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Österreicher "schummeln bei der Umsatzsteuer enorm"

03.10.2012 | 12:08 |   (DiePresse.com)

Dem Staat entgehen durch Scheinrechnungen und dubiose Import-Export-Geschäfte fast zehn Prozent der geplanten Umsatzsteuereinnahmen, sagt Professor Schneider.

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Durch dubiose Export-Import-Geschäfte, Scheinrechnungen, das nicht Offenlegen von Umsätzen und Vorsteuerausfälle infolge von Insolvenzen entgehen dem österreichischen Staat zusehends mehr Einnahmen. Heuer fehlen dadurch im Budget voraussichtlich 2,3 Milliarden Euro, errechnete der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider. Dies sei ein Zuwachs von rund mehr Prozent gegenüber 2011 und entspräche immerhin fast zehn Prozent der Umsatzsteuereinnahmen, die das Finanzministerium für 2012 veranschlagt hat (24,1 Milliarden Euro). "Da wird enorm geschummelt", sagte Schneider.

Das Finanzministerium steht den Ergebnissen und Methoden von Schneider kritisch gegenüber. Einige Ergebnisse würden sich auch mit dessen eigener Studie, wonach die Schattenwirtschaft seit drei Jahren sinke, widersprechen, sagte Sektionschef Wolfgang Nolz, im Ministerium für Steuerangelegenheiten zuständig, am Mittwoch. "Schneiders Methode ist wackelig", so Nolz. Er vermutet Rechenfehler.

So dürfte Schneider den Effekt für die 2008 erfolgte Halbierung des Mehrwertsteuersatz für Medikament von 20 auf 10 Prozent nicht herausgerechnet haben, meint Nolz. "Die Methode kann daher insgesamt nicht stimmen", so der Sektionschef.

Nach den Zahlen von Schneider nahm schon in den Jahren vor 2011 der Umsatzsteuerbetrug der Österreicher deutlich zu. Seit 2001 hat sich das am Staatsbudget vorbeigeschleuste Volumen von 1,12 auf 2,27 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. So soll allein im Jahr 2009 die Steigerungsrate beim Umsatzsteuerbetrug zwölf Prozent betragen haben.

"Betrügerische Karusellgesellschaften"

Vor über zehn Jahren hatte sich der Umsatzsteuerbetrug noch auf 3,44 Prozent der gesamten Produktions- und Importabgaben belaufen, heuer sind es laut Schneider immerhin fast fünf Prozent.

Das Gros des Mehrwertsteuerbetrugs entsteht dem Wirtschaftsprofessor zufolge mit betrügerischen Karussellgeschäften, also im Zuge von Export-Import-Geschäften, wo Güter und Dienstleistungen nur vermeintlich exportiert werden, die Mehrwertsteuer rückvergütet wird, aber dann wieder zurück nach Österreich "importiert" wird.

EU-weit zweitgrößter Posten

Die Deutschen stehen den Österreichern in Sachen Mehrwertsteuerbetrug in nichts nach - die Tendenz ist auch bei den Nachbarn steigend. Heuer erreicht das hinterzogene Volumen in dem bevölkerungsmäßig rund zehnmal so großen Land Schneiders ersten Hochrechnungen zufolge 23,8 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es noch 22,6 Mrd. Euro und 2010 rund 21,5 Mrd. Euro.

In der EU ist der Mehrwertsteuerbetrug mittlerweile der zweitgrößte Posten an Steuerhinterziehung - gleich hinter der klassischen Steuerhinterziehung. "Sicherlich sind in der EU einheitlichere Verrechnungssysteme und einheitlichere Systeme der Steuerbetrugsbekämpfung notwendig, damit das 'Durchreichen' der Mehrwertsteuer entfällt und sie nur beim Endverbraucher einzuheben ist", schlägt Schneider als Gegenmittel vor. Damit würde auch der Betrug der Steuerrückvergütung entfallen.

Staatliche Maßnahmen fehlen

In Österreich vermisst Schneider engagierte Politikmaßnahmen gegen die gängige Praxis des Mehrwert- bzw. Umsatzsteuerbetrugs. "Da könnte man mehr Druck machen." Derzeit würden exportfreudige Länder wie Österreich und Deutschland bestraft. Die vielen falschen Steuerrückvergütungsdeklarationen belasten den Staatshaushalt.

(APA)

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29 Kommentare
 
12
Gast: Klaus
06.10.2012 09:29
0 0

netto/netto auch im Inland

wie wäre es wenn man B2B auch im Inland netto/netto mit UID Nummer abrechnen könnte? So ist es für die Liquidität besser wenn man im benachbarten Ausland einkauft ...

