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"Telekom-Vorstände missbrauchten Befugnis"

04.10.2012 | 17:12 |  von Manfred Seeh (Die Presse)

Die in der Aktien-Affäre angeklagten Ex-Telekom-Vorstände hatten – laut Staatsanwalt – den Vorsatz, „der Telekom Austria einen Vermögensnachteil (...) zuzufügen.“ Der mitangeklagte Broker geht indes in die Offensive.

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[WIEN] Wussten die früheren Telekom-Chefs Rudolf Fischer, Stefano Colombo und Heinz Sundt wirklich im Vorhinein von der im Februar 2004 erfolgten Manipulation des Kurses der Telekom-Aktie? Wussten sie von dem Manöver, das ihnen selbst und 92 weiteren leitenden Mitarbeitern willkommene Zusatzzahlungen einbrachten - insgesamt zirka neun Millionen Euro, basierend auf dem Aktien-Optionsprogramm? Sie wussten es. Mehr noch: Sie hatten eben dieses Manöver gemeinsam eingefädelt. Zu diesem Ergebnis kommt die nun fertig gestellte, der „Presse" vorliegende Anklageschrift.

Staatsanwalt Hannes Wandl schreibt unter dem Kapitel „Subjektive Tatseite": „Als Ing. Mag. Rudolf Fischer, Dr. Stefano Colombo und Heinz Sundt (letzterer indirekt über die anderen beiden Vorstände) gegenüber Mag. Gernot Schieszler (der nunmehrige potenzielle Kronzeuge, Anm.) die Zustimmung zur Beauftragung der Euro Invest Bank mit dem Ankauf von Aktien der Telekom Austria erteilten, wussten sie, dass sie ihre Befugnis, als Vorstände der Telekom Austria über deren Vermögen zu verfügen, damit missbrauchten." Weiter: „Ebenso hatten sie den Vorsatz, der Telekom Austria einen Vermögensnachteil durch zu zahlende Prämien an Mitarbeiter im Umfang von 8.870.114,73 Euro zuzufügen."

Zur Erklärung: Der Börsenmakler und Bankier Johann Wanovits von der Euro Invest Bank AG hatte, wie er angibt, „auf eigenes Risiko", aber (laut Anklage) nach Absprache mit der Telekom Austria (TA), zum entscheidenden Stichtag 864.381 TA-Aktien gekauft und damit den Kurs so weit nach oben steigen lassen, dass die Ausschüttung der Zusatzzahlungen schlagend wurde.
Zur Frage, inwieweit der TA-Vorstand (Sundt war damals Vorstandsvorsitzender) eingebunden war, geht Staatsanwalt Wandl auch auf die Angaben der Betroffenen ein: „Entgegen der tatsachengeständigen Verantwortung von Ing. Mag. Rudolf Fischer bestreiten Heinz Sundt und Dr. Stefano Colombo eine Involvierung in das Geschäft mit Mag. Johann Wanovits, widersprechen sich jedoch wesentlich in maßgeblichen Details."

Freilich gilt für sämtliche Genannten die Unschuldsvermutung, Sundt hatte zuletzt via Anwalt wissen lassen, die Vorwürfe seien völlig haltlos. Die Anklage wegen Untreue, Strafdrohung bis zu zehn Jahre Gefängnis, ist auch noch nicht rechtskräftig. Als Untreue-Schaden wird nun nicht nur die Auszahlung an die Mitarbeiter, sondern auch jene Belohnung eingestuft, die Wanovits kassieren sollte. Ihm sei eine Zahlung von 1.760.000 Euro zugekommen.

Angeklagter Broker bringt Anzeige ein

Wanovits selbst, vertreten durch Anwalt Rainer Rienmüller, stellt dies allerdings anders dar: Ja, er habe für die von ihm erbrachte „Leistung" Geld erhalten. Und zwar in den Jahren 2004 und 2005 in drei Tranchen - insgesamt 600.000 Euro. In bar, auf offener Straße oder in einem Auto. Dass er unter diesen Umständen bares Geld von der TA angenommen habe, bereue er, lässt Wanovits ausrichten. Den Vorwurf, er habe weitere Zahlungen der TA über die Firma Valora des Lobbyisten Peter Hochegger für Scheinstudien kassiert, lässt Wanovits nicht auf sich sitzen. Er habe tatsächlich Studien, etwa über erneuerbare Energie, ausgearbeitet, insgesamt habe er damit noch zusätzlich 375.000 Euro verdient.

Unter dem Eindruck der nun fertigen Anklage (außer den TA-Vorständen und Wanovits ist auch der frühere TA-Mitarbeiter Josef T. als Bote und Vermittler mitangeklagt) geht Wanovits nun in die Gegenoffensive. Er hat bereits eine Sachverhaltsdarstellung gegen unbekannte Täter bei der Anklagebehörde eingebracht. Darin zeigt er auf, dass der Kurs der Telekom-Aktie damals zunächst auffällige Sprünge nach unten machte. Und spricht vom „Verdacht auf manipulative Tätigkeiten", denen er mit seinen Aktienkäufen entgegen wirken habe wollen.

Aus der (ebenfalls der „Presse" vorliegenden Sachverhaltsdarstellung): „An einer Manipulation des Kurses nach unten (unter € 11,70) kann für Merrill Lynch, sowie weitere Banken, an welche das Risiko aus dem Optionsvertrag weiter gereicht wurde, Interesse bestanden haben." Inwieweit die Staatsanwaltschaft der Anzeige nachgeht, bleibt abzuwarten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)

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8 Kommentare
Gast: Jens Huber
05.10.2012 11:26
0 1

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken...

der Kopf waren damals Schüssel mit so vertrauenswürdigen Persönlichkeiten wie Grasser und Strasser. Da musste man sich ja geradezu aufgefordert fühlen, derartige Handlungen zu unternehmen.

Missbrauchen Befugnise

eine politische Umschreibung von Betrug und Parteifinanzierung der besondern Art.

Gast: Kantiger Bürger
05.10.2012 09:44
0 0

Ethik Regel 354

bitte aufnehemen.

Du sollst Deine Befugisse nicht mißbrauchen.

Gast: Das Ekel Alfred
05.10.2012 08:47
2 0

Was ist eigentlich mit dem Teflon-Mann Boris Nemšić?


Kaum kamen die Affären hoch, hat Boris Nemšić von nichts gewußt, aber die kassierten Millionen sofort zurückbezahlt.

Teflon-Know-How made in Bosnien.

Re: Was ist eigentlich mit dem Teflon-Mann Boris Nemšić?

das fragen sich auch viele ehemalige und jetzige bedienstete der telekom sicher auch.

Gast: Schwarzer Panther
05.10.2012 03:32
1 0

Politiker und Banker. Der eine macht die Gesetze (für Banken). Der andere erzeugt das Geld aus Luft.

- die ÖVP hat dabei das beste Verhältnis zu Bankern.

Die Raiffeisen wäre ohne Politikbeziehungen nie so groß geworden.
Wie viel Staatsschulden gehen wollen auf das Giebelkreuz?

finanzwirtschaft vs realwirtschaft

bissi kaufen bissi verkaufen. die oberen kassieren ab, die unteren werden wegrationalisiert.

Re: finanzwirtschaft vs realwirtschaft

Und die Unteren die wegrationalisiert werden dürfen das auch noch mit ihren Steuern
finanzieren wenn wieder mal eine Bank wegen sowas kracht.

Hobbyökonom