Die Idee des Wirtschaftskammerpräsidenten Christoph Leitl, den Lehrabschluss in einem einjährigen Schnellsiedekurs nach der Matura nachholen zu können, stößt bei der Gewerkschaft auf wenig Gegenliebe. In einem Jahr lasse sich auch von einem Maturanten nicht lernen, was ein Lehrling in drei Jahren lernt. Zu klären sei auch, ob dann ein AHS-Absolvent als Nicht-Maturant bezahlt werde oder ob die ausbildenden Betriebe etwas drauflegten. "Da wünschen wir uns sicher nicht, dass ein Maturant mit einer geringen Lehrlingsentschädigung ins Berufsleben einsteigt", sagte der Arbeitsmarktsprecher des ÖGB und designierte Arbeiterkammer-Chef, Rudolf Kaske, bei Ö1.
Leitls Vorschlag sei "allenfalls die zweit- oder drittbeste Lösung für das Fachkräftemangelproblem". Die beste Variante sei es, die Jugendlichen in einer dualen Lehrausbildung in den Betrieben auszubilden. Ein Lehrjahr nach der Matura sei "möglicherweise in ganz wenigen Lehrberufen eine Ergänzung", so Kaske. Gewisse praktische Fertigkeiten werde man aber ganz sicher nicht in einem Jahr lernen können.
Die Gewerkschaftsjugend erteilte dem Vorstoß Leitls eine klare Absage. Der Wirtschaft gehe es dabei nicht um eine sinnvolle Reform der Lehrausbildung, sondern um die Verfügbarkeit von billigen, gut ausgebildeten jungen Menschen für die Wirtschaft.
Leitls Vorschlag für Mitterlehner "interessant"
Der Vorschlag stößt bei Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) auf positives Echo. "Das ist ein positiver und interessanter Vorschlag", in der Praxis müsste dieser aber mit Inhalten versehen werden, erklärte Mitterlehner. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) verwies darauf, dass bereits jetzt Tausende Maturanten eine Lehre nachholen.
Auch der Wirtschaftsminister verwies darauf, dass es dort, wo es jetzt schon möglich ist, Maturanten eine Berufslehre machen. Es handle sich um einen "positiven und interessanten Vorschlag" in der Theorie. In die Praxis werde sich dieser allerdings nicht in allen Berufen umesetzen lassen.
(APA/Red.)
WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet

