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Eine Apotheke besiegt die Kammer

05.10.2012 | 18:26 |  von Christian Höller (Die Presse)

Im Streit um den langen Samstag hat sich eine Apotheke gegen die Behörden und die Kammer durchgesetzt. In der Wiener Innenstadt kann man nun wieder jeden Samstag bis 18 Uhr Medikamente kaufen.

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Wien. Es war ein Kampf wie David gegen Goliath. Eine Apotheke in der Wiener Innenstadt probte den Aufstand gegen die Apothekerkammer und die Behörden. Bei der Auseinandersetzung geht es um den langen Samstag für Pharmazeuten. Die Kammer pocht darauf, dass am Samstag um 12 Uhr die Rollbalken heruntergelassen werden müssen, egal ob es den Kunden gefällt oder nicht. Nur Pharmazeuten, die gerade Bereitschaft haben, dürfen nach Ansicht der Kammer auch außerhalb der vorgegebenen Öffnungszeiten Medikamente verkaufen.

Die Apotheke am Wiener Graben wollte diese Restriktionen nicht hinnehmen. Zehn Jahre lang – von 2001 bis 2011 – sperrte sie am Samstagnachmittag auf, ohne dass sich jemand darum kümmerte. Das Argument der Kammer, dass es für längere Öffnungszeiten keinen Bedarf gebe, wurde klar widerlegt. Pro Samstagnachmittag zählte man durchschnittlich 400 Kunden. Schließlich kamen auch andere Pharmazeuten in Einkaufsstraßen und Shoppingzentren auf den Geschmack und sperrten am Samstag auf.

 

Disziplinarverfahren der Kammer

Doch die Kammer ging rigoros gegen Rebellen vor. Gegen den Apotheker Uwe Schehl von der „Apotheke zur Kaiserkrone“ in der Mariahilfer Straße wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Noch schlimmer traf es die Apotheke am Wiener Graben. Die Magistratsabteilung 40 (MA 40), zuständig für Sozial- und Gesundheitsrecht, entzog ihr im Oktober 2011 die Konzession. In dem Schreiben war von einer groben Rechtsverletzung die Rede.

Durch die Maßnahme war die Apotheke in ihrer Existenz gefährdet. „Wir ließen uns nicht einschüchtern, sondern setzten uns zur Wehr“, sagt Anwalt Peter Krüger, der die Apotheke am Graben vertritt. Seit dem gestrigen Freitag kann er aufatmen. Der Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) hob die Entscheidung der MA 40 über den Entzug der Konzession auf. „Meine Mandanten haben ein Jahr lang gezittert. Nun ist die Apotheke gerettet“, betont Krüger.

 

Heute bis 18 Uhr geöffnet

In der Wiener Innenstadt kann man nun wieder jeden Samstag bis 18 Uhr Medikamente kaufen. Gleich heute soll damit begonnen werden. Bereits in der Vorwoche erkämpfte die Apotheke am Graben beim Unabhängigen Verwaltungssenat einen positiven Bescheid zu den Öffnungszeiten. Bei diesem Verfahren ging es um die Betriebsverordnung, wonach alle 315 Wiener Apotheken von Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 12 Uhr und von 14 Uhr bis 18 Uhr und Samstag von 8 Uhr bis 12 Uhr offenhalten sollen. Der Verwaltungssenat stellte fest, dass die Konzessionsinhaber innerhalb dieser Zeiten zwingend aufsperren müssen.

„Von einem Verbot, zu anderen Zeiten offenzuhalten, ist nirgends die Rede“, sagt Anwalt Krüger. Damit sei für ihn klargestellt, dass alle Pharmazeuten, die am Samstagnachmittag arbeiten wollen, dies auch dürfen.

 

Die Kammer lenkt nicht ein

Doch die Österreichische Apothekerkammer schaltet auf stur. Sie behauptet, dass die Apotheke am Graben den UVS-Entscheid falsch interpretieren würde. „Für uns hat sich nichts geändert. Die Wiener Öffnungszeiten bleiben gleich“, sagte ein Vertreter der Kammer am Freitag. Außerhalb der festgelegten Zeiten würden die Wiener „nach einem ausgeklügelten, flächendeckenden Turnussystem betreut, um das uns jede Großstadt beneidet“. Bei der für Sanktionen zuständigen MA 40 heißt es, man prüfe gerade den Bescheid des Verwaltungssenats. Solange diese Prüfung andauert, werden die Beamten nicht gegen die Apotheke am Graben vorgehen.

In der Branche sorgt der Konflikt in Wien für Verwunderung. Denn in Städten und Tourismuszentren anderer Bundesländer, etwa in Graz, Salzburg und Linz, dürfen Apotheken zum Teil schon jetzt am Samstag bis 18 Uhr offenhalten. Hier einigen sich die städtischen Behörden und die Kammer schnell und unbürokratisch.

In Wien müssen sich Konsumenten jedoch gedulden. Man mache sich über die Öffnungszeiten Gedanken, sagt Andrea Vlasek, Präsidentin der Wiener Apothekerkammer. Doch eine Änderung des bestehenden Systems sei frühstens 2014 umsetzbar.

Auf einen Blick

Seit Jahren wird um längere Öffnungszeiten für Apotheken gestritten. In Wien möchten Pharmazeuten auch am Samstag bis 18 Uhr aufsperren, doch die Kammer legt sich dagegen quer. Nun hat sich eine kleine Apotheke in der Wiener Innenstadt beim Unabhängigen Verwaltungssenat durchgesetzt. Von dem Bescheid sollen alle Apotheken profitieren, die länger offenhalten wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)

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62 Kommentare
 
1 2
Gast: adde
06.10.2012 08:20
0 15

Existenzgefährdung??

Diese Apotheke war in keiner Weise, auch nicht durch die Schliessung am Samstag Nachmittag (alle Apotheken in Wien müssen am Samstag um 12 Uhr sperren - Verordnung des Magistrates) in ihrer Existenz gefährdet!! Im Gegenteil, denn laut Aussagen des Betreibers war der Samstag Nachmittag ein Verlustgeschäft - man kann daher sagen, dass man ihn durch die Verpflichtung, so wie die anderen zu schliessen, vor Verlusten bewahren konnte!

Antworten Gast: TT1
06.10.2012 09:48
3 0

Re: Existenzgefährdung??

Entzug der Konzession durch die Kammer. Steht im Artikel.

Gast: die saure Pille
06.10.2012 08:16
12 0

so ein Schwachsinn ...

und das im 20 Jahrhundert.
Da herrschen ja Verhältnisse wie im Mittelalter !

Antworten Gast: Thunder19
06.10.2012 13:45
3 0

Re: so ein Schwachsinn ...

Und ich dachte, ich befände mich im 21. Jahrhundert ;-)

22 0

Die Kammern unterscheiden sich von Wanzen dadurch, dass ...


letztere nicht in der Verfassung verankert sind und besser riechen.

Gast: GrafGudenus, Paris
06.10.2012 03:47
5 0

Dictatur der Kammer(n)


Gast: kurzUm
06.10.2012 00:55
5 0

"die Kammern bringen die eigenen Kinder um"

. . . wo gibt's denn noch Händler und Gewerbetreibende? Im Shopping Centre das sind doch keine Fachleute, nur Regalbetreuer.
Kein Wunder, dass die Anarchie des Internets noch alles umbringt.

20 0

Bravo

und weiter so - nieder mit den ZWANGS-Verordnern.

9 0

Re: Bravo

du bist in Österreich! ein soziokommunistisches land! ALLES gehört reguliert, vergesetzt, verboten, und wenn in zweifel auch untersagt!
nicht dass die leute ZU VIEL verdienen oder die chance haben sich das einkommen ein bisschen aufzubessern! neeeeein das geeeeht nicht! wo samma denn? da könnte ja jeder machen was er will! da könnte ja jeder kommen! da könnte da könnte da könnte... Österreich ist wie Nordkorea, Saudiarabien, oder diese ganzen Bananenrepubliken, die per Dekret den Leuten alles nach Lust und Laune verbieten!!! du musst wirklich erfinderisch sein wenn du es in diesem kleinen märchenland voller erlauchten persönlichkeiten es schaffen willst!
the austrian dream: vom tellerwäscher zum milliardär? nee vom verbot zu verbot, von schikane zu schikane, von abfuhr zu abfuhr!!! der apotheker darf sogar um seine existenz bangen wenn der sich GEGEN die kammer durchsetzen will, und seine einfachsten MENSCHENRECHTE in Österreich gelten lassen will!!!

