worden.

Gängige Praxis oder nicht?

Die betroffenen Unternehmen beeilten sich in den vergangenen Tagen, zu betonen, dass derartige Partys „nicht gängige Praxis“ seien. Insgesamt scheint das Feiern in Nachtklubs in der Firmenwelt aber nicht so selten zu sein. Auch ganz offiziell: Das „Bel Ami“ beispielsweise rühmt sich auf seiner Website, im Jänner eine „After Show Party“ für das schwedische Modeunternehmen Björn Borg ausgerichtet zu haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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17 Kommentare
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na und?

Bei großen Geschäften können auch große Spesenrechnungen anfallen - und sind damit nicht automatisch unverhältnismäßig und damit steuerlich relevant. Wer mit wem und warum geht keinen etwas an (solange es sich nicht um die kartellrechtlichen Verstöße handelt). Im Gegensatz zur Politik die etwa den CO2-Ablasshandel erfunden hat, erwirtschaftet eine Vöest tatsächlich etwas. Die Politik läuft auch nicht gefahr als Diebskartelle in großem Stil aufzufliegen.

Gast: gast45
19.09.2012 10:04
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na dann .. .

einfach insourcen .. man könnte die neuen mitarbeiterinnen bei der marketingabteilung ansiedeln ...
die wären glücklich über geregelte arbeitszeiten .. und man erspart sich den aufschlag für die zuhälter ...

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Wer denkt

Das diese Vorgangsweise nicht auch bei Politikern üblich ist kennt das Nachtgeschäft nicht.
Da gab es einmal einen Bezirksvorsteher in Wien der hatte in der Dorotheergasse wenn er kam frei Haus auch Jouranalisten ect.

Bekommen das Babylon und der Pascha jetzt auch bald eigene Schlafwagen?


Der Ort

Ob die eine Preisabsprache in einem Bordell machen oder in einem Kloster ist völlig egal - es geht um die Preisabsprache und das ist kriminell

Antworten Gast: PuffPuffPuff
19.09.2012 10:37
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Re: Der Ort

die bewirtungsspesen im kloster sind wesentlich günstiger...ob es zulässig ist die Kosten im PUFF als Geschäftsausgabe abgesetzt werden können, auch wenn es ein offens Gehemnis ist, dass dies in einigen Branchen üblich ist???????
Es gibt kein KartellSTRAFrecht mehr, nur Geldbuße usw,..

Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
19.09.2012 10:44
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Re: Re: Der Ort

Warum soll das bitte nicht als Spesen gelten? Es dient der Geschäftsanbahnung ... mal wieder ein Sturm im Wasserglas!
Diese Art, Geschäfte zu machen, wird sich jedoch sicher ändern, wenn die Frauenquoten erst mal greifen ...

Björn Borg

macht in Unterwäsche und hat sicher kein Kartell gegründet - tippe mal auf Modeschau mit Party im verruchten Ambiente

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Leistungsträger bei der "wohl verdienten" Entspannung.

Zuerst Montags bis Freitags Staatsbetriebe abgezockt,
dann Samstag Abend die Ehefrauen beschissen
und Sonntag Vormittag vermutlich gut bürgerlich in der Kirche "betend".

Das ist der "griechische" Lifestyle,
der dich von hinten ...

Kostenlose Bordellzeit,
statt Kurzarbeit.

Antworten Gast: Vogel Strauss
19.09.2012 10:44
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Re: Leistungsträger bei der "wohl verdienten" Entspannung.

Neidig??

es ist halt ein hartes geschäft.

und wo kann man härte besser abbauen als im puff?

Häh?

500 Mio. Schaden, aber nur 124,5 Mio. Bußgeld?

Das ist ja geradezu eine Aufforderung zum Beschiss!

500.000.000 zusätzlicher Profit minus 124.500.000 Bußgeld minus 140.000 Bordellkosten ergeben trotz erwischt werdens immer noch 375.360.000 die überbleiben.

Re: Häh?

Die 124,5 Mio sind die Strafe durch die Kartellbehörden und haben mit dem Schaden nichts zu tun. Den Schaden muss die DB geltend machen und sich das Geld von den Firmen holen - auch wenn das nicht einfach ist.

Gast: Der Neutrale
18.09.2012 21:29
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Ramba Zamba

Wie Wirtschaft halt funktioniert! Das wundert mich überhaupt nicht! Es gibt da eine ganz wunderbare wissenschaftliche Arbeit zum Thema Manager und Sexualverhalten. Höchst interessant kann ich nur sagen!! Höchst interessant!!

Re: Ramba Zamba

Und wo kann man diese Arbeit finden?

MfG

Gast: gregor127
18.09.2012 20:06
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Rechnungen

Große Firma, große Bordellrechnung, kleine Firma, kleine Bordellrechnung. Ein ehernes Naturgesetz. 140.000,- für so eine große Firma kommt mir echt wenig vor.

Re: Rechnungen

Es wird auch nicht jeder so dumm sein und die Blondine und den Champus mit Originalrechnungen belegt haben. Rechnung verloren? Oops. Eigenbeleg geht ja auch. Unterschreibt ja eh der Chef, und der war ja dabei.

Hobbyökonom