Gast: total crash
04.10.2012 11:17
0 0

Ganz einfach,

in der gesamten EU für alle ,Produkterzeugung,Dienstleistungen,Handel,Endverbraucher und sonstige Besteuerung einheitliche Flat Tax einführen,einheben/verrechnen vor Ort und schoh brauch ma kah hin und her von unterschiedlichen Steuersätzen.

Einheitliches EU Finanzamt dazu und alles wäre paletti,aber da könnten ja die politisch bevorzugten Freunderl und Habaracliquen an ihre bevorzugten Unschuldsvermuteten Polithabara keinen Anerkennungs-Bonus zukommen lassen.

Und deshalb wird`s nix,mit dem EUVorsteuerWirrWarrHinUndHerVerschiebungsBetrugsUndBereicherungsVerhinderungMasnahmenGesetz;o(

Gast: lukas2
03.10.2012 18:54
2 0

Warum

da die Finanz nicht hart durchgreift ist mir ein Rätsel, ansonst sind die bei Otto Normalverbraucher auch nicht zimperlich.

Gast: Notständer
03.10.2012 16:33
6 0

Ist man einer Regentschaft noch tributpflichtig

Die seit ca. 5 Jahren alles an Regeln und Gesetzen gebrochen hat, die einmal gültig war? Ist man einem Staat noch tributpflichtig, dessen Verfassung umgangen wurde, dessen Steuerhoheit durch eine Fremdmacht (ESM) abgeschafft, dessen gesetzgebende Organe durch eine Komission ersetzt wurden? Oder ist dies nur noch Schutzgeld, um nicht von den Bütteln dieser kriminellen Organisation gequält zu werden?

Gast: netzwerker5
03.10.2012 16:23
0 0

nicht nur-sondern auch

Nachdem bekanntlich Kleinvieh auch Mist macht-sollte man auch diese Art von Kleinkriminalität bekämpfen. Möglichst wenig in den Topf der Allgemeinheit einzahlen, möglichst viel herausholen - die allseits bekannte Devise.
An den seit Jahren unveränderten Reaktionen zu diesem Thema läßt sich erkennen, wie recht u.a. Professor Schneider oder zB Transparenzforderer Fiedler haben. Nur- in diesem österreichischen Filz - von oben bis unten - wird sich nicht so schnell etwas ändern lassen.

Gast: Barrorscho
03.10.2012 16:20
8 0

Wie können sie nur, diese bösen Österreicher?!

Sonst hätte der Staat 10 % mehr Einnahmen, damit er dann gleich 30 % mehr zum Fenster hinaus schmeißen kann. Wer gibt einem Staat denn noch freiwillig Geld, der bis über die Ohren vollkommen verschuldet ist, und dem zur Schuldentilgung nichts anderes einfällt, als noch mehr Schulden zu machen?

Gast: Fprester
03.10.2012 16:09
0 0

Vergleich mit Schwargeld in der Schweiz!

Schon eigenartig. Da erwartet Fekter vom Steuerabkommen mit der Schweiz eine runde Milliarde Euro (einmalig) und verzichtet auf 2.3 Mrd. pro Jahr aus dem Inland. Offenbar gibt es noch viel umfangreichere Steuerhinterziehung als bei Schwarzgeld in der Schweiz. Hat nur einen Nachteil: man kann die Schweiz dafür nicht verantwortlich machen. Also hat diese Form Steuerhinterziehung keine (mediale) Bedeutung.

Antworten Gast: mmmd
03.10.2012 17:53
0 0

Re: Vergleich mit Schwargeld in der Schweiz!

nein, es handelt sich bei einer mehrzahl ser genannten "österreicher" offenbar um die klientel der ministerin

6 0

Vollstes Verständnis dafür,

diesem diebischen Moloch wo nur möglich zu entkommen.

0 2

Re: Vollstes Verständnis dafür,

Na ja, Umsatzsteuer ist eine Steuer, die man ja einhebt um sie dann abzuliefern. Das hat man nicht selbst verdient. Das ist also nach jedem Gesichtspunkt Betrug.

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Re: Re: Vollstes Verständnis dafür,

Aus dieser Sicht wäre es aber nur Betrug, wenn die Steuer eingehoben aber nicht abgeliefert wird - das ist eindeutige Bereicherung und wie sie sagen Betrug. Meistens wird aber Brutto für Netto verrechnet.

Und ich glaube das wird toleriert, weil ohne Schwarzarbeit wahrscheinlich 30% der österreichischen Eigenheimbesitzer keine Eigenheimbesitzer wären.

1 0

Re: Re: Re: Vollstes Verständnis dafür,

In diesem Fall geht es aber um falsche Angaben und nicht um Schwarzarbeit, wenn ich das richtig verstanden habe. Bei Schwarzarbeit wird ja nicht bei der Umsatzsteuer geschummelt, sondern da wird von vornherein keine eingenommen. Das ist damit nicht gemeint.

