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"Österreich das einzige Land ohne Bilanzpolizei"

10.10.2012 | 12:41 |   (DiePresse.com)

Anlegervertreter Wilhelm Rasinger schlägt eine Anbindung an die deutsche Prüfstelle als Übergangslösung vor und ist besorgt über die Wiener Börse.

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Der Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, hat am Mittwoch "Sorge über die Positionierung der Wiener Börse, ihre sinkenden Umsätze und die wenigen IPO" geäußert. Zudem sei es eine "unerträgliche Schande", dass Österreich "das einzige EU-Land ohne eine Bilanzpolizei oder eine entsprechende Enforcementstelle ist", kritisierte Rasinger im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Bezüglich der fehlenden Bilanzpolizei - egal ob via Vereins- oder institutionalisierter Lösung über die Finanzmarktaufsicht (FMA) - meinte der Anlegervertreter, es sei "am schlimmsten, dass es gar nichts gibt". Er schlug daher vor, man solle sich zeitlich befristet, beispielsweise auf fünf Jahre, "der deutschen Prüfstelle als Übergangslösung anschließen - um Erfahrung zu sammeln, zu profitieren und dann die Arbeit selbst fortzusetzen".

Rasinger habe sich "selbst vergewissert, die Deutschen sind gesprächsbereit". Rechtlich sah er keine Probleme, "die IFRS-Regeln (International Financial Reporting Standards, Anm.) sind die selben". Die Zahl der Prüffälle sei für Deutschland auch samt österreichischer "überschaubar". Er machte den Vorschlag "als Versuch, aus der derzeit fatalen Situation raus zu kommen". Außerdem befinde man sich im selben Großraum und spreche die selbe Sprache. "Außerdem kennt in Wien jeder jeden und irgendwo ist auch jeder irgendwie von jedem abhängig", sparte Rasinger nicht mit Kritik. Die Finanzierung könne über Umlagen geschehen, "die für die Emittenten nur Peanuts darstellen". Er wolle nicht präjudizieren, für eine eigene Lösung in Österreich gebe es aber offenbar "zu viele Befindlichkeiten".

"Börse soll sich auf Urfunktionen besinnen"

In Sachen Wiener Börse sei es zwar gut, dass es einen "Grundkonsens" zu ihrer Notwendigkeit für den Wirtschaftsstandort Österreich gebe. Seit 2007 seien aber die Umsätze gefallen und es habe kaum IPO gegeben. "Wenn sich die Börse auf ihre Urfunktionen - Anleger veranlagen langfristig sinnvoll, Unternehmen kommen zu Kapital für ihre Entwicklung - besinnt, sinken auch viele Probleme", sagte Rasinger. Zudem habe die Wiener Börse "Schwächen im Streubesitz".

Es müssten also wieder verstärkt Privatanleger angesprochen werden, die aber in den vergangen fünf Jahren - trotz schwacher Zinsen - noch stärker als in Österreich historisch üblich, zum Sparbuch tendierten. Das Aktien-Thema "interessiert weniger als früher", so Rasinger. Auch könne Österreich nicht mehr viel privatisieren, um die Börse zu stärken. "Ob die Post zu 40 oder 31 Prozent staatlich ist, ist egal."

Rasinger hofft auf Verjüngung in Aufsichtsräten

Zu den im kommenden Jahr anstehenden Neuwahlen von rund zehn Prozent der 300 Aufsichtsräte börsenotierter heimischer Unternehmen meinte Rasinger, er hoffe auf eine Verjüngung sowie einen "steigenden Frauenanteil ohne ständig über Quoten zu debattieren".

Die Finanztransaktionssteuer, die Österreich und zehn weitere EU-Länder umsetzen wollen, betreffe die "österreichischen Buy-and-hold-Aktionäre nicht, eher die Trader". "Ich bin zwar genauso wie bei der Vermögenssteuer nicht dafür, aber die Börsenumsatzsteuer hat uns auch nicht umgebracht." Auch verstehe er den Schritt im Sinne eines "Signals der sozialen Symmetrie"; Arbeit sei schließlich "unverhältnismäßig hoch besteuert".

