Telekom Austria vor dem Totalumbau

23.09.2012 | 18:12 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Der Konzern muss die Struktur straffen und die Kosten senken. Das Management soll schlagkräftiger werden. Die treibende Kraft hinter diesem Unterfangen ist erst seit Kurzem im Aufsichtsrat vertreten: Ronny Pecik.

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Wien. Die Rechenstifte sind schon gespitzt, die Szenarien durchgespielt: Heute, Montag, geht es bei der Telekom Austria (TA) ans Eingemachte. In einer als Strategieklausur ausgewiesenen Aufsichtsratssitzung wird Vorstandschef Hannes Ametsreiter seinen Kontrolloren berichten, wie es um das Unternehmen tatsächlich steht. Dabei geht es nicht so sehr um die Korruptionsaffäre, deren Aufarbeitung zwar auch noch nicht abgeschlossen ist. Sondern vielmehr um eine ungeschönte betriebswirtschaftliche Bestandsaufnahme, auf deren Basis eine rigorose Fitnesskur beschlossen werden soll. Diese schließt tiefgreifende Umstrukturierungen ebenso nicht aus wie Veränderungen im Management, wie „Die Presse“ aus Konzernkreisen erfahren hat.

Die treibende Kraft hinter diesem Unterfangen ist erst seit Kurzem im Aufsichtsrat vertreten: Ronny Pecik, Nochgroßaktionär der Telekom. Er hat sein im Herbst des Vorjahres erworbenes Aktienpaket an den mexikanischen Milliardär Carlos Slim und dessen America Movil verkauft, vertritt aber seit Mai die Mexikaner als Aufsichtsratsvizepräsident. Pecik hat schon mehrfach (exklusiv in der „Presse“) kritisiert, dass die Telekom nicht optimal aufgestellt sei, und deshalb umfassende Veränderungen angekündigt.

In der Tat hat die Telekom, die mit 4,5 Mrd. Euro Umsatz und 9200 Mitarbeitern (im Inland) zu den größten heimischen Konzernen zählt und ein Schwergewicht im ATX ist, eine ganze Reihe von Problemen zu lösen:

•Zweistellige Wachstumsraten im Mobilfunkgeschäft gehören aufgrund der hohen Marktsättigung der Vergangenheit an. Auch in Osteuropa, wo die TA gut vertreten ist, hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt, weil die Staaten von der Wirtschaftskrise besonders erwischt wurden.

•Der Wettbewerb zwischen vier Mobilfunkern (A1, T-Mobile mit Tele.ring, Orange und „3“) und zwei Diskontern (Bob und Yesss!) hat die Preise in Österreich auf ein Europa-Tief sinken lassen. Gut für die Kunden, schlecht für die Unternehmen, deren Gewinne schmelzen. Die von der EU verordnete Senkung der Roaming-Gebühren verursacht Erlösausfälle im zweistelligen Millionenbereich.

•Im Festnetz konnte der Kundenschwund der letzten Jahre gestoppt werden. Eine Trendumkehr ist jedoch nur mit teuren Investitionen in schnelles Breitband möglich.

•Pragmatisierte Beamte, die nach wie vor gut die Hälfte der Belegschaft ausmachen, können nur mittels teurer Sozialpläne abgebaut werden. Bis inklusive 2011 machen Rückstellungen für Personalmaßnahmen (Sozialpläne und Golden Handshakes) in Summe 888 Mio. Euro aus.

•Belastungen verursacht auch die weißrussische Tochter Velcom. Die hohe Inflation und die Abwertung des weißrussischen Rubels machen laufende Wertberichtigungen in der TA-Bilanz notwendig.

•Diesen „Einnahmenfressern“ stehen millionenschwere Investitionen gegenüber, die die TA stemmen muss, will sie wettbewerbsfähig bleiben: Das ist zum einen der Aufbau der Infrastruktur für die vierte Handygeneration (LTE), mit der noch schnelleres mobiles Internet möglich wird. Zum anderen ist es die Neuvergabe aller Mobilfunkfrequenzen. Bei der Auktion wird der Marktführer Telekom tief in die Tasche greifen müssen.

