20.06.2013 03:53 Merkliste 0

Krankengeld auch für Unternehmer

01.10.2012 | 18:32 |   (Die Presse)

Künftig sollen Kleinunternehmer Krankengeld bekommen, wenn sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. Jeder zweite Selbstständige hat bereits selbst vorgesorgt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Hie. Wer selbstständig ist, hat bei sozialen Rechten gegenüber unselbstständig Beschäftigten oft das Nachsehen. Nun werden Unternehmer und Angestellte zumindest in einem Punkt gleichgestellt: Selbstständig Erwerbstätige bekommen künftig ein Krankengeld, wenn sie länger als 42 Tage arbeitsunfähig sind. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) schickte am gestrigen Montag eine entsprechende Novelle in Begutachtung. Die Regelung soll vor allem Klein- und Mittelunternehmern entgegenkommen. Sie gilt für Selbstständige, die keine oder weniger als 25 Beschäftigte haben. Laut Gesundheitsministerium sind 320.000 Unternehmer betroffen.

Anspruch auf die Unterstützung besteht ab dem 43.Krankheitstag. Er gilt höchstens 20 Wochen für dieselbe Krankheit. Das Krankengeld ist vom Einkommen unabhängig und beträgt 26,97 Euro am Tag. Der Betrag wird jedes Jahr angepasst und steigt so bereits 2013 auf 27,73 Euro täglich. Die Kosten – etwa 19 Mio. Euro – trägt die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Eigentlich hätte der Entwurf schon vor dem Sommer fertiggestellt werden sollen. Weil sich der Gesundheitsminister mit dem Koalitionspartner ÖVP nicht einigen konnte, verzögerte er sich aber.

 

„Kleiner, aber wichtiger Schritt“

Die Wirtschaftsvertreter gaben sich zufrieden mit dem Gesetzesentwurf. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl nannte ihn „einen weiteren wichtigen Meilenstein im Ausbau der sozialen Absicherung von Österreichs Kleinunternehmern“. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sagte, mit dem Krankengeld würde der Unternehmergeist im Land gefördert, weil sich Kleinunternehmer nun weniger um die soziale Absicherung sorgen müssten und sich stärker auf das Wirtschaften konzentrieren könnten.

Auch die Grüne Wirtschaft begrüßte den Entwurf, wenn auch mit etwas mehr Zurückhaltung: „Das ist ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagte Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft und Vertreter der Grünen in der Wirtschaftskammer. Wenn auch ein kleiner Schritt: Er hätte sich gewünscht, dass der Anspruch auf Krankengeld schon nach zwei Wochen einsetzt. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sora im Auftrag der Grünen Wirtschaft hat nur jeder zweite Kleinstunternehmer in Österreich für einen längeren Krankheitsfall vorgesorgt.

Befragt wurden 500 Selbstständige mit bis zu fünf Mitarbeitern. Besonders Geringverdiener haben ein Vorsorgeproblem. Von jenen Befragten, die angegeben haben, sehr gut oder vollkommen ausreichend zu verdienen, haben 62 Prozent umfassend für den Krankheitsfall vorgesorgt. Von jenen, deren Einkommen nur gerade oder gar nicht ausreicht, nur 40 Prozent. Angestellte bekommen, wenn sie krank werden, während der ersten sechs Wochen ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber weiter bezahlt und weitere vier Wochen das halbe. Eine vergleichbare Regelung gibt es für Selbstständige bisher nicht. Sie können lediglich eine Zusatzversicherung abschließen, um für diesen Fall vorzusorgen. Diese kostet 2,5 Prozent der Beitragsgrundlage, mindestens 27,2 Euro pro Monat. Diese Möglichkeit nutzen derzeit aber nur 17.600 der 360.000 Wirtschaftstreibenden, die bei der Versicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) krankenversichert sind.

 

Keine Tabuthemen bei Befragung

Anlass für die Umfrage der Grünen Wirtschaft war die Urbefragung der SVA unter ihren Versicherten, die am 30. September zu Ende gegangen ist. Plass kritisierte, dass etwa Tabuthemen wie die Zusammenlegung der Sozialversicherungen nicht angesprochen wurden. In der Umfrage der Grünen Wirtschaft sprachen sich 73 Prozent der Befragten dafür aus, dass die verschiedenen Krankenkassen für Angestellte, Beamte oder Selbstständige zusammengelegt werden. Das fordert auch die Grüne Wirtschaft. Derzeit gibt es 22Kassen.

