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Kursmanipulation: Erste Anklagen im Telekom-Sumpf

03.10.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Ein Teil der vielen Skandale um die Telekom Austria ist abgearbeitet: Drei Ex-Vorstände werden wegen Untreue angeklagt. Gegen 40 Personen wird noch ermittelt.

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Wien/Red. Die drei Herren waren vorgewarnt: Vor einer Woche berichtete die „Presse“ exklusiv von der bevorstehenden Anklage, gestern wurde sie offiziell. Die früheren Telekom-Vorstände Heinz Sundt, Rudolf Fischer und Stefano Colombo müssen sich wegen des Verdachts der Untreue bzw. wegen Beteiligung an der Untreue vor einem Strafrichter verantworten.

Angeklagt werden auch der Broker Johann Wanovits und ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter der Telekom Austria AG, wie die Staatsanwaltschaft Wien mitteilte. Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Noch ist die Anklageschrift nicht rechtskräftig, die Betroffenen haben 14 Tage Zeit, Einspruch dagegen zu erheben.

Gegenstand der Anklage ist die mutmaßliche Kursmanipulation im Jahr 2004, die zu Provisionszahlungen an 100 Telekom-Manager in Höhe von insgesamt neun Millionen Euro geführt hat.

Die Ermittlungen gegen einen weiteren Verdächtigen, den ehemaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Boris Nemsic, haben keine stichhaltigen Beweise geliefert. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Auch einer zentralen Figur der Affäre bleibt eine Anklage vorerst erspart: dem ehemaligen Telekom-Controllor Gernot Schieszler, der der Justiz bereitwillig und detailliert über die Hintergründe berichtete, weil er den Status eines Kronzeugen anstrebt.

Weitere 40 Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft betonte am Mittwoch, dass in der Causa Telekom in „verschiedenen Ermittlungssträngen“ wegen seltsamer Zahlungen an Parteien, Berater und Lobbyisten gegen etwa 40 Personen ermittelt wird.

Die jetzt angeklagte Affäre geht auf das Jahr 2004 zurück. Damals soll Broker Wanovits im Auftrag von Sundt, Fischer und Colombo Aktien der Telekom Austria AG gekauft haben, um so den Aktienkurs nach oben zu treiben. In das Gespräch, bei dem dies angeblich vereinbart wurde, war Nemsic dem Vernehmen nach nicht involviert. Das dürfte ihm eine Anklage erspart haben.

Eine Vereinbarung bei der Telekom besagte, dass Boni fällig werden, wenn der Aktienkurs am 26. Februar 2004 über 11,70 Euro liegt. Tatsächlich kletterte der Kurs an diesem Tag knapp vor Börseschluss auf 11,73 Euro. Zu verdanken war der Höhenflug einer Order von Wanovits. Er erklärte gestern in einer Aussendung seines Anwalts, dass jemand anderer den Kurs der Aktie nach unten manipuliert habe. Er selbst habe durch den Ankauf von Aktien den Kurs nur „auf das natürliche Niveau gehoben“.

Die angeklagten Vorstände haben jedenfalls stark profitiert. Sundt allein erhielt 196.359,74 Euro netto. Die Finanzmarktaufsicht prüfte die Vorgänge und kam zum Schluss, dass es „eindeutig Kursmanipulation“ gewesen sei. Das Problem: Nach dem damals geltenden Börsegesetz war das nicht verboten.

Wanovits soll als Gegenleistung für die Manipulation von der Telekom Austria mehr als 1,5 Millionen Euro erhalten haben, die zwischen 2004 und 2008 teilweise durch Bargeldzahlungen, teilweise über Scheingeschäfte transferiert worden sein sollen. Das Übergeben des Honorars an den Broker wird als Untreue bzw. Beteiligung an Untreue gesehen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Telekom schließt sich dem Verfahren als Privatbeteiligter an, man wolle Schadenersatz, erklärte ein Sprecher. Ob die Angeklagten ihre Boni zurückbezahlt haben, wollte er nicht sagen. Auch nicht, mit wie vielen der Manager man eine Rückzahlung vereinbart hat. Es gebe „verschiedene Lösungen“, man habe mit allen 100 Beteiligten (etwa 30 sind noch im Unternehmen) Gespräche geführt.