•Letztlich steht eine Ausgabe von knapp 400 Mio. Euro für die Orange-Billigmarke Yesss! an. Der Deal soll die Übernahme von Orange durch Hutchison („3“) ermöglichen, er ist aber noch lange nicht fix, da die EU-Wettbewerbshüter und die Bundeswettbewerbsbehörde vertieft prüfen. Platzt die Übernahme, spart die TA viel Geld, sie hat jedoch weiterhin einen Konkurrenten mehr. Analysten, wie jene von JPMorgan, erachten den Preis ohnedies zu hoch für die lange ersehnte Konsolidierung, zumal die Telekom davon nicht sehr viel haben dürfte.

•Eine Eigenkapitalquote von knapp zwölf Prozent ist nicht gerade üppig. Ametsreiter hat sich dennoch festgelegt, die im Vorjahr auf 38 Cent pro Aktie halbierte Dividende beizubehalten. Für die Ausschüttung wären demnach 168,3 Mio. Euro notwendig.

Dass diese Fülle an offenen Problemen nur mit einem schlagkräftigen Management zu bewältigen ist – dieser Ansicht Peciks dürften sich auch andere Aufsichtsräte und der neue Präsident Rudolf Kemler nicht verschließen. Kemler wird allerdings erst im Oktober auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung installiert. Weshalb Personalfragen heute zwar besprochen, aber nichts offiziell beschlossen werden dürfte.

 

Vorstand wird aufgestockt

Nicht neu, aber umso aktueller ist die mögliche Ablöse von Finanzvorstand Hans Tschuden – obwohl sein Vertrag noch bis März 2017 läuft. Außerdem scheint nun so gut wie sicher, dass angesichts des Arbeitspensums ein dritter Vorstand installiert wird. Konzernstratege Georg Donaubauer, der als erste Wahl Peciks gilt, soll da die besten Karten haben.

Auf einen Blick

Bei einer Strategieklausur heute, Montag, will der Aufsichtsrat der Telekom Austria ein Zukunftskonzept beschließen. Es geht um Kostensenkungen und schlanke Strukturen für den Konzern, der mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Einnahmenausfälle wegen der Marktsättigung und Tiefstpreise im Mobilfunk stehen Milliardenausgaben für neue Netze und Frequenzen gegenüber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2012)

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31 Kommentare
 
12

UND das glaubt jemand?

da gibt es seit sehr vielen Jahren einen Manager der seit Jahren Vorstand ist. Und jetzt plötzlich will er Strukturen schaffen und alles besser machen?
WAS HAT ER BISHER GETAN?
Warum erst jetzt?
Was hinderte ihn seit vielen Jahren damit zu beginnen?
Ist doch nur ein Schaumschlagen und das treffendere Wort will ich gar nicht verwenden, da wird doch nur WARME LUFT produziert, wie üblich im Marketing und bei dessen prominenten Vertretern..............

Gast: badabumm
24.09.2012 17:38
1

das übliche blablabla

strukturen straffen, kosten senken

aber für einen neuen vorstand, der im kundenbreich nichts einbringt, ja, für den hat man geld, aber am servicepersonal usw da wird sicher fleißig gespart

Gast: zuhulu
24.09.2012 17:21
0

Struktur straffen und die Kosten senken?

Ahso, ich dachte sie wollen mehr Personal einstellen und die Gehälter erhöhen....

Gast: Analyst
24.09.2012 10:53
5

Vor allem sollte die Telekom ...

... zuerst einmal ihren Service für die Kunden verbessern! Das ist dringend notwendig, will sie nicht weiter Kunden verlieren.

Trauerspiel

Staatsbeteiligungen, Pragmatisierungen, Mindestlöhne, Kündigungsschutz, Abfertigungen, Gewerkschaften, Steuern, Regulierungen... bringen die Wirtschaft und damit uns alle um.

Antworten Gast: AllTours
24.09.2012 11:46
1

Re: Trauerspiel

In Afrika gibt's das alles nicht.
Viel Spass dort.

Re: Re: Trauerspiel

Mein Traum: ein Minimalstaat mit maximaler Freiheit für die Menschen

Ihr Traum: ein Maximalstaat mit minimaler Freiheit für die Menschen

Ich glaube, da sind Sie dem afrikanischen Modell um einiges näher als ich. Aber unsere korrupten Politclowns sind ja am besten Weg dorthin. Viel Spass! Ich bin nämlich längst ausgewandert - und steuerfrei am Strand.

