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AUVA: Eine Versicherung, die in Geld schwimmt

11.10.2012 | 18:22 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die AUVA, die über ein Jahresbudget von 1,2 Mrd. Euro verfügt, wird von der Politik ausgeräumt. Statt die Beitragshöhe zu senken, hat die Politik der Anstalt stets neue Verpflichtungen auferlegt.

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Wien. In Österreich gibt es Erfreuliches zu vermelden. Zum Beispiel die stark rückläufige Zahl von Arbeitsunfällen. Im Vorjahr musste die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) für 109.408 Unfälle, die bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin passiert sind, aufkommen. 1987 waren es noch 170.000 Unfälle, teilte die AUVA am Donnerstag mit.

Der Rückgang hängt mit den Veränderungen im Wirtschaftsleben zusammen, etwa dem schleichenden Wandel des Landes von der Schwerindustrie zu Dienstleistungen. Gleichzeitig wurde in gefährlichen Branchen mehr Wert auf die Prävention von Unfällen gelegt. So waren 1987 in Wien Mechaniker und Schlosser die unfallträchtigste Berufsgruppe, heute sind es Mitarbeiter von Reinigungsfirmen in Hotels und Büros. Für sie bietet die AUVA neben einer sicherheitstechnischen Beratung auch die Informationskampagne „Gesunde Haut“ an.

Dieser Trend lässt sich in den Bilanzen der AUVA ablesen. Bei ihr handelt es sich um eine gesetzliche Pflichtversicherung, die aus den Beiträgen der Dienstgeber (1,4Prozent der Lohnsumme) gespeist wird. Heute sind bei der Anstalt 4,7 Millionen Personen gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert – um eine Million mehr als vor 25 Jahren. Das führt dazu, dass bei der AUVA die Einnahmen in die Höhe geschossen sind. 1984 verfügte sie über ein Jahresbudget von 462.000 Euro, im Jahr 2010 waren es bereits 1,2 Mrd. Euro. Der Geschäftsbericht für 2011 liegt noch nicht vor. Aufgrund der steigenden Einnahmen und der geringeren Zahl der Arbeitsunfälle müsste die AUVA eigentlich hohe Gewinne ausweisen. Das tut sie aber nicht. In den vergangenen Jahren habe man ein Ergebnis um die „schwarze Null“ erwirtschaftet, sagte Friederike Lackenbauer, Direktorin der Wiener AUVA-Stelle, am Donnerstag.

Statt die Beitragshöhe zu senken, hat die Politik der Anstalt stets neue Verpflichtungen ohne entsprechende finanzielle Gegenleistungen auferlegt.

 

Kammerfunktionäre als Organe

„Jeder weiß, dass die AUVA über viel Geld verfügt. Sie hat sich zum Selbstbedienungsladen für alle möglichen Zwecke entwickelt“, kritisiert Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft. Um das Milliardenbudget der AUVA mit 5000 Mitarbeitern zu rechtfertigen, bekam sie von der Politik immer mehr Aufgaben zugeschanzt. So sind bei ihr nicht nur Erwerbstätige, Schüler und Studenten versichert, vor kurzer Zeit kamen auch Kindergartenkinder im verpflichtenden Kindergartenjahr hinzu. Laut Regierungsbeschluss sollen künftig auch Kleinunternehmer Krankengeld bekommen, wenn sie länger als 42 Tage arbeitsunfähig ist. Die Kosten dafür soll die AUVA übernehmen.

Doch Reformen werden kaum angegangen. Wie alle Sozialversicherungsträger ist die AUVA nach dem Prinzip der Selbstverwaltung organisiert. Gewerkschaften und Wirtschaftskammer schicken ihre Funktionäre in die Organe der AUVA.

 

Sind 22 Sozialversicherungen notwendig?

Hin und wieder taucht auch die Frage auf, ob Österreich 22 Sozialversicherungsträger braucht. Oder wie sinnvoll eine eigene Versicherungsanstalt ist, die sich um Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten kümmert.