Zusammentun

Leider ist es mit dem "Zusammen-Tun" so eine Sache.
Aber wie wäre es, wenn WIR ALLE mal einfach ein Jahr lang keine Umlagen zahlen und die Maden aushungern. Müßten halt ALLE mitmachen. Vor allem die Großen!!! Haslesteiner jhat ja schon mal probiert, denke ich.
Rechtlich müßte man einen 1 Euro (in Worten: einen Euro) überweisen, um den Zahlungswillen zu zeigen. bis die Schmarozzer ihre eigenen Gehälter nicht mehr zahlen können.

Wie Treffen wir uns zum ersten Abstimmugsgespräch? Bei Stronach?
Die Grünen machen nicht mit, die sitzen ja selbst schon auf den Pöstchen und halten diese gaaaanz fest.....

Re: Zusammentun

Genial! Bin dabei!

1 0

Re: Zusammentun

Bin dabei.

Lasse sie ohnehin jedes Jahr bez. Jahre etliche Briefe und Mahnungen schreiben.

Das kostet mich 1% im Jahr -also wenn ich das Geld auf der Bank deponiere, mache ich damit sogar noch Gewinn, und diesem unsinnigen politischen Konstrukt kostet es Geld.

:)

0 1

Re: Zusammentun

...ich mache mit. Der Stronach wäre mir auch sympatisch, aber Ausgrenzen würde ich Niemanden.

1 0

Re: Zusammentun

nur zu Dumm, dass sehr viele von den Maden selbst Zahler sind und Freunderl im System haben oder sonst welche Vergünstigungen haben und erwarten..
Also werden es nicht alle tun sondern die Rädelsführer der Verweigerer werden juristisch an die Wand gestellt.

Ich unterstütze jeden, der sich gegen das historisch sicher sinnvoll, aber in Zeiten wie diesem einem Kropf gleichen System, auf das notwendige Maß reduziert.

Re: Zusammentun

Stronach!!!

Antworten Antworten Gast: jokl
06.10.2012 12:45
1 0

Re: Re: Zusammentun

Völlige Zustimmung - z.Zt. der einzig wählbare - in 5 Jahren sehen wir dann weiter!

Antworten Gast: aktenzeichen xyz
05.10.2012 21:44
2 4

Re: Zusammentun

aber klar, immer die bösen grünen. die haben ja gleich nach dem krieg die kammern etc. eingeführt. sogar beim ständestaat haben die bösen grünen mitgemacht.

hauptsache draufhauen oder?

Re: Re: Zusammentun

Lieber xy:
Wer nichts weiß muß alles glauben. Ich habe die Grünen gefragt, ob sie mitmachen würden, bei einer Kammer-Abschaffung. Sie haben abgelehnt. ALso quataschen Sie nicht, wenn Sie keine Ahnunghaben. Es geht um die Abschaffung, nicht um die Einführung. Abschaffen müssen / sollten immer die, die sich gegen die Packelei (Verfassungsrang der Kammern) sind. Aber Amtern sind halt doch recht reizvoll.Und wenn schon nichtin der Regierung, dann in der Kammer (WK).

Re: Re: Zusammentun

die grünen sind abschaum (siehe wien), reine machtpolitiker!

Kammerzwangsvertretungen Abschaffen!!!

Das Modell der Kammern ist wirtschaftsschädlich und korruptionsfördernd!!!


Antworten Gast: Klaus
06.10.2012 09:07
0 0

Re: Kammerzwangsvertretungen Abschaffen!!!

gegen den KammerZWANG, also gegen die Zwangsmitgliedschaft zu sein ist eine Sache und die gehört diskutiert bze der Zwang abgeschafft.

Aber: Die Arbeit der Kammern pauschal schlecht zu machen, so weit will ich nicht gehen.
Bei aller kritischen Haltung von mir ggü der (in meinem Fall) Wirtschaftskammer: ich habe bis jetzt noch jährlich mehr an Leistungen bekommen als ich an Beiträgen dort eingezahlt habe.