(c) Die Presse / HR

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2012)

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38 Kommentare
 
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Man müsste auch den plötzlichen Kurssturz am 26. Februar 2004 untersuchen!

Wochenlang vor dem Stichtag am 26. 2. 2004 war der Kurs der Telekom-Aktie über der Marke von 11,70 Euro. An diesem Tag ist er dann plötzlich auf ungewöhnliche 11.62 Euro gefallen! Da wollte doch irgendjemand die Telekom-Manager um ihre Boni bringen! Dass sie dann ihrerseits den Kurs manipuliert und wieder über 11.70 gebracht haben, ist zwar verboten aber verständlich.
Da müsste das Gericht auch untersuchen, wer diesen plötzlichen Kurssturz herbeigeführt hat und dies auch bei der Bemessung der Strafe berücksichtigen!

0 0

Re: Man müsste auch den plötzlichen Kurssturz am 26. Februar 2004 untersuchen!

Eine Kursänderung von 11,70 auf 11,62 als "Kurssturz" zu bezeichnen ist schon sehr kühn! Aber vermutlich soll das die Verteidungsstrategie sein ;-)

Re: Re: Man müsste auch den plötzlichen Kurssturz am 26. Februar 2004 untersuchen!

Wie hätten Sie eine Kursänderung auf einen Wert, der niedriger als die Kurse der letzten 15 Tage war, genannt? Ist das kein Kurssturz?

bitte bitte

bitte nicht auf den tausendsassa und mitwisser boris nemsic vergessen, der war ja damals auch oben, und als nachfolgender vorstandschef wird er doch ein bissi bissi was gewußt haben, oder?

Gast: baenkster
04.10.2012 08:43
2 0

nach unten treten und oben

den hals nicht vollbekommen, mejne lieben herren im nadelstreif!

ich hoffe sie haben schon schlaflose naechte nach urteilen (5,5 jahre unbedingt) in kaernten.

Unten entlassen sie schwaechsten arbeiten und oben betruegen und veuntreuen sie millionenbetraege.

Ich hoffe auf 5 jahre aufwaerts, und da unbedingt!

2 1

Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus, schon gar nicht die fein gezwirnten ...


Das sind doch alles Alibiprozesse um die Volksseele zu beruhigen.

Was nie vergessen werden darf: Die Herrschaften bedienen sich - wenn auch auf Umwegen - an Steuergeldern, oder durch Manipulation am Geld der anderen.

Ja, und für alle gilt auch noch die Unschuldsvermutung, was eigentlich e schon alles sagt.




Die Konradconnection dürfte Nemesic eine Anklage erspart haben

und das ist ein weiterer Skandal unserer politisch dominierten Justitz

1 1

9 Millionen?

Pahhhh alles unter einer Mrd lässt mich in diesen Zeiten kalt - Sind ja nur Millionen......

Gast: Graf Pollo
03.10.2012 22:21
3 1

Auch jetzt seltsame Kursentwicklung

Nachdem Carlos Slim einen Teil der Telekom erworben hat, wurde die Dividende fast gänzlich gekappt. Für einen Dividendentitel wie jene in der Telekom-Branche ist das der Todesstoß. -
Aber ich bin sicher, daß Slim als "Retter in der Not" den Rest der Telekom Austria zum Schleuderpreis einsacken wird!!! Wer im Aufsichtsrat hat da wohl zugestimmt? Und wurden auch Honorare gezahlt??

Kriminelle Qualifikationen

Sprach man früher von Gaunereien,
so sind es zwischenzeitlich schon "Verbrecherein".

Wurden bei der Telekom nur Führungskräfte mit entsprechenden Vorstrafen als notwendige "Zusatzqualifikation" aufgenommen.

