Der Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, kritisiert "die überzogenen Forderungen der Aufseher", die die Banken zur Beschränkung der Kreditvergabe nötigen. "Man hat fast den Eindruck, dass ein Wettbewerb unter den Aufsichtsbehörden besteht: Wer bietet mehr?", betonte Stepic im "Handelsblatt" am Freitag. Gerade die RBI mit 15 Osttöchtern habe ein besonderes Interesse an einer koordinierten Vorgehensweise. Stepic befürwortet eine europäische Bankenaufsicht. Die Kooperation der Aufseher funktioniere derzeit überhaupt nicht, "manchmal widersprechen sich die Aufseher in Osteuropa und unsere Heimatkontrolleure in Österreich diametral."
Zu starke Konzentration auf Eigenkapital
Alles konzentriere sich zu sehr auf das Eigenkapital, kritisiert er. Es sei zwar nicht schlecht, "wenn eine Bank mehr Fleisch auf die Rippen bekommt", aber das Eigenkapital sei nun wirklich nicht allein selig machend. Die Durchführung einer Kapitalerhöhung sieht Stepic weiterhin als eine Option, "die wir laufend im Auge haben". Der RBI-Aktienkurs liege aber noch immer unter der Erstemission 2005. Deshalb müsse man auf die Altaktionäre Rücksicht nehmen und könne nicht jeden Kurs akzeptieren, sagte Stepic
Osteuropa: "Dampf herauslassen"
In Österreich laufe das Kreditgeschäft "völlig normal", sagte Stepic. In Osteuropa müsse man dagegen "Dampf herauslassen". Dort konzentriere man sich beim Kreditgeschäft vor allem auf die stärkeren osteuropäischen Märkte. "Wir orientieren uns an makroökonomischen Entwicklungen, da gehen wir mit. Da uns weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, verlagern wir unsere Mittel dorthin, wo es mehr Wachstum gibt", sagte Stepic. Die wirtschaftlich schlechteren Staaten "wirken für uns in diesen Zeiten wie ein natürliches Ventil".
Dem RBI-Chef zufolge wird Osteuropa auch künftig einen Wachstumsvorsprung vor Westeuropa behalten - von zwei bis zweieinhalb Prozentpunkten. Außerdem hätten die Banken in der Ostregion noch nicht jene Bedeutung wie im Westen.
(APA)
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