Die Experten des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) und des Instituts für Höhere Studien (IHS) haben ihre Konjunkturprognosen für Österreich für 2013 gegenüber der letzten Vorschau vom Sommer zurückgenommen. Statt wie bisher von 1,3 bzw. 1,7 Prozent gehen die Institute in ihrer aktuellen Herbst-Prognose nunmehr von einem Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr von 1,0 bzw. 1,3 Prozent aus. Betont wird die hohe Unsicherheit der Prognose. Österreich werde dennoch zu den "Wirtschaftsmotoren" im Euroraum zählen. Nach 2,7 Prozent realem BIP-Plus im Vorjahr werden für das laufende Jahr 2012 unverändert 0,6 bzw. 0,8 Prozent Wachstum erwartet.
"Verbessert sich die Wirtschaftslage schneller als erwartet, dann könnte sich das Vertrauen der Marktteilnehmer festigen und das Wachstum nächstes Jahr kräftiger ausfallen", betont das IHS am Freitag bei der Vorlage der Herbst-Prognose. Letztlich sei dafür eine konsequente Politik zur Beseitigung der fiskalischen und ökonomischen Ungleichgewichte im Euroraum unerlässlich. Auch das Wifo meint, dass sich das Umfeld in Europa so ändern könnte, dass die "aufwärtsgerichteten" Kräfte leicht zunehmen.
Schlechteres internationales Umfeld
Begründet wird die Zurücknahme der Vorschau mit der Verschlechterung des internationalen Umfeldes. Österreichs Wirtschaft könne sich von der internationalen Dynamik nicht ganz entkoppeln. Für beide Institute stellen die Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise im Euroraum und deren Folgen nach wie vor die größten Risiken der Prognosen dar. In den letzten Wochen habe sich die Lage auf den Finanzmärkten wieder entspannt, dazu habe die EZB-Entscheidung, allenfalls Staatsanleihen notleidender Staaten unter Bedingungen aufzukaufen, beigetragen, betont das IHS, das weiter davon ausgeht, dass sich die Vertrauenskrise im Euroraum langsam zurückbildet.
Die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt stellt sich für die Institute im internationalen Vergleich weiterhin günstig dar. Die Beschäftigungsdynamik sollte sich allerdings abschwächen und die Zahl der Arbeitslosen weiter ansteigen, so das IHS. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sollte von heuer 7,0 Prozent auf 7,3 Prozent steigen, das Wifo erwartet einen Anstieg auf 7,4 Prozent. Nach Eurostat-Definition sollten es 4,8/4,6 Prozent werden, nach 4,4 Prozent in diesem Jahr.
Preisstabilität
Österreich zählt heuer wieder zu den preisstabilsten Ländern, so das IHS. Preistreibende Wirkungen würden jedoch von der Euro-Abwertung und den steigenden Importpreisen von Energie- und Nahrungsmittelrohstoffen ausgehen. Auch laut Wifo dürften die Verbraucherpreise deswegen weiter spürbar steigen. Wifo und IHS erwarten für 2013 eine Teuerungsrate von 2,1 bzw. 2,0 Prozent, nach 2,3 Prozent in diesem Jahr.
Beide Institute erwarten für das kommende Jahr einen Rückgang des Budgetdefizits auf 2,6 bzw. 2,3 Prozent des BIP nach 2,9 Prozent in diesem Jahr. Neben den derzeit außergewöhnlich günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten für Staatsanleihen ergeben sich vor allem aus der unerwartet dynamischen Beschäftigungsentwicklung zusätzliche Einnahmen, so das Wifo.
Schwächeres Konsumwachstum
Die Wirtschaftsforscher legen ihren aktuellen Prognosen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Euroraum in diesem Jahr um 0,2/0,4 Prozent (Wifo/IHS) und für 2013 einen verhaltenen Anstieg um 0,6/0,5 Prozent zugrunde. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird heuer jeweils auf 0,8 Prozent und 2013 auf 1,1/1,2 Prozent geschätzt. In den USA sollte sich die Konjunktur von 2,2/2,3 Prozent in diesem Jahr auf 1,8/2,0 Prozent im kommenden Jahr abschwächen. Das IHS prognostiziert für die Industriestaaten für heuer einen Rückgang auf 1,4 Prozent und für 2013 eine leichte Zunahme auf 1,6 Prozent. Das Wifo geht von einem globalen BIP-Wachstum von 3,1 Prozent in diesem und 3,3 Prozent im kommenden Jahr aus.
Gleichzeitig mit den Wachstumsprognosen haben die beiden Wirtschaftsforschungsinstitute auch ihre Prognosen für das Konsumwachstum in Österreich für das kommende Jahr etwas zurückgenommen. Dennoch sollten die privaten Ausgaben 2013 stärker zulegen als in diesem Jahr, nämlich um 0,7 (Wifo) bzw. 1,1 Prozent (IHS) nach 0,6 bzw. 0,8 Prozent in diesem Jahr. Unterstützt werde die Konsumnachfrage von der guten Beschäftigungsentwicklung und dem nachlassenden Preisdruck, heißt es.
Die Investitionstätigkeit dürfte auch 2013 schwach bleiben. Beide Institute haben ihre bisherigen Prognosen hier noch weiter zurückgenommen und gehen bei den Bruttoanlageinvestitionen nur mehr von einem realen Wachstum von 1,5 bzw. 1,4 Prozent nach zuvor 2,0 Prozent aus. Getrübt werde das Investitionsklima von der schwachen Konjunktur und der Unsicherheit im Euroraum. Positiv könnten sich dagegen die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten und guten finanziellen Ausstattungen der Unternehmen auswirken.
Die verhaltene Weltkonjunktur wirkt sich auch bremsend auf den Außenhandel aus. Die Wirtschaftsforscher kappen ihre Prognosen sowohl für heuer als auch für das kommende Jahr recht kräftig. Die heimischen Warenexporte dürften heuer nur um 0,8 bzw. 1,1 Prozent wachsen statt wie bisher erwartet über 3 Prozent. Im kommenden Jahr sollten sie wieder um über 4 Prozent anziehen. Im Sommer wurde noch ein Export-Plus von mehr als 6 Prozent erwartet. Bei den Warenimporten erwartet das Wifo für heuer ein Minus von 0,3 Prozent, das IHS ein Plus von 0,3 Prozent. 2013 sollten es wieder über 4,0 bzw. 3,5 Prozent Plus werden.
Gut entwickelt hat sich laut Wifo die Arbeitskräftenachfrage. Das Institut rechnet für heuer mit einer Ausweitung um 1,5 Prozent. Diese Dynamik dürfte sich 2013 jedoch auf 0,5 Prozent verlangsamen. Das Beschäftigungswachstum könnte die Lohnsumme und somit das verfügbare Einkommen weiter stärken und bei konstant niedriger Sparquote den privaten Konsum unterstützen.
(APA)
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