Auf einen Blick

Wenn Kleinunternehmer länger als 42 Tage arbeitsunfähig sind, sollen sie künftig ein Krankengeld von 27 Euro am Tag bekommen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde am Montag in Begutachtung geschickt. Für die ersten sechs Wochen müssen sie – anders als Angestellte – weiter selbst vorsorgen, zum Beispiel mit einer Zusatzversicherung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

33 Kommentare
 
12

Bin schon gespannt wie uns die SVA diesmal ausraubt.


Gast: einstoevpwaehler
05.10.2012 08:50
0 0

Wenn ich das Foto dieses Schlichti nur sehe . . .


Gast: Alien (Dauerzensuriert)
03.10.2012 12:15
1 0

Was für ein Meilenstein.

In einem Monat macht das 837 Euro aus (wenn er 31 Tage hat). Was mich jedoch wundert, ist die Summe von 19 Millionen Euro. Dazu müßten 22700 Unternehmer (das sind rund 6% der in Frage kommenden 370000 Kleinunternehmer) für durchschnittlich 1 Monat in den Genuß dieser Entgeltfortzahlung kommen (d.h. vorher schon 43 Tage krank sein!). Ich glaube jedoch nicht, daß sich ein österreichischer Durchschnittskleinunternehmer überhaupt so lange Krankenstände leisten kann. Oder wurden die Krankenstandsdaten von den Beamten hochgerechnet?

Oder sind die Bearbeitungskosten derartig hoch, daß es zu so einer Summe kommt?

0 0

Was hat dieses Thema im Gesundheitsteil zu suchen?

Das ist ein Steuer-, Kranenversicherungs- und Abgabenproblem. Mehr nicht!

meilenstein ist das keiner

das eigene einkommen ist bei einem ernsthaft erkrankten und damit arbeitsunfähigen kleinunternehmer das geringste problem.

alle kosten des unternehmens wie miete und löhne laufen weiter, auch wenn das unternehmen durch den ausfall des chefs nicht arbeiten kann und keine einkünfte erzielt.

die 27 euro am tag sind vielleicht gut gemeint, aber wohl kaum eine rettung, wenn jemand keine reserven hat. ganz abgesehen davon, dass es die ersten eineinhalb monaten weiterhin gar nichts gibt.





Gast: RA
02.10.2012 08:56
1 0

Ganz schlechter Scherz

Weil: es wird nur eine Handvoll Menschen im Jahr betreffen.

Reine Verar.......!

Mich wundert das nicht. Denn wenn der Leitl sein breites Maul aufmacht, kommen immer nur Lügen, Lügen und Lügen.

Gast: Herbert H.
02.10.2012 08:38
5 0

Zwangsselbständige: vorsorgen wovon?

Ich habe in den Jahren 2005-2009 ein Gesamteinkommen von € 119.000 als Einpersonenunternehmen erzielt ("Einkünfte aus Gewerbebetrieb"). Der Umsatz lag natürlich höher. Nach Abzug von Sonderausgaben verblieb ein versteuerbares Einkommen von € 96.226.

Die Einkommenssteuer dafür (nach Abzug der Betriebsausgaben und Abschreibungen) betrug € 14.235. Allerdings lagen die Forderungen der SVA bei € 28.676, da die SVA-Vorschreibungen zwar die Steuer, aber nicht die SVA-Bemessung reduzieren. Im Gegenteil: Die SVA-Vorschreibungen werden auf den Betrag der „Einkünfte aus Gewerbebetrieb“ hinzuaddiert, wodurch sich erst die SVA-Bemessung ergibt. (Beachte dass die SVA-Beiträge DOPPELT so hoch wie die Einkommenssteuer sind).

An Steuern und SVA-Abgaben 2005-2009 bezahlte ich somit insgesamt € 42.911 (von einem Einkommen von € 96.226)

Es verblieben also € 53.315 als Nettoeinkommen für 60 Monate, oder € 888 netto pro Monat, (mit Anforderung auf PKW-Nutzung, Stress, u.ä,.).

Der Zeitraum 2005-2009 ist durch die Betriebsauflösung Ende 2009 abgeschlossen und wird dadurch perfekt überschaubar. Die ansonst trickreichen und verzögerten nachträglichen „Berichtigungen“ (also die Nachforderungen) der SVA, die immer erst Jahre später eintrudeln, sind in diesem Intervall inkludiert (da alle SVA-Forderungen beglichen wurden), sodass sich ein perfektes Gesamtbild ergibt.