Kritik an Telekom-Dividendenpolitik

Erneut forderte Rasinger eine "dringende Änderung" des ÖIAG-Gesetzes. Vor allem der Aufsichtsrat solle auf sechs Mitglieder verkleinert werden, organisatorisch sei mehr Flexibilität nötig. Der Anlegervertreter würde auch den Verbund in die ÖIAG einverleiben. "Grundsätzlich wäre ein Mini-Konsens zur Gesetzesänderung leicht noch vor den kommenden Wahlen möglich."

Bei der Telekom erwartete sich Rasinger "mittelfristig keine Änderungen (in den derzeitigen Besitzverhältnissen, Anm.)" und kritisierte die Dividendenpolitik, "die zulasten des Eigenkapitals, bei dem man sich etwas wird überlegen müssen, geht". Durch den "starken Cashflow" gebe es beim Eigenkapital aber "keine sofortigen Notwendigkeiten".

(APA)

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7 Kommentare
Gast: Hans im Glück
11.10.2012 11:20
1 0

Noch mehr Bürokratie? Wo bleibt die Finanzmarktaufsicht???


Die einfachste und kostengünstigste Lösung:

Um die bisherigen Zustände in Österreich aufrechtzuerhalten, um ganz sicher alles beim alten zu belassen, braucht man nur diese Kompetenz der Finanzmarktaufsicht zu übertragen, dann geschieht in dieser Sache – NICHTS.

Gast: DerWissendeSchelm
11.10.2012 07:24
3 0

Liebe EU.....

wie wäre es denn damit, Österreich in dieser Causa endlich eine auf den Deckel zu geben?

Die Unfähigkeit auf eine Einigung dürfte freilich nicht nur politischer Natur sein, sondern hier wird im großen Stile Lobbying betrieben (den CFO Club Österreich kennen Sie doch sehr gut, nicht wahr liebe Frau Fekter?).

Wird schon seine Gründe haben, warum hier diverse Leute ihre gesellschaftliche Position in die Waage werfen, um eine Bilanzpolizei auf Biegen und Brechen zu verhindern. Mann will ja gar nicht wissen, was sich da wahrscheinlich für Leichen auftun in den IFRS-Abschlüssen unserer ATX-Stars :-)

Aber auch das verwundert wenig, wenn man bedenkt, dass hier mit dem CFO Club eine Verein geschaffen wurde, in dem die "Prüfer" von Deloitte im Vorstand sitzen und mit den CFOs der 50 größten Unternehmen des Landes gemeinsamen Interessen nachgehen. Über Unabhängigkeitsbestimmungen des UGB (Stichwort: Besorgnis der Befangenheit) wird da mal locker hinweggesehen.....

Und genau das zeigt mehr als deutlich auf, dass eine Bilanzpolizei in Österreich unbedingt erforderlich ist! Den Prüflingen von Deloitte gehört die Berufsberechtigung entzogen, denn dieses Verhalten macht den Berufsstand überflüssig (und eine Bilanzpolizei notwendig)! Klaus Hübner, wo bist du??

Also, lieber Herr Rasinger, Sie haben durchaus Recht, mit dem was Sie sagen!

Re: Liebe EU.....

Ich bin gerade auf meine Computertisch gestiegen um diesem Post zu applaudieren!!!

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Ja in Rumänien

Gibt es auch Gerichte die Recht sprechen ohne Weisungen und krumme Pfade.

Gast: Halbwissen
10.10.2012 13:50
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Natürlich betrifft die Finanztransaktionssteuer auch buy and hold Aktionäre !

Nur ist dies nicht direkt offensichtlich.

Keine Liquidität vertreibt große Anleger damit steigen die Kurse nicht und dies vertreibt alle.

Antworten Gast: trader1
10.10.2012 23:37
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Re: Natürlich betrifft die Finanztransaktionssteuer auch buy and hold Aktionäre !

auf den punkt gebracht .. aber da diese einsicht erfordert, dass man z.b beim schachspielen mehr als einen zug weiterdenken kann, hat die regierung keine chance diesen sachverhalt zu durchblicken ... und wird erst, wenn das matt kommt kapieren, dass sie was falsch gemacht haben :-)

Hobbyökonom