Wien/Hie. Die Krise kommt langsam, aber sicher auf dem österreichischen Arbeitsmarkt an. Derzeit ist die Lage aber noch nicht gar so schlimm. Ende September hatten knapp 295.000 Menschen keinen Job. Davon waren 65.900 in einer Schulung des Arbeitsmarktservice (AMS) untergebracht. Die Zahl der Arbeitslosen legte damit gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um fünf Prozent zu, wie das Sozialministerium am gestrigen Montag bekannt gab.
Gleichzeitig stieg aber auch die Beschäftigung weiter: Im September gab es um rund 50.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahreszeitraum. Seit dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise vor drei Jahren seien 160.000 neue Arbeitsplätze entstanden, sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Ein nicht unwesentlicher Teil davon entfällt aber auf Teilzeitstellen. 2011 waren von 47.400 neu geschaffenen Stellen 12.500 Teilzeitjobs. Die Teilzeitquote liegt in Österreich bei 25 Prozent. Laut nationaler Definition (AMS-Gemeldete, die in keiner Schulung sind) betrug die Arbeitslosenquote im September 6,1 Prozent. Nach internationaler Definition (eine Stunde Arbeit pro Woche) hat Österreich mit 4,5 Prozent nach wie vor die niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU.
EU: 2,2 Millionen mehr Arbeitslose
Dennoch dürfte die Zahl der Menschen ohne Job weiter zulegen. Sozialminister Hundstorfer rechnet erst mit einem Rückgang, „wenn die europäische Wirtschaft zu merklichem Wachstum zurückfindet“. Das dürfte nicht so bald passieren. Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben vorige Woche ihre Konjunkturprognose nach unten korrigiert: Das IHS erwartet nächstes Jahr nur noch 1,3 Prozent, das Wifo nur noch ein Prozent Wirtschaftswachstum. Auch die steigende Zahl der arbeitslosen Leiharbeiter (plus 11,6 Prozent) deutet auf eine Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt hin.
Im EU-Vergleich ist Österreich aber eine Insel der Seligen. EU-weit stieg die Zahl der Arbeitslosen im August um 2,2 Millionen gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote betrug 10,5 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 9,7 Prozent. Nach Österreich verzeichneten Luxemburg (5,2), die Niederlande (5,3) und Deutschland (5,5 Prozent) die niedrigsten Arbeitslosenraten. Die höchsten Quoten meldeten Spanien, wo 25 Prozent keinen Job haben, und Griechenland mit 24,4 Prozent. Diese beiden Länder und Portugal verzeichneten auch die stärksten Anstiege der Arbeitslosenrate.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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