Wien/Ju/Red. Österreich ist mit einem Spitzensteuersatz von 50 Prozent nicht nur ein Höchststeuerland für Einkommensbezieher, der Höchststeuersatz beginnt auch viel früher als in anderen Industriestaaten zu greifen.
Das geht aus einer gestern veröffentlichten Studie („Individual Income Tax and Social Security Rate Survey“) des internationalen Beraters und Wirtschaftsprüfers KPMG hervor.
Der für die Besteuerung der höchsten Einkommen gedachte Spitzensteuersatz allein sagt über die tatsächliche Steuerbelastung von durchschnittlichen Einkommen nämlich noch nicht viel aus. In einigen Ländern gilt man mit ein paar tausend Euro Jahreseinkommen schon als „reich“ genug, um in die höchste Steuerklasse zu fallen. In anderen Ländern wiederum muss man schon sechsstellige Jahresbezüge aufs Konto überwiesen bekommen, um für die Spitzensteuer infrage zu kommen.
Schnell reich in Österreich
In Österreich ist diese Grenze sehr niedrig angesetzt: Alle Einkommensbestandteile über 60.000 Euro im Jahr (das sind, bei 14 Gehältern, 4286 Euro im Monat) unterliegen einem 50-prozentigen Steuerabzug. Zum Vergleich: In Spanien gilt man erst ab 300.000 Euro (25.000 Euro im Monat) als reich genug für die Spitzensteuer, in den USA liegt die Grenze ähnlich hoch. Auch im Nachbarland Deutschland muss man mindestens 250.700 Euro im Jahr verdienen, um in den (dort übrigens niedrigeren) Höchststeuersatz zu fallen.
Allerdings: In einigen europäischen Ländern, etwa Dänemark, Holland und Luxemburg, werden noch niedrigere Einkommen als in Österreich der Höchstbesteuerung unterworfen (siehe Grafik). In Österreich wird der tatsächliche Höchststeuersatz für Einkommensbezieher auch durch die Sechstelbegünstigung (im Wesentlichen der stark ermäßigte Steuersatz auf 13. und 14. Gehalt) von theoretisch 40 auf maximal 44 Prozent gedrückt. Und: Die 60.000- Euro-Grenze betrifft Bruttoeinkommen nach Abzug der bereits abgeführten Sozialversicherungsbeiträge.
Nimmt man die Bruttolöhne einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge, dann beträgt die effektive Steuerbelastung für hohe Einkommen (als Vergleichsbasis dient der KPMG ein Jahreseinkommen von 100.000 Dollar) 38,4 Prozent. Bei dieser Berechnungsmethode zeigt sich übrigens, dass Europa insgesamt eine Hochsteuerregion ist: Die Staaten mit der höchsten effektiven Steuerbelastung liegen alle auf dem Alten Kontinent, höher als in Österreich ist diese Belastung in Belgien, Griechenland, Kroatien, Italien und Deutschland.
Globaler Trend zu Hochsteuern
Insgesamt sieht KPMG einen weltweiten Trend, Budgets über höhere Einkommensteuersätze zu sanieren. Zum Teil erfolge dies auch über die Einführung temporärer Zusatzsteuern. Im globalen Durchschnitt ist der höchste Steuersatz für Einkommen heuer um 0,3 Prozent gestiegen.
Angehoben wurden die Spitzensteuersätze unter anderem in Frankreich (von 41 auf 45 Prozent) und in Spanien (von 45 auf 52 Prozent). In beiden Fällen greift der Spitzensteuersatz aber erst bei viel höheren Einkommen als in Österreich, nämlich bei 250.000 bzw. 300.000 Euro Jahreseinkommen, sodass viel weniger Steuerzahler davon betroffen sind. Den höchsten Spitzensteuersatz hat übrigens Aruba (58,95 Prozent), gefolgt von Schweden (56,6 Prozent).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)
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