Re: Trauerspiel

Nein ich denke eher ihre Denkweise wird die Welt in den Ruin führen !

Re: Re: Trauerspiel

* harte Arbeit
* das beste Produkt, das die Kunden wollen, zum besten Preis produzieren
* Sparen, und das Ersparte in Unternehmen investieren und Jobs schaffen
* korrupte Politclowns in die Wüste schicken

da haben Sie Recht - das wäre bestimmt unser aller Untergang!

Re: Re: Re: Trauerspiel

das beste Produkt zum besten Preis !!!! Sie glauben doch nicht wirklich dass das dabei rauskommen würde !!!! Und dann wolln sie mir vielleicht noch erklären dass dann ein jeder einen gerechten Lohn bekommen würde !! Das ich nicht lache ! Träumereien !

Re: Re: Re: Re: Trauerspiel

die Geschichte hat es immer wieder 100% bewiesen:

Sozialismus = Versklavung und Verarmung

Kapitalismus = Wohlstand und Freiheit

Re: Re: Re: Re: Re: Trauerspiel

Beispiele: ????? Mir fällt da nur der schwarze Freitag ein , und was danach passiert ist hat nichts mit Wohlstand und Freiheit zu tun !!!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Trauerspiel

so wie unsere heutige Krise war die Krise der 30er Jahre zu Beginn eine Verschuldungskrise. Warum wurden so viele Schulden aufgenommen und zu wenig gespart?

Bingo: Die STAATLICHE Notenbank hatte ein zu lockere Geldpolitik, und hat dadurch Spekulationsblasen verursacht. Es sind immer Staatsinterventionen, die den funktionierenden freien Markt zerstören.

Denken Sie ein bisschen nach, bevor sie was posten!

Was bietet die Telekom zukünftig?

Die Kernfrage ist: was bedeutet all das für die Kunden? Denn die aus der Vergangenheit mitgeschleppten Probleme sind für die Entscheidung der Kunden völlig irrelevant. Was kann also die Telekom zukünftig bieten, was sie positiv von den anderen Anbietern abhebt?Eines ist klar: der Kunde spart am meisten, wenn er sein Kommunikationsverhalten überdenkt und reduziert.

Antworten Gast: Wiederholungskritiker
24.09.2012 09:30
2

Re: Was bietet die Telekom zukünftig?

Dasselbe gilt auch für das genannte Unternehmen: Würden Doppelgleisigkeiten, unnötige Supporterfordernisse und Supportstrukturen abgeschafft, wäre das für die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung, in weiterer Folge für den Gewinn pro Kunden besser.

Im Moment ist es immer noch so, dass zumindest zwei Abteilungen - nämlich die ehemalige Mobilfunksparte und der (Festnetz)Telekombereich getrennt arbeiten. Den Kunden wurden in den vergangenen zwei Geschäftsjahren nur Zusatzkosten auferlegt, während die Servicequalität aus meiner Sicht massiv absackte: fehlende Dokumentation, fehlende Eskalationshierarchien, kleinere "Unfälle", weil Formulare nicht aufmerksam gelesen werden, Verschlechterung der Erreichbarkeit des Supports nach Einführung der sog. Servicepauschale (1. Dienstzeiten, 2. Kompetenz, 3. schriftliche Erreichbarkeit - Abschaffung von bekannten E-Mailadressen). Dazu kommen im Funktionsumfang limitierte Endgeräte, die in Marketingaktionen als eine Verbesserung für den Kunden dargestellt werden. (Tolle Wlan-Box!!! Was die alles kann. - Die Realität schaut nachweislich anders aus - siehe diverse Supportforen.)
Ein Umdenken allein in diesen Punkten würde das Supportaufkommen pro Kunde meiner Meinung nach zumindest unmittelbar halbieren. Mittelbar würde es über Kundenzufriedenheit Umwegrentabilität schaffen. Leider versickert konstruktive Kritik im Kommunikationsweg... Mein Eindruck: Probleme/Kosten werden künstlich geschaffen. Hoffentlich irre ich mich.

Re: Re: Was bietet die Telekom zukünftig?

... ich glaub auch, dass hier Kosten und Probleme künstlich geschaffen werden. Der Kunde soll wohl erzogen werden und soll alles selber erledigen :(

Gast: Zenzine
24.09.2012 08:25
5

Umstrukturierungen

Oje, das bedeutet also wieder, dass viele kleine Mitarbeiter entweder ihre Jobs verlieren, oder sich für ihre eigenen Jobs neu bewerben dürfen.