Die meisten Unfälle passieren längst nicht mehr in der Arbeit, sondern in der Freizeit. Für Freizeitunfälle ist aber die gesetzliche Krankenversicherung (wie die Gebietskrankenkasse) zuständig. Die AUVA betreibt in Österreich aber Unfallkrankenhäuser, in denen Freizeitunfälle behandelt werden.

Die durchschnittlichen Kosten in einem Unfallkrankenhaus liegen pro Patient und Tag bei 12.000 Euro. Die AUVA bekommt dafür von der Gebietskrankenkasse oft nur 147 Euro pro Tag refundiert. Wirtschaftsvertreter wie Kammerpräsident Christoph Leitl sehen nicht ein, dass sie über das AUVA-Budget auch für immer mehr Freizeitunfälle zahlen müssen.

Auf einen Blick

Bei der AUVA sind 4,65 Millionen Personen gesetzlich gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert. Davon sind 1,2 Millionen Arbeiter, 1,6 Millionen Angestellte, 450.000 Selbstständige sowie 1,4 Millionen Schüler, Studenten und Kinder im verpflichtenden Kindergartenjahr. Die AUVA verfügt über 5000 Mitarbeiter und ein Jahresbudget von 1,2 Mrd. Euro. In Wien betreibt sie das Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus und das Meidlinger Unfallkrankenhaus. Die Unfallversicherung wird im Wesentlichen aus den Beiträgen der Dienstgeber mit 1,4Prozent der Lohnsumme gespeist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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23 Kommentare
Gast: Vogel Strauss
12.10.2012 20:38
0 1

Kein Wunder ...

Die Mutter von einer Bekannten ist in einem AUVA-Spital beinahe verhungert ... es muss gespart werden!

Gast: Krasser geht´s nimma
12.10.2012 14:13
1 1

Wie war´s unter Grasser mit der ALV?

Da wurden über Nacht über 30 Milliarden aus dem AMS-Topf geplündert. Alles nur deshalb, um den Anschein zu erwecken, das Nullbudget sei möglich (Nachsatz: solange es noch irgendwo ein Familiensilber gibt, das nur darauf wartete, endlich veräußert zu werden!).

Strukturell sind wir von Machtblöcken eingeengt, dass es nur so kracht im Gebälk!!!!!!!!!!!!

Damit können die Spekulationsverluste ja leicht abgedeckt werden

Das waren nur zehn bis zwanzig Millionen.

Gab es dazu strafrechtliche Maßnahmen oder personelle Konsequenzen?

Ich trau mich gar nicht

nach den Pensionsregelungen der AUVA Manager und Angestellten zu fragen.

auch

Verbrecher wohin man schaut....

2 0

das mit den vielen Nullen....

Kann mir nicht vorstellen, daß das Budget 1984 nur 462.000,- Eur war, 2010 dann aber 1,2 Mrd.

Gast: Omiopfer
12.10.2012 10:38
3 0

AUVA - Unfallkrankenhaus ist super

Leider hatte ich genug Vergleichsmöglichkeiten, aber das Unfallkrankenhaus was im Vergleich zum Landeskrankenhaus (oder wie das jetzt genau heisst) um Längen besser. Aufnahme, Wartezimmer, Nummern, wenig Wartezeit, rasche Behandlung (OP am nächsten Tag), super Nachbehandlung, einfach gut organisiert.

Gast: Verbrennung
12.10.2012 08:08
1 0

12.000 Euro

Die AUVA ist im behandeln von Verbrennungsopfern spezialist und da dürften die Kosten pro Tag auch stimmen.

Ein normales Krankenhaus kann sich das ja nimma leisten. Bekommen auch nur die 147 Euro refundiert.


Gast: fulca
12.10.2012 07:40
2 2

Der Verschwender

Der Herr Leitl als Wirtschaftskammerboss hat aber schon größtes Interesse daran, dass Arbeitnehmer möglichst lang gesund bleiben und fit sind, also auch Sport und Freizeitaktivitäten betreiben. Verletzt der sich dabei, ist es recht und billig, dass er möglichst schnell und optimal geheilt und rehabilitiert wieder arbeitsfähig ist - was spricht also dagegen, dass die Wirtschaft auch weiterhin für die Unfallverischerung aufkommt und auch Freizeitunfälle auf entsprechend hohem Niveau versorgt werden ???