Daher auch den Aufsichtsrat gerichtlich durchleuchten!

Gast: Kursbetrachter
03.10.2012 21:46
0 0

Andererseits ...

Wenn allerdings tatsächlich die Telekom Austria das Honorar für die Manipulation bezahlt hat, und die dafür notwendigen Unterschriften von eben dienselben Organen der Gesellschaft stammen, die Nutzniesser der Maniplation waren, dann ist das in der Tat schlimm ... völlig unabhängig von der Geschichte mit dem Aktienkurs.

Ist das nicht unverhältnismässig? da verdient einer an Prämie magere 200.000 und der Helfer kriegt stolze 1,5 Mio. ? Kurse manipulieren geht scheins doch a bissl ins Geld ...

Gast: Kursbetrachter
03.10.2012 20:38
1 0

schlechte Zielformulierung. aber Untreue ?

Die Eigentümer wollen vom Vorstand, dass er ihr Geld vermehrt, also der Kurs steigt. Daher soll der Vorstand eine Prämie kriegen, wenn er das schafft. Soweit so einfach und gut.

Blöd nur, dass das Ziel nicht erst am Freitag, sondern schon am Dienstag geschafft war. Und der Kurs dann danach viele Wochen lang weiter geklettert ist...

nur eben blöderweise gegen Freitag zu die magische Marke mit der Wurst immer noch grad über der Schnauze...

Dass da einer einen Schubs gegeben hat, kann ich verstehen. Wenn die Formulierung des Ziels nicht so saudumm gewesen wäre, sondern auf einen Zeitraum bezogen, dann hätten es die Vorstände ganz einfach "clean" erreicht. Ob es gelingen kann, daraus wirklich strafrechtlich relevante "Untreue" zu konstruieren, bin ich schon sehr gespannt.

Denn: das eigentliche Ziel: die Steigerung des Aktienkurses - das wurde ja erreicht.

Wie gesagt: leider ein paar Tage zu früh ... dumm gelaufen

Gast: Nepomuk
03.10.2012 19:57
6 0

Da wirds hohe Strafen geben


Diese Herren haben

1. sich selbst finanziellen Vorteil in Millionenhöhe verschafft

2. Untreue an der eigene Firma begangen

3. den Aktienhandel manipuliert

Die Strafen müssten also so hoch wie nach Gesetz möglich angesetzt werden.


Jetzt gibt es kein Entkommen mehr,

nur noch ein Verzögern des Verfahrens.

Die Indizien sind zu dicht, da hilft nur noch ein reumütiges Geständnis, wenn überhaupt.

Ja, Gier frisst Hirn.

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Re: Jetzt gibt es kein Entkommen mehr,

Ja, es ist eine Schweinerei. Wenn es allerdings damals legal war, verstehe ich nicht, was die Anklage überhaupt für einen Sinn haben soll. Es gelten schon die Gesetze zum Zeitpunkt der Tat und nicht jene, die irgendwann einmal kommen.

Re: Re: Jetzt gibt es kein Entkommen mehr,

Seit wann sind Aktienmanipulationen oder Betrug an der eigenen Firma legal?

Beim Broker könntens recht haben solange er nichts vom Zweck gewusst hat. Im jedem Fall sind aber die Scheingeschäfte nicht rechtens.


Re: Re: Jetzt gibt es kein Entkommen mehr,

Die Gier war zu groß, sonst hätten die ehrenwerten Herren den Broker aus der eigenen Tasche bezahlt. Er wäre, da die Kursmanipulation an sich nicht strafbar war, wohl auch mit weniger zufrieden gewesen.

Dann könnte man allen Telekom Herren strafrechtlich wohl nichts anhaben, allerdings wäre in diesem Fall eine fristlose Entlassung rechtens gewesen.

Also wieder ein schlechtes Geschäft. Ehrlich währt am längsten, sagte man in meiner Jugendzeit gerne, aber das ist heute ein fast unbekannter Satz.

