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Justiz will Verfahren gegen Schlaff einstellen

28.09.2012 | 16:16 |  Von Hedi Schneid (Die Presse)

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Martin Schlaff und seine Partner wegen Betrugs beim Kauf der serbischen Mobtel abgeschlossen.

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[Wien] Auftritte von Martin Schlaff in der Öffentlichkeit sind rar. Umso mehr herrscht Hochspannung im Korruptionsausschuss, wo es am 9. Oktober um die Ostgeschäfte der Telekom Austria (Bulgarien, Serbien und Weißrussland) geht. Bei allen Deals spielte Schlaff eine maßgebliche Rolle als Türöffner. Ob der diskret im Hintergrund agierende Milliardär mit dem engmaschigen Netzwerk in Politik und Wirtschaft tatsächlich kommt, ist nicht fix. „Dazu sagen wir nichts", sagt sein Sprecher Michael Fink.

Zufall oder nicht - zeitgleich zum U-Ausschuss wird der Vorhabensbericht der Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) fertig. „Die Ermittlungen sind abgeschlossen, wir haben umfangreiche Stellungnahmen der Beschuldigten. Der Vorhabensbericht an das Justizministerium kommt demnächst", bestätigt die Sprecherin der Behörde, Eva Habicher der „Presse".

Betrug am serbischen Staat

Die WKStA ermittelt seit Jahresanfang auf Basis einer Anzeige eines serbischen Journalisten gegen Schlaff, seinen Steuerberater Michael Hason und seine Partner bei den Ostgeschäften, Herbert Cordt und Josef Taus. Es geht um den Vorwurf des Betrugs, der Untreue und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit dem Mobtel-Kauf in Serbien. Die Beschuldigten, für die die Unschuldsvermutung gilt, sollen den serbischen Staat um 357 Mio. Euro betrogen haben.

Eine zweite Anzeige betrifft einen von der Bawag gemeldeten Geldwäsche-Verdacht im Zusammenhang mit der in Zypern ansässigen Holdenhurst Holding, die im Besitz von Schlaffs MS Privatstiftung steht. Beide Causen werden in einem Akt geführt.

Insider wollen wissen, dass der Vorhabensbericht erst nach dem U-Ausschuss-Termin weitergeleitet werden soll. Möglicherweise ändert die WKStA dann noch ihre Meinung. Die zuständige Staatsanwältin Beatrix Winkler soll nämlich dem Vernehmen nach die Einstellung des Verfahrens empfehlen.

Der Ball liegt damit bei Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP). Sie könnte - wie bei der Inseratenaffäre - die Marschrichtung ändern. Die Staatsanwaltschaft Wien wollte die Ermittlungen gegen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) im Zusammenhang mit Inseratenkampagnen in Boulevardmedien, die Faymann bei ÖBB und Asfinag in Auftrag gegeben haben soll, einstellen. Karl hat aber per Weisung die Fortführung der Ermittlungen in Teilbereichen angewiesen.

Gute Verbindungen

Die Causa Schlaff ist zwar anders gelagert als jene Faymanns, aber zumindest so brisant. Denn der Geschäftsmann unterhält nicht nur sehr gute Kontakte in die SPÖ - er war wirtschaftspolitischer Berater von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer. Schlaff ist auch in der ÖVP gut vernetzt. Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus begleitete ihn bei allen Ost-Deals. Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel reiste als Ehrengast zur Eröffnung der MobilTel-Zentrale in Sofia in Schlaffs Privatjet.

Ex-ÖVP-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner wiederum befürwortete für Michail Chernoy ein Visum für Österreich. Der nicht gerade mit dem bestem Ruf ausgestattete Usbeke besaß ursprünglich die bulgarische MobilTel und hatte in vielen Ländern Einreiseverbot. Als sein Versuch, die MobilTel an den Diamantenhändler Lew Lewwajew zu verkaufen, scheiterte, sprang Schlaff ein. Im Konsortium mit Cordt und Taus erwarb er 2002 um 800 Mio. Euro den Mobilfunker, stellte ihn neu auf und bot ihn ein Jahr später um eine Mrd. Euro der Telekom Austria an. Die scheute offiziell den hohen Preis. Drei Jahre später griff die Telekom zu - um 1,6 Mrd. Euro. Warum sie soviel mehr zahlte, ist bis heute ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Wien startete damals Ermittlungen, stellte diese jedoch ein.