Mein Ratschlag an alle kleinen Selbständigen: Macht Sozialhilfe und lasst Euch nicht länger ausnehmen.

Antworten Gast: Teddy
04.10.2012 09:58
0 0

Re: Zwangsselbständige: vorsorgen wovon?

Geh Herbert... du schreibst auch nichts anderes (jedesmal bei solchen Themen der selbe copy paste Text). Inhaltlich stimmt es ja, aber du hast das mindestens schon 16-mal geschrieben. Meine ja nur-> wir haben es kapiert.

Re: Zwangsselbständige: vorsorgen wovon?

Es kommt aufs Selbe hinaus, wenn man sein Einkommen von vornherein beschränkt, sodaß man unter der Steuergrenze bleibt und die SVA-Mindestbeiträge zahlt: 880 Euro monatlich. Der Unterschied macht sich nicht einmal in der Pension wirklich bemerkbar, nach all den Kürzungen, die Anfang des Jahres still und heimlich in Kraft getreten sind.
Diese Variante ist allerdings mit viel weniger Streß belastet ... ;)

Gratuliere zu Ihrem posting ! Genau so ist es.

"Die ansonst trickreichen und verzögerten nachträglichen „Berichtigungen“ (also die Nachforderungen) der SVA, die immer erst Jahre später eintrudeln, sind in diesem Intervall inkludiert (da alle SVA-Forderungen beglichen wurden), sodass sich ein perfektes Gesamtbild ergibt."

Genau DA gehört einmal aufgeräumt und das System für jeden normalen Menschen transparent gemacht.

Die SVA ist der Betriebszersörer Nummer 1, nur wird das leider immer unter den Teppich gekehrt.

Aber klar, man muss ja die geschützten Arbeitsplätze erhalten.

Kein Wunder, dass sich der feine Herr Leitl wieder einmal vor Begeisterung überschlägt ...

Gast: sosooo
02.10.2012 06:49
3 0

Ein Hohn!

""einen weiteren wichtigen Meilenstein im Ausbau der sozialen Absicherung von Österreichs Kleinunternehmern“. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sagte, mit dem Krankengeld würde der Unternehmergeist im Land gefördert, weil sich Kleinunternehmer nun weniger um die soziale Absicherung sorgen müssten und sich stärker auf das Wirtschaften konzentrieren könnten.""

Nach 42 Tagen Kranksein, kann jeder SELBSTÄNDIGE zusperren!!!!

Alleine für die hohen Sozialversicherungsabgaben, dafür muss man sich schon krankarbeiten!
Sie wissens, aber es ist ihnen egal! Krankenstand ist ohnehin nicht drinnen!!!

So wie der Poster unter mir schreibt:

""" sinnlosen (!) und dummen Funktionäre!!!"""
Schmarotzzzzer Planzen - Blutsauger ohne schlechtem Gewissen!!!

Gast: Ösi
02.10.2012 00:46
3 2

Ha, die Ausbeuter sollen Krankengeld bekommen?

Da geh ich nun extra 5 Wochen im Jahr in den Krankenstand!!! Länger bringt ja nichts, da ab der 5 Woche der Unternehmer nicht mehr dafür auskommen muss. Wer Courage Anstand und die nötigen Balls dafür in der Hose hat geht im Jahr 5 Wochen in den Stand. Diesen Ausbeutern werden's wir noch zeigen, wer da mal am längeren Ast sitzt. Wenn mir einer so kommt, dass nun Unternehmer (genau jener Personenschlag der für all das Übel in unserer Gesellschaft verantwortlich ist, nun auch Krankengeld bekommen soll), dann geh ich auf die Barrikaden. So kann's ja wirklich nicht gehen.

good riddance

dann geh ich auf die Barrikaden

Genau.

Ösi geht auf die Barrikaden.

Blöd nur, dass ihn der Wärter nicht aus der Gummizelle lässt - wird also wohl wieder nix mit der Weltrevolution ...

Antworten Antworten Gast: Ösi
02.10.2012 14:09
1 0

Re: dann geh ich auf die Barrikaden

Na ja, wir beide könnten ja gemeinsam versuchen die Weltherrschaft an uns zu reißen. So wie Pinky und Brain (kennen Sie die beiden?) - ich bin das Brain und Sie Pinky.... ;-)

Tschüssi

Re: Re: dann geh ich auf die Barrikaden

ausgerechnet sie wollen brain sein???????????