Dass Kursmanipulationen damals legal waren, zeigt schon den Stellenwert der Börse für die seinerzeitigen Regierungen.

Der mir bekannte Tresuary Chef einer großen Bank sagte damals gerne: "In Österreich werden die Privatanleger an der Börse gelöffelt."

1 0

Re: Re: Jetzt gibt es kein Entkommen mehr,

Legal war damals nur die Aktienkursmanipulation.

Wenn man allerdings einen Broker mit Firmengeld bezahlt, damit man sich durch die Kursmanipulation Boni in Millionenhöhe erschleichen kann, dann ist das schlicht Veruntreuung von Firmengeld. Wegen dieses Delikts werden sie angeklagt, nicht wegen der Kursmanipulation.

Gast: Fairness
03.10.2012 17:44
1 1

Wir werden wie Sch.... behandelt - Reiche wie Könige

Was dauert das immer lange. Das Ausbeuten und Lohndumping muss immer sofort umgesetzt werden aber die hohen Herren Wirtschafts-Kriminellen werden mit Samt-Handschuhen angegriffen.

Am AMS - wo man nichts kann für den Jobabbau und das Mobbing bei der Telekom - wird man wie Dreck behandelt.
Das ist echt Sch....

Gast: Ehkloar
03.10.2012 17:32
0 0

Variable Zielvereinbarungen treiben das Verhalten

wenn man nicht nach Leistung sondern nach einem Börsenkurs, den es zu erreichen gilt, bezahlt wird, dann wird auch fast jeder alles unternehmen um diesen Gehaltsanteil zu bekommen. Ist doch in jeden Jobs bald so, obs nun ein Projekt ist oder Umsatzziel.

also sollten diejenigen die solche blödsinnigen Zielvereinbarungen erschaffen sich auch an der Nase nehmen.

PS: bin kein Telekom-Manager

Gast: kleiner Aktionär
03.10.2012 17:00
1 0

Interessante Kurswechsel gab es viele....

Es gab viele "interessante Kurswechsel" der Ex-Verstaatlichten.

Ich erinnere mich noch an die Böhler-Uddeholm Aktie, die binnen eines Tages von etwa 35 auf rund 68 Euro in die Höhe gefahren ist. Das war unmittelbar vor dem Bekanntwerden, dass CVC die BUAG einverleiben wollte....

Oder ....

Wie auch immer. Es gibt interessante Kurssprünge, die der kleine Aktionär nie verstehen wird.

Das ist die "Theorie der unsichtbaren Hand" würde der VWLer sagen. Aber so unsichtbar scheint die Hand nicht zu sein, wird sie doch von einem ganzen Netzwerk geführt.

11 0

Ab in

Häfn mit den Korruptionisten, und zwar ausnahmslos und sofort. Warum ist die Bande noch immer nicht in U-Haft? Schläft die Justiz wieder?

Antworten Gast: DER BÜRGER
03.10.2012 22:16
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Re: Ab in

Häfn.... RICHTIG!

HIER FEHLT NOCH:
Rückzahlung aller erhaltenen Boni usw.
Schadenersatzzahlungen an das Unternehmen

Kein Golfen mehr......
Keine Fussfessel für diese Herren
Keinen Job in leitender Position

Natürlich auch die Hintermänner und sämtliche Nehmer. Auch das Unternehmen muss sich nun von einigen Überlebenden trennen - FRISTLOS...


ganz normal

das machen die Banken sekündlich, minutlich, faktisch immer. Sie kaufen und verkaufen Aktien, um die Kurse zu beeinflussen und den Langsamen und normalen Dummen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Das nennt man schlicht Spielcasino, vulgo Börse.

Re: ganz normal

sie scheinen ja bankexperte zu sein?

Haben wir schon alle durch?

Jetzt fehlen nicht mehr viele Politiker und Staatsbetriebsmanager, die noch nicht der Korruption überführt wurden.

Der Rest kommt noch bis zu den Wahlen raus. Rein (ins Häfen) kommen wohl wenige...

 
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Hobbyökonom