Hilfe von Gorbach

Im aktuellen Verfahren geht es um Serbien: Schlaff kaufte im August 2005 über seine (zweite) zypriotische Firma Arrandene dem serbischen Milliardär Bogoljub Karic dessen Anteile an der Mobtel ab (die restlichen Anteile hielt die serbische Post). Nach heftigen Streitigkeiten um die Eigentumsverhältnisse entzog Belgrad dem Mobilfunker im Dezember 2005 die Lizenz. Schlaff kam der damalige BZÖ-Verkehrsminister Hubert Gorbach zu Hilfe.

Um die Mobtel als Mobi63 neu zu gründen, musste sie entschuldet werden. Die Banken - allen voran Hypo Alpe Adria und Raiffeisen - wurden vom serbischen Staat abgefunden. Schlaff wiederum zahlte an den Infrastrukturlieferanten Ericsson 30 Mio. Euro. Dafür erhielt er einen „Gutschein" von acht Mio. Euro. Diesen verkaufte Schlaff mit zehnprozentigem Rabatt an die Telekom, die sich Chancen bei der Auktion der Mobi63 ausrechnete. Das Geld (die knapp acht Mio. Euro, von denen in der Geldwäsche-Verdachtsmeldung die Rede ist) ging an die Holdenhurst. Die Telekom bekam die Mobi63 zwar nicht, aber wenig später eine Funklizenz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29. September 2012)

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48 Kommentare
 
12
Gast: Asker
05.10.2012 16:28
0 0

Frage: Woher stammen eigentlich die Zahlen?

Woher kommen die 800 Mio EUR eigentlich?
Waren es 800 gerade raus, oder sind das die 768 nur aufgerundet? Habe auch schon 850 gelesen (Salzburger Nachrichten). Also woher stammen all die Zahlen?

Gast: Argesauge
30.09.2012 04:43
3 0

ringelspiel

cordt, taus, androsch, schlaff, elsner, flöttl, meinl, grasser

ehrenwerte herren allesamt mit kleinen ausnahmen.....

dass ein hochdekorierter herr cordt nochmal zum stich kam - bewundernswert....

Gast: Hr. Viagras Studien
29.09.2012 20:20
0 2

Justiz will Verfahren gegen Schlaff einstellen

Davon wird Er auch nicht mehr steif.

öha

die wahrheit wird wegzensiert, sehr sozial.

Re: öha, Schlaff ist die Wahrheit und die Ethik selbst!

Da haben Sie nichts herumzumeckern !!

Gast: Martin_S
29.09.2012 19:54
3 0

?

Frage: Wer wurde jetzt bestochen? Der serbische Staat? Das ist DEM sein Problem...
Bei dem ganzen ist nur seltsam, warum die Telekom Jahre später viel teurer gekauft hat... Der Rest ist übliche Geschäftsgebarung...

Gast: Die meisten wissen gar nicht, was sie für ein Tempo haben könnten, wenn sie sich nur einmal den Schlaff aus den Augen rieben!.
29.09.2012 17:47
5 0

Justiz will Verfahren gegen Schlaff einstellen.....

.....Warum???

Gast: gegenkoruption
29.09.2012 14:14
3 1

milliardär muss man sein

dann geht viel - es gibt eben immer welche, die gleicher sind

wer 20.000€ schulden hat, der wird bis in alle ewigkeit verfolgt, hat einer 100.000.000€ schulden, dann ist mit einer einmalzahlung alles erledigt

Re: milliardär muss man sein, aber die richtige Religion schadet auch nicht !


Gast: Argesauge
29.09.2012 12:38
9 0

Solche

Typen sind eine schande für österreich

Die gehören mit nassen fetzen aus dem land gejagt

rauben milliarden und grinsen einen dann noch frech an

WIDERLICH!

4 0

Re: Solche


>Solche
Typen sind eine schande für österreich<

Stimmt!

Wer hat denn eigentlich diesem Ex-Stasi-Widerling ("IM Landgraf") die österreichische Staatsbürgerschaft zugeschanzt?

Weil's keine Anklage gab: die beiden Block-Parteien SPÖ und ÖVP?

Gast: Gast: Leser
29.09.2012 11:16
6 0

Elsner

Es sollte auch nicht vergessen werden, dass Schlaff einer der ersten war (zusammen übrigens mit Taus), der Elsner beigesprungen ist (auch mit Geld), als es eng für ihn wurde. Überdies hat die BAWAG unter Elsner ihm die 800 Mio. zum Kauf der bulgarischen Telekom vorgestreckt. Es gäbe also genügend Gründe, die Ermittlungen gegen Schlaff fortzuführen.

