Verbund will Steuer auf Stromfresser

Um die Effizienz im Umgang mit Energie zu erhöhen, sollten ineffiziente Elektrogeräte mittels Steuer verteuert werden, sagt Wolfgang Anzengruber, Chef des Energiekonzerns Verbund, im Gespräch mit der "Presse".

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Presse: Die Regierung plant ein Gesetz, das die Energieversorger verpflichtet, den Energieverbrauch zu senken. Was halten Sie davon?

Wolfgang Anzengruber: Die Effizienz im Umgang mit Energie muss steigen, darüber gibt es keine Diskussion. Die Frage ist aber, wie man das am besten macht. Meiner Meinung nach soll derjenige, der die Energie benötigt, einen Anreiz haben, weniger zu verbrauchen. Wer stark energieverbrauchende Geräte hat, soll für diese also entsprechend mehr bezahlen.

Diese Geräte sollen also künstlich verteuert werden?

Ja. Durch eine Art Effizienzzuschlag beim Kauf, vergleichbar mit dem Entsorgungszuschlag. Dieser sollte dann in einen Fonds fließen, von dem Effizienzmaßnahmen finanziert werden. Etwa Smart-Meter, die dafür sorgen, dass der Kunde weiß, wie viel Strom er aktuell verbraucht, oder Gerätetauschprogramme. Derzeit wird hingegen angedacht, dass der Lieferant für mehr Effizienz sorgt. Das ist, wie wenn der Fleischhauer dafür sorgen müsste, dass weniger Fleisch gegessen wird. Und wenn er das nicht schafft, dann erhält er Strafen, die schlussendlich ohnehin wieder die Kunden zahlen.

Sie schlagen also eine vom Verbrauch abhängige Steuer für Geräte mit schlechter Energieeffizienz vor, eine Art Strom-NoVA wie beim Auto.

Ja, eine intelligent gemachte Strom-Normverbrauchsabgabe auf neue Geräte. Warum verändere ich mein Verhalten. Entweder aus Schmerz oder aus Lust. Entweder es ist teuer, wenn ich mehr verbrauche. Oder ich habe einen Vorteil, wenn ich weniger verbrauche.


Für den Konsumenten bedeutet das aber immer Schmerz. Entweder teurere Geräte oder die Strafzahlungen der Versorger durch die Hintertür. Gibt es keine Lustvariante?

Wenn ich dem Konsumenten die Möglichkeit gebe, zu sehen, was er verbraucht, dann gebe ich ihm auch die Chance, etwas zu sparen. Außerdem hätten die Kunden durch die Geräteabgabe die Möglichkeit, sich darauf einzustellen, da sie nur für neue Geräte gilt. Will ich die Fußball-WM auf einem großen Plasma-TV mit hohem Stromverbrauch sehen, dann muss ich halt dafür bezahlen.


Bei der Glühbirne gab es keine Steuer, aber ein Verbot aufgrund schlechter Effizienz. War das der richtige Weg?

Bei der Glühbirne gibt es noch eine andere Thematik. Und zwar den Energieverbrauch bei Herstellung und Entsorgung der Sparlampen. Daher muss man sich das über den gesamten Lebenszyklus ansehen. Grundsätzlich ist es aber die Aufgabe des Staates, Rahmenbedingungen zu setzen. Wir haben ja auch einmal gesagt, FCKW wollen wir nicht mehr, daher wurden sie verboten.

Wird Energie durch mehr Energieeffizienz in Summe für die Haushalte billiger, wie es ja sein sollte. Oder teurer, weil neue Abgaben hinzukommen?

Am Ende des Tages wird die Energie pro Einheit – also Kilowattstunde oder Liter – teurer werden. Die Kunden haben aber eine gute Chance, die Gesamtausgaben durch mehr Effizienzmaßnahmen zu senken.

Kommen wir nun zu Ihrem Unternehmen. Wird der Verbund Ende des Jahres noch in der Türkei aktiv sein?

Davon gehe ich aus.

Gibt es Verhandlungen mit E.On, den Anteil am türkischen Joint Venture EnerjiSA im Tausch gegen deutsche Wasserkraftwerke abzugeben?

Es gibt immer wieder Gespräche in diesem Zusammenhang. Aber wir haben keine Not, aus der Türkei auszusteigen. Denn das ist ein gutes Investment. Die Werte, die wir dort geschaffen haben, liegen deutlich über unseren Investitionen von rund 750 Millionen Euro. Wenn aber jemand kommt und uns etwas bietet, was noch attraktiver als die Türkei ist, dann werden wir uns das natürlich anschauen.

Was bliebe denn von der Auslandsexpansion noch übrig, wenn man die Türkei abgibt? Mit dem Engagement in Italien und Frankreich sind Sie ja auch nicht glücklich.

Es gibt darüber hinaus noch unsere Tätigkeiten in Albanien, Rumänien oder Deutschland. Vor allem der süddeutsche Markt ist für uns äußerst wichtig, weshalb wird uns dort erweitern wollen. Der Verbund wird sich sicher nicht auf Österreich zurückziehen.

 

Wie zufrieden sind Sie aber mit Frankreich und Italien? In beiden Ländern werden Verluste geschrieben.

Natürlich könnte man zufriedener sein. Beide Engagements hängen vor allem an Gaskraftwerken, die sich derzeit nirgendwo in Europa rechnen. Das wird sich aber auch wieder ändern. Die Gaszeit kommt wieder, da Gas die einzige sinnvolle Brückentechnologie für die Energiewende hin zu Erneuerbaren ist. Aber es ist klar, dass alle unsere Investments ständig auf dem Prüfstand stehen.

Wo liegt die Zukunft des Verbund? In allen Ländern, wo Sie aktiv sind?

Unsere Strategie lautet, technologisch auf Wasser und Wind zu setzen. Wir werden also keine thermischen Kraftwerke mehr bauen. Regional ist Südosteuropa interessant – für neue Kraftwerke. Und Westeuropa dort, wo sich interessante Kaufoptionen ergeben.

 

Wolfgang Anzengruber, Jahrgang 1956, ist seit 2009 Chef des größten heimischen Energiekonzerns Verbund. Zuvor leitete der Oberösterreicher den Kranhersteller Palfinger. Begonnen hat Anzengruber seine Karriere nach dem Studium an der TU Wien bei Simmering Graz Pauker. Von dort holte ihn der langjährige ABB-Chef Klaus Woltron zu dem Anlagenbauer, wo er erste Kontakte zur E-Wirtschaft schloss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

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