Mir tun alle Telekom Mitarbeiter leid. Die bekommen jetzt nämlich mehr Druck von oben und müssen mit noch weniger Arbeitskräften noch mehr Arbeit in noch weniger Zeit erledigen.

Antworten Gast: Wiederholungskritiker
24.09.2012 09:32
2

Re: Umstrukturierungen

Ja, diese Ansicht teile ich:
Die Mitarbeiter, denen kein eigenständiger Handlungsspielraum zur Arbeitsbewältigung eingeräumt wird, sondern nur in einem engen Korsett aus Vorgaben agieren dürfen, sind arm dran.

Wow !!

Wow das heißt die Lösung ist die pragmatisierten in Lösung zu schicken !!! Und dazu braucht man ein schlagkräftige (überbezahltes) Managerteam ??? Irgendwie hab ich das Gefühl das könnte ein jeder Depp !!!!

Antworten Gast: Zenzine
24.09.2012 08:26
1

Re: Wow !!

Das ist ja das Problem: das ist nicht möglich. Glauben Sie nicht, man hätte das schon früher gemacht, wenn es so einfach wäre?

Re: Re: Wow !!

Glauben sie mir mit der richtigen Abfindung ist alles möglich !

Antworten Antworten Antworten Gast: Zenzine
24.09.2012 22:15
0

Re: Re: Re: Wow !!

Ja sicher, aber diese golden handshakes sind ja eben zum Problem geworden.
Wie man das lösen will - keine Ahnung.

Wäre ich an der Stelle des pragmatisierten Beamten, würde ich auch nicht freiwillig auf mir lt. Vertrag zustehendes Geld verzichten, nur damit irgendwelche Manager weiterhin Boni kassieren und das Unternehmen massive Gewinne einstreichen kann.

was war anderes zu erwarten

machdem die telekom (ptv) seit ende der neunziger jahren von teilweise dilletantisch agierenden politclowns vergewaltigt wurde und die politik glaubte über diese lemuren auf das geschick der telekom einfluß nehmen zu können, ist das ergebnis nun sichtbar. wohlgemerk, die einzige wirkliche persönlichkeit mit dem notwendigen verstand welche jemals bei der telkom werkte war der technikvorstandschef dipl dr richter, jedoch dieser wurde geschaßt da wohl zu unangenehm, und wo kämen wir denn da hin in ösistan wenn internationale fachleute ihre meinung kund tun.

und damals als die Telekom noch die PT war (Monopol) hatten diese Leute nicht so viele Probleme wie heute! Also Wettbewerb hat ihnen doch nicht so gut getan! Man sieht wie "klug" diese Leute agieren alleine, dass mit den 888Mio. für die "pragmatisierten" Nichtstuer!


Re: und damals als die Telekom noch die PT war (Monopol) hatten diese Leute nicht so viele Probleme wie heute! Also Wettbewerb hat ihnen doch nicht so gut getan! Man sieht wie "klug" diese Leute agieren alleine, dass mit den 888Mio. für die "pragmatisierten" Nichtstuer!

es ist schon interessant zu sehen was man unter Marktwirtschaft alles verstehen kann. Die PT war also ein Staatsbetrieb, was heißt Staatsbetrieb ??? schon einmal nachgedacht ? die PT hat dem Volke gehört und wurde von diesem auch finanziert über Steuergelder. Also ist das Volk der Besitzer!!!!!! Es ist schon merkwürdig anzusehen wie man dem Volk als Besitzer sein eigenes Eigentum über Aktien wieder verkauft hat !!!! Das ist ein Geschäft!!!! Logischerweise müßte das Volk als Finanzierer bei Ausgabe von Aktien diese umsonst bekommen, als Besitzer !!!!!

Re: und damals als die Telekom noch die PT war (Monopol) hatten diese Leute nicht so viele Probleme wie heute! Also Wettbewerb hat ihnen doch nicht so gut getan! Man sieht wie "klug" diese Leute agieren alleine, dass mit den 888Mio. für die "pragmatisierten" Nichtstuer!

mit der telekom ging es erst als neben den pragmatisierten Nichtstuer hochbezahlte Angestellte tätig waren bergab.

 
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