So wie beispielsweise einmal ein Münzhändler im großen Stil sich für Münzen, die es nicht gab, die Vorsteuer abgezogen hat.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: G 2025
04.10.2012 10:22
0 0

Re: Re: Re: Re: Vollstes Verständnis dafür,

Ging es da um Goldmünzen? Ich glaube man erkannte die Malversation in der Österr. Nationalbank daran, weil die exportierten Mengen höher waren als sich Goldmünzen im Umlauf befanden. Die exportierten Goldmünzen kamen dann wieder zurück nach Österreich und das Spielchen ging von vorne los. Oder irre ich mich da?

immer wieder

immer wieder der hr. Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider...

was der nicht alles daherredet, wenn der tag lang ist.

Die wahren Verbrecher....

...sind eigentlich jene, die einem alles mehrere Male in Form von besonders originellen Steuern in astronomischen Höhen wegnehmen.
Würden die Steuern niedriger sein und wäre der Umgang mit diesen Geldern seitens des Staats besser geregelt, d.h. würden diese Gelder sinnvoller eingesetzt werden, wären sicher mehr Menschen bereit, ihre Steuern ehrlich abzuführen.


5 0

Re: Die wahren Verbrecher....

Richtig!!

Und ehrlich gesagt wo geht denn das "eingesparte" Geld hin?
Eh wieder in die Wirtschaft, und da verdient der Staat ja sowieso wieder dran.

Geld geht in die Wirtschaft?

Das bezweifle ich! Ich gehe davon aus, dass es mit den "Gewinnen" steuerschonend abgeschöpft wird. Stidtungen und Geldkoffer wurden ja nicht umsonst erfunden und dafür sollte Österreich ein weltweites Patent anmelden.

Gast: gast1984
03.10.2012 15:11
3 1

Und? Kommt eh alles dem Volk zugute!


Antworten Gast: Barrorscho
03.10.2012 16:22
4 0

Re: Und? Kommt eh alles dem Volk zugute!

Ja, dem griechischen und dem spanischen Volk!

Antworten Antworten Gast: gast1984
03.10.2012 18:41
0 0

Re: Re: Und? Kommt eh alles dem Volk zugute!

Nur wenn man die Märchensteuer zahlt! Wenn nicht, bekommen diese keinen Cent davon!

Österreicher

Was soll diese Überschrift, sehr geehrte "DiePresse"!
Von welcher Branche schreiben Sie!
Ich bin froh, als ehemaliger, langjähriger, leidenschaftlicher Abonnent, gekündigt zu haben.

8 0

betrügerische Karussellgeschäfte:

ESM?

Gast: fdfdfdffd
03.10.2012 13:37
0 0

ÖSTERREICH HAT IN EU REVERSE CHARGE VORGESCHLAGEN

...womit diese Fälle (die ich nicht annähernd für so groß aber immerhin beträchtlich und echter betrug halte) unmöglich wären. Wegen des Umstellungsaufwandes war keine Mehrheit zu erreichen
(MWSt-Details sind reines EU-Thema und nur durch Richtlinienänderungen zu regeln)

Steuerberater

Staatliche Maßnahmen gibt es sehr wohl

Allerdings total schwachsinnige. So muss z.B. bei Selbstabholung durch einen Kunden aus dem EU Ausland der Fahrer des Abholers im Voraus bestimmt werden, einen schriftlichen Auftrag des Kunden vorweisen, der Ausweis kopiert und archiviert werden, und ggfs kontrolliert werden. Dazu noch der übliche Papierkrieg mit dreimal gegengezeichneten Lieferscheinen. So erreicht man nur, daß der Mittelstand geärgert wird und ihm Kosten aufgebürdet werden.

Die Österreicher?!

Doch wohl jene davon, welche sich im Geschäftsleben tummeln - und das ist eine Minderheit gegenüber jenen, die nicht einmal ansatzweise die Chance haben bei der Umsatzsteuer auch nur irgendwie einen Trampelpfad vorbei zu finden.

Re: Die Österreicher?!

Hahaha. Der Witz war gut. Ich bin mir sicher, dass es nicht viele Österreicher gibt (von Kindern abgesehen) die noch nie in ihrem Leben eine Rechnung "steuerschonend" bezahlt haben.
Und wenn man dann noch diejenigen dazunimmt, die illegal Musik, Videos, Software usw. aus dem Internet runterladen dann würde es bei strenger Auslegung der Gesetze verdammt eng in den österreichischen Gefängnissen werden. ;-) Dann würden nicht mehr allzuviele Österreicher frei rumlaufen. ;-)

 
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Hobbyökonom