(Wien/Eid) Er entpuppte sich auch für die Textilfirma Backhausen als Fata Morgana: Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber hatte dem Traditionsbetrieb Ende September mehrere Millionen zugesagt. Im Gegenzug sollte er 80 Prozent der Firma übernehmen. Das Geld floss nicht – die Banken stellten daraufhin per 9. Oktober alle Kredite fällig. Am Mittwoch musste Backhausen Insolvenz anmelden.
Für Al Jaber sind daran die Banken schuld. Es habe keinen Zahlungsdruck gegeben, die Banken hätten die Firma unter unnötigen Druck gesetzt, teilte eine Al Jaber-Sprecherin mit.
Der 160 Jahre alte Betrieb, der Möbel- und Dekorstoffe produziert, ist von der Wirtschaftskrise voll erwischt worden. Dazu kam die Billigkonkurrenz aus Fernost. Nach dem von Firmenanwalt Nikolaus Vogt erstellten Status für den Insolvenzantrag weist Backhausen Ende September 6,64 Mio. Euro Schulden aus. Das ist mehr als die Hälfte des für heuer erwarteten Umsatzes. Verluste gibt es schon seit einigen Jahren.
Auf Bankschulden entfallen 4,1 Mio. Euro. Zum Vermögen zählen Forderungen gegenüber Kunden in Höhe von einer Mio. Euro, mit 1,1 Mio. Euro wird das Warenlager bewertet. Wie Reinhard Backhausen mitteilte, will er die Firma im Sanierungsverfahren weiterführen. Die 104 Mitarbeiter sollen behalten werden. Den Gläubigern stellt Backhausen eine 30-prozentige Quote in Aussicht. Das heißt, dass sie rund ein Drittel ihrer Forderungen erhalten.
Parallelfall Kneissl
Reinhard und Herbert Backhausen haben sich durch die Kontakte Al Jabers im Mittleren Osten neue Geschäftsperspektiven versprochen. Die Firma wollte sich dort als Ausstatter von Hotels etablieren. Mit dem Rücken an der Wand nahmen die Brüder den von der Hausbank empfohlenen Investor Al Jaber dankend an – ohne offenbar die Erfahrungen anderer Unternehmen zu berücksichtigen. Bei der Skifabrik Kneissl versprach der Scheich ebenfalls Millionen, als er nicht zahlte schlitterte Kneissl in die Pleite. Erst danach soll Al Jaber gezahlt haben.
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