Re: Re: Kammerzwangsvertretungen Abschaffen!!!

ja, das mit dem zurückholen ist so eine Sache. Ich muß (rein kalkulatorisch) zu 7 Veranstaltungengehen, um mir die Kammerumlage über Brötchen und Wein zurückzuholen.
Sonst habeich noch nichts gekriegt von der Kammer des Schreckens.

Antworten Antworten Antworten Gast: Klaus
06.10.2012 17:49
0 0

Re: Re: Re: Kammerzwangsvertretungen Abschaffen!!!

und die jeweilige Veranstaltung selbst?

dieses absurde kammernsystem gehört endlich abgeschafft oder grundlegend reformiert. Interessenvertretung sind die nur noch, wenn es um kammereigene Interessen geht!

den Mitgliedern wird nur Geld aus der Tasche gezogen und sonst nichts. am besten wäre, wenn sich alle zusammenschließen und keine Schutzgelder mehr an die Kammern abliefern.

0 0

Re: dieses absurde kammernsystem gehört endlich abgeschafft oder grundlegend reformiert. Interessenvertretung sind die nur noch, wenn es um kammereigene Interessen geht!

Ach geh! Sie Spaßverderber, dabei haben wir die Kammern doch erst in Verfassungsrang gehoben.
Wegen übergroßer Unabkömmlichkeit!

18 0

Die Kammern kann man alle in einem Aufwasch abschaffen. Sie sind der Wirtschaft ein Klotz am Bein.


Gast: gast:1
05.10.2012 20:04
8 0

Apotheker-Kammer

gibts ein schlimmeres Schimpfwort?

Antworten Gast: Auslandsoesterreicher
06.10.2012 07:19
0 0

Re: Apotheker-Kammer

Oesistan !

...ein Auslandsoesterreicher

Re: Apotheker-Kammer

Ärztekammer

6 0

Re: Apotheker-Kammer

kaum, aber "Du Foglar!" oder "Sie Leitl, Sie!" kommen nahe...

Re: Re: Apotheker-Kammer

Ich könnte Sie mit einem "Sie Faymann!" vernichten, so weit würde ich aber nur im äußersten Notfall gehen.

15 1

Wenn es um Pfründe geht,

sind sich Magistrat und Apothekerkammer schnell einig! Konzessionsentzug wegen Öffnungszeiten???

Gast: Ein Ätzer
05.10.2012 19:24
9 0

Verkehrte Apothekerwelt

In Graz sind die Bereitschaftsapotheken gezwungen, Kunden zu bedienen, ohne die sonst bei Inanspruchnahme des Bereitschaftdienstes erhöhte Gebühr verlangen zu dürfen.

Und in Wien schreien die Apotheken sogar nach Publikumsverkehr...

Re: Verkehrte Apothekerwelt

Warum am Samstag Nachmittag erhöhte Gebühren zahlen? die Wurstsemmel kostet beim Billa am Samstag auch nicht mehr!!!

Re: Re: Verkehrte Apothekerwelt

Am Samstag Nachmittag (1200-2000) sind keine zusätzlichen Gebühren bei einem Kauf im Bereitschaftsdienst zu zahlen. Erst ab 2000 wird die Nachtgebühr zugeschlagen. Bitte erst denken und nachlesen bevor man irgend einen Unsinn von sich gibt.

Antworten Antworten Gast: dirgis
06.10.2012 08:13
0 1

Re: Re: Verkehrte Apothekerwelt

es gibt Samstag nachmittags KEINE Gebühren zu bezahlen -erst ab 20 Uhr! Vergleiche mit Supermärkten sind ausserdem nicht möglich, da diese KEINERLEI Bereitschaftsdienste machen MÜSSEN - oder haben Sie schon mal um 2 Uhr nachts eine Wurstsemmel bei Billa kaufen können?

Antworten Antworten Antworten Gast: Nachfrager
07.10.2012 11:00
0 0

Haben Sie schon mal um 2 Uhr nachts eine Wurstsemmel bei Billa kaufen können?

Ich hätte gerne erklärt, was daran schlecht wäre!

 
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Hobbyökonom