Der Zwist zwischen den heimischen Trafikanten und den Lotterien um die geplante Erweiterung des Lotto-Vertriebsnetzes auf Tankstellen hat kein Happy End genommen, aber doch ein Ende. Am Donnerstagnachmittag haben sich die Trafikanten darauf verständigt, die - ohnehin schon abgeschwächten - Lotterien-Pläne "unter Protest" zur Kenntnis zu nehmen, wie WKÖ-Trafikantenobmann Peter Trinkl der APA am Freitag sagte. Von einer Klage des Bundesgremiums werde daher abgesehen.
Allerdings, betonte Trinkl, stehe es jedem einzelnen Trafikanten frei, gegen die Expansion der Lotterien vor Gericht zu ziehen. "Wir werden das gegebenenfalls unterstützen", sagte er. "Manche Bundesländer haben bereits Unterstützung für Klagen zugesagt."
Süden gegen den Westen
Innerhalb der Trafikanten dürfte es zuletzt grobe Unstimmigkeiten puncto neue Lotto-Vertriebsstellen gegeben haben. Während manche Trafikanten etwa in Kärnten oder in der Südsteiermark wegen des Zigarettenschmuggels "wirklich auf jeden Cent angewiesen" und daher durch die neue Konkurrenz an Tankstellen und Co. in ihrer Existenz bedroht seien, sähen sich Landesobleute aus Westösterreich wenig betroffen, so Trinkl. Ein weiterer Grund, warum einige Trafikanten eine gemeinsame Klage ablehnten, dürften die nicht allzu großen Erfolgsaussichten sein, halten es doch Rechtsexperten für schwierig, hier juristisch etwas zu machen. Trinkl denkt da an das Kartellrecht. "Das schützt nicht nur den Konsumenten gegen Wettbewerbseinschränkung, sondern die ganze Kette. Der Trafikant, der Betroffene, kann ja seine Existenzbedrohung nachweisen", meinte er.
Trinkl rechnet damit, dass 300 bis 500 Trafikanten "in ernsthafte Schwierigkeiten kommen können", vor allem in den Grenzregionen. Im Schnitt dürften sich die Umsatzeinbußen seinen Berechnungen zufolge auf 30 Prozent belaufen. Glücksspielprodukte machen rund ein Drittel des Umsatzes in Trafiken aus.
Zugeständnisse erkämpft
Einige Zugeständnisse hat Trinkl dem Glücksspielkonzern bei den insgesamt drei Treffen auch abgerungen: Nur mehr 1622 statt 2237 Vertriebsstellen, die bisher nur Brief-und Rubbellose verkaufen, sollen jetzt zu Lotto-Annahmestellen umgerüstet werden. Außerdem wollen die Lotterien Trafikanten mit Behinderung entgegenkommen und ein Kundenbindungsprogramm für die bestehenden Annahmestellen anbieten.
Die Lotterien halten an ihrem "Fünf-Punkte-Programm" fest, das bereits vor zweieinhalb Wochen präsentiert, damals allerdings vom Bundesgremialausschuss der Tabaktrafikanten abgelehnt wurde. "Wir bleiben bei unserem Angebot und werden das mit Bedacht umsetzen", sagte Lotterien-Sprecher Martin Himmelbauer am Freitag.
Derzeit gibt es österreichweit fast 3800 Lotto-Annahmestellen. Von der Erweiterung des Lotto-Vertriebsnetzes profitieren hauptsächlich Tankstellen, aber auch Lebensmittelgeschäfte und Postämter. Die Expansion startet mit Jahresbeginn 2013.
(APA)
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