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Rechnungshof kritisiert Verstaatlichung der Kommunalkredit

15.10.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

Für die Prüfer ist die Übernahme der Kommunalkredit "nicht nachvollziehbar". Bei der Bankenrettung habe es keine fundierten Analysen gegeben.

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Wien/Höll. Der Rechnungshof stellte in seinem am Montag veröffentlichten Bericht die Kommunalkredit-Verstaatlichung infrage. Als der Bund die Bank im Herbst 2008 vor der Pleite rettete, seien keine Alternativszenarien geprüft worden. Außerdem habe eine fundierte volkswirtschaftliche Analyse gefehlt, wonach die Kommunalkredit als eine „unter allen Umständen zu erhaltende, systemrelevante Bank“ einzustufen sei.

Es konnte auch nicht nachgewiesen werden, dass ein Weiterbestehen der Kommunalkredit für die kommunale Finanzierung unabdingbar notwendig gewesen sei. Weiters bemängeln die Prüfer die mangelnde Dokumentation bei der Übernahme des Instituts.

Bei den Verhandlungen über die Rettungsaktion waren aufseiten Österreichs das Finanzministerium und die Finanzprokuratur federführend. Keine dieser Einrichtungen konnte dem Rechnungshof den Vertrag über die Anteilsübernahme sowie auch andere Verträge, mit denen Österreich finanzielle Verpflichtungen eingegangen war, im Original vorlegen.

Protokolle später verfasst

Der Rechnungshof bekam nur teilweise im Nachhinein verfasste Gesprächsprotokolle und vereinzelte Aktenvermerke zu Gesicht. Das Finanzministerium rechtfertigt sich damit, dass damals großer Zeitdruck bestanden habe. Dieses Argument lässt der Rechnungshof nicht gelten. Die Prüfer halten es für „unbedingt erforderlich, Vorgänge von einer solchen Tragweite und mit derart hohen finanziellen Auswirkungen nachvollziehbar zu dokumentieren beziehungsweise offizielle Akten darüber anzulegen“. Auch großer Zeitdruck dürfe nicht dazu führen, dass „nicht einmal im Nachhinein die entsprechenden Unterlagen verfasst werden“. Laut den jetzt vorliegenden Dokumenten war erkennbar, dass im Herbst 2008 hauptsächlich über die Bedingungen der Anteilsübernahme diskutiert, der Einstieg des Bundes selbst aber kaum hinterfragt wurde.

Die Kommunalkredit hatte einst den österreichischen Volksbanken und der belgisch-französischen Finanzgruppe Dexia gehört. Die Bank sollte sich eigentlich auf günstige Finanzierungen für Gemeinden spezialisieren. Doch das frühere Management ging auch hoch riskante Wertpapiergeschäfte ein. Diese wurden teilweise über Zypern abgewickelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Jahren gegen den früheren Vorstand und Ex-Aufsichtsrat wegen des Verdachts der Untreue. „Wir warten noch auf ein Gutachten“, hieß es dazu am Montag von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.

Auch die Rolle von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wird geprüft. Diese arbeitete vor ihrem Regierungseintritt von 2004 bis Ende 2006 im Vorstand der Kommunalkredit. Alle Betroffenen bestreiten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Weitere Verluste drohen

Nach der Verstaatlichung wurde die Kommunalkredit zweigeteilt. Die hoch riskanten Wertpapiergeschäfte wurden in die „KA Finanz“ ausgelagert. In der Kommunalkredit verblieb das Geschäft mit der öffentlichen Hand. Ende 2010 bestanden gegenüber beiden Banken Staatshaftungen in Höhe von 9,5 Mrd. Euro, mittlerweile konnten diese auf sechs Mrd. Euro reduziert werden.

Hinzu kommen direkte Staatszuschüsse von zwei Mrd. Euro. Bei einem weiteren ungünstigen Verlauf der europäischen Staatsschuldenkrise sei bei der KA Finanz „mit signifikanten Verlusten“ zu rechnen, warnt der Rechnungshof. Das Institut werde „noch einige Jahre auf Maßnahmen aus dem Bankenpaket angewiesen sein“.

Laut dem Halbjahresbericht 2012 sitzt die KA Finanz noch immer auf einer Risikomasse von 16,2 Mrd. Euro. Davon entfallen 3,1 Mrd. Euro auf europäische Problemstaaten wie Spanien, Portugal, Irland und Italien. Auch die Kommunalkredit habe 2009 und 2010 ihre Ziele „hinsichtlich der Geschäftsvolumina als auch der Kundenmargen“ deutlich verfehlt, bemängelt der Rechnungshof.

Das Finanzministerium weist die Kritik an der Verstaatlichung zurück. Bei einer Pleite hätten negative Folgen auf andere Banken gedroht. Man habe sich im Herbst 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise befunden. Und man sei in Europa übereingekommen, jede systemrelevante Bank abzusichern. Eine Insolvenz der Kommunalkredit hätte damals negative Auswirkungen auf das Rating Österreichs gehabt, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Die Opposition und die SPÖ fordern nun, dass in Österreich endlich ein Insolvenzrecht für Banken geschaffen wird. Ein solches war schon im Herbst 2008 angekündigt worden. Doch das Finanzministerium will hier zuerst die EU-Vorgaben abwarten.

Auf einen Blick

Die Kommunalkredit hatte einst den österreichischen Volksbanken und der belgisch-französischen Dexia-Gruppe gehört. Im Herbst 2008 wurde das Institut mit der Verstaatlichung vor der Pleite gerettet. Der Rechnungshof kann die damalige Übernahme nicht nachvollziehen. Bislang hat der Bund über zwei Mrd. Euro in die Rettung der Kommunalkredit-Gruppe investiert. Hinzu kommen noch Haftungen von sechs Mrd. Euro. Bei einer Verschärfung der europäischen Staatsschuldenkrise drohen weitere Verluste.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2012)

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30