Antworten Gast: Kellnerfrau
02.10.2012 09:03
1 1

Re: Ha, die Ausbeuter sollen Krankengeld bekommen?


EPU als "Ausbeuter"? Verschwind zum AMS Ösi.

Antworten Antworten Gast: Ösi
02.10.2012 14:06
1 0

Re: Re: Ha, die Ausbeuter sollen Krankengeld bekommen?

Ah, ich bin derzeit mit Burnout im Krankenstand. Sie können sich sicherlich vorstellen, dass nach neun Wochen Sommerferien der Berufseinstieg sich recht schwierig gestaltet. Na ja, da bin ich dann gleich wegen Burnouts zu meiner Hausärztin.

good riddance

Ösi

Dummheit ist nicht zu kaufen, aber die WIKA hat es!

Krankengeld nach dem 42. Tag ???
27 EUR ???

Verarscht euch selbst und der Tag wird kommen, an dem diese sinnlosen (!) und dummen Funktionäre endlich davon gejagt werden - garantiert!

Gast: die axt gegen leitl erspart den überfrust
01.10.2012 23:37
2 0

wo ist unser posting?

warum werden wir(4 unternehmer,davon einer sehr gross,2 mittel und einer klein)zensuriert,wenn wir unserer empörung luft machen???es gibt auch andere wege-wir brauchen dieses "PRESSEPOSTINGVENTIL"nicht unbedingt.was wir allerdings brauchen,sind annehmbare konditionen für epus in österreich!und die werden wir nun einklagen müssen-mit viel aussicht auf erfolg,wie uns unser staranwalt prophezeihte,der gegen die SVA ein exempel statuieren wird.LEITLN,die zeiten haben sich geändert,ihr habt`s es nur no net begriffen:)))

Gast: die axt gegen leitl
01.10.2012 23:04
3 0

sind 280 000 empörte kleinunternehmer noch nicht genug,

herr dr leitl???sie müssen sich schon sehr sicher fühlen,wenn sie eine so ansehnliche gruppe von staatsbürgern permanent derartig brüskieren.sie sollten in sich gehen und sich vorsehen,das fass ist am überlaufen...

Gast: Herr Josef Karl
01.10.2012 22:51
0 1

PSYCHISCH Kranke Patienten die jetzt schon keine Behandlung kriegen bzw. 80% aus der eigenen Tasche für eine psycische Behandlung bezahlen müssen" ......

hochfrequente und tiefgreifende Behandlungen wie die Psychoanalyse werden zb. von der Wgkk gar nicht mehr bezahlt..... es ist für Patienten schrecklich, wenn die Kassen von der PSYCHE des Menschen nichts mehr wirklich verstehen, weil alles in Symptomen und Diagnosen eingeteilt werden muss. Die Zersplitterung lässt kein wirkliches Verständnis von der Psyche mehr zu.....
Die PSYCHe wird als Stiefkind in der ganzen Medizin und so auch bei den Kassen behandelt... da steigen die psychischen ERkrankungen ums X fache und man will sie mit Arbeitsmedizinern die ja die Medizin aber nicht die Psyche studiert haben abdecken......
Die Psyche wird in seiner Komplexittät und Vielschichtigkeit nicht verstanden!!! Die Zusammenlegung von Kassen könnte noch mehr dazu verleiten, vieles zu vereinfachen, was die WGKK ohnehin aufgrund des Ökonomieprinzips macht !!!!

Gast: der bua
01.10.2012 22:23
3 0

das ist ja der reinste hohn

leitl und seine schergen verschei$$ern uns wieder mal zum quadrat!welches kleinunternehmen existiert denn dann überhaupt noch???

Schon mal nachgedacht?

Wiviele "Kleinunternehmen m. 5 Angestellten" nach 8 Wochen o. "Chef" noch existieren?

4 0

wer in oesterrech kleinunternehmer ist

dem ist ja eh nicht mehr zu helfen, der bracht ein mentaltraining...

mfg

0 0

na da geht doch was weiter,...

leider sind nicht alle so vernünftig, wie die hier agierenden.

was mir in der aufstellung der leistungen fehlt

ist die summe meiner eingezalten beiträge (ca 10 x so hoch wie die summe aller bezogenen leistungen).

 
12

Hobbyökonom