Antworten Gast: BKM
12.10.2012 09:59
3 0

Re: Der Verschwender

Vollkasko für Privatvergnügen also - smarte Argumentation.

Gast: WFP
12.10.2012 07:07
3 0

12.000€ amTag ???

Da ist wohl ein Kommafehler passiert!

Antworten Gast: Fulca
12.10.2012 08:47
0 0

Re: 12.000€ amTag ???

Vielleicht haben der Herr Reporter oder die Frau Direktor was nicht richtig verstanden ?

Gast: AUVA-Zwangsmitglied
11.10.2012 21:02
3 1

AUVA schwimmt in Geld


weil sie sich vor Leistungen drückt.

Nur bei Apparatschiks wie ÖVP-Amon mit seinem (harmlosen) Autounfall oder bei Dagmar Kollers verstauchten Knöchel gibt es großzügige Ausschüttungen. ASVGler dürfen sterben, ehe sie eine Leistung zugesprochen bekommen.

Gast: oko
11.10.2012 20:54
1 0

der beitrag ist für den mistkübel

tut mir leid
sie haben zuwenig fachwissen
entweder gibt es druckfehler im AUVA Bericht, oder sie habens falsch gelesen

AUVA: Eine Versicherung ...

die offenbar effizient "arbeitet" und trotz horrender Behandlungskosten sich einen "angepassten Verwaltungskörper" leistet.

Antworten Gast: gastsv
12.10.2012 15:03
0 0

Re: AUVA: Eine Versicherung ...

Ihnen ist hoffentlich auch klar, dass der Verwaltungskörper der AUVA äusserst gering ist. Die Aufwendungen für Personal machen nur 7% der Bilanzsumme aus. Zeigen Sie mir doch bitte einmal eine Privatunternehmen, bei dem der Personalaufwand überhaupt unter 10 % liegt! keine 5000 Angestellte für 4.7 Mio Versicherte.

Re: Re: AUVA: Verwaltungskörper der AUVA äusserst gering ist?

Sag ich ja, hätten Sie meinen Text "sinnerfasst", müssten Sie meine Aussage nicht wiederholen wollen!

Zugegeben, Sie kommunizieren umfangreicher. Meine Art ist es, mit ein paar Worten -und ohne andere Sparten pauschal anzugreifen- zu sagen, was ich so meine!

Gast: A.W.
11.10.2012 20:26
1 1

Ist das so?


Die durchschnittlichen Kosten in einem Unfallkrankenhaus liegen pro Patient und Tag bei 12.000 Euro.

Bei knapp 110.000 Unfällen macht das dann was aus?

Unglaubwürdig, die 12.000 am Tag.

Ja ist so

DUCHSCHNITTLICHE KOSTEN.

Eine gebrochene Hand kostet ambulatorisch behandelt sicherlich weniger , als ein abgetrenntes Bein mit mehrfachen Nachbehandlungen / Operationen.

Wie bitte?

Die durchschnittlichen Kosten in einem Unfallkrankenhaus liegen pro Patient und Tag bei 12.000 Euro.

Re: Wie bitte?

einzige erklärung wär für mich, dass es öfter eine akutbehandlung benötigt (sprich OP) (aber kA)

bei berufskrankheiten und entsprechender state of the art all inclusive behandlung(min 1x fachärztliche für 1h/tag behandlung/beratungn jeden tag pysiotherapie ......) könnte das vielleicht auch hinkommen (glaube das angebot gibts wohl nicht :)

Re: Wie bitte?

Bei solchen Summen würde ich mir immer gerne eine Kostenaufschlüsselung wünschen.

Antworten Antworten Gast: Auslandsoesterreicher
12.10.2012 07:10
2 1

Re: Re: Wie bitte?

Vermutlich:

5.000.- SPO +ihre abh. Zwangsvereine
5.000.- OVP +ihre abh. Zwangsvereine
2.000.- das Krankenhaus selbst

oder anders? nach Proporz?
Telekom - da ist nichts mehr zu holen.

...ein Auslandsoesterreicher

Hobbyökonom