Re: Elsner

Und die wichtigste Frage in dieser Causa ist,

mit welchen Geldern

sanierte der Gusi so schnell

die maroden Finanzen der SPÖ??????

Bildungsfilm zum Thema Korruption in Wien

man googelt die 4 da martin schlick

Dieser Film ist gespickt mit Informationen und nebenbei kann man darüber auch noch lachen.

Idealfall:
100 Prozent Bio 0 Prozent Korruption.

Es gibt nur einen Weg dahin.


Gast: harakiri
29.09.2012 09:22
0 0

Moment, Moment,

die Frau Justizministerin hat die Weisung ja schon
verfertigt, die Tinte muss noch trocknen.

Gast: Wasserlaeufer
29.09.2012 08:52
0 0


Gast: Hans M..
29.09.2012 03:46
7 0

Wir brauchen unbedingt eine unabhängige Justiz,so kann es nicht mehr weiter gehen

Jede Wette ,Frau Karl wird Weisung erteilen das,das Verfahren einzustellen ist. Jedenfalls wird Sie nichts dagegen unternehmen.
Apropos was ist mit Gorbach und seiner Sekretärin? Hier geht auch nichts weiter. Oder wollen Frau Ministerin hier auch einstellen? Wundern würde es mich nicht.
Wahltag ist Zahltag,ich kann es kaum mehr erwarten.

Re: Wir brauchen unbedingt eine unabhängige Justiz,so kann es nicht mehr weiter gehen

Na klar wird das so sein oder wissen sie nicht, wer Hr. Schlaff ist?

Gast: Hannes Ebner
29.09.2012 00:38
4 0

Jeder Hühnerdieb..

Jeder Hühnerdieb wäre dafür längst im Knast. Manche können sich's anscheinend richten. Das stinkt den "normalen" Staatsbürgern zum Halse rauf!!

Und: Immer wieder fragt sich der "normale" Staatsbürger nach der "Rolle" der Justiz!!
-Ist sie verwickelt?
-Wird sie politisch gelenkt?
-Warum passiert nichts?
-Warum werden Verfahren eingestellt?
-Warum geht's soo langsam?
-Ist es politisch gewollt, dass es soo langsam geht?

Gast: putingistug
28.09.2012 23:13
16 0

Beschämend dass so jemand wie Schlaff

für die VErmittlung eines Geschäftes (verm. einige Telefonate) hunderte Millionen Euro erhalten hat.

Und auf der anderen Seite TA-mitarbeiter wg. ein paar dürftigen km-abrechnungen von einigen Euro gegängelt werden wie grosse Abzocker...

Das zeigt die Ungleichheit in der heutigen Welt - einer kriegt 400 Millionen "Honorar", andere müssen schauen wie sie mit harter Arbeit über die Runden kommen und werden dabei gefilmt und gefilzt sowie kontrolliert wie wenn sie nur übles im Sinne führen würden.

Re: Beschämend dass so jemand wie Schlaff

Das dürfen sie so nicht sehen, da gibt es nämlich einen großen Unterschied.

Der kleine Mann behält sich seine erschwindelten paar Euro km-Geld, der andere muss von den 400 Millionen etliche abgeben, und zwar in einer oder anderen Form an unsere "Politik", die Gelder sind somit quasi versteuert. Und sobald sie versteuert sind, sind sie irgendwie legal, verstehen sie? :-)

Das ist ganz normal für ein hoch-korruptes Land.

Re: Beschämend dass so jemand wie Schlaff


Bei all diesen (wie immer man es sonst noch nennen kann) "Provisionen" sollte Folgendes nicht vergessen werden:

WIR - also Sie und Ich - MÜSSEN DIES ALLES LETZTLICH BEZAHLEN!!!

vetternwirtschaft oder filzläuse?

es kommt einem das kotzem bei lesen obiger auflistung.


die nâchsten

wahlen kommen sehr bald und dieses pack wird endlich die rechnung bekommen.

Re: die nâchsten


Manchmal wünscht' ich mir, mehr als nur ein Stricherl zur Verfügung zu haben...

Antworten Gast: TA
28.09.2012 22:26
6 1

Re: die nâchsten

Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie längst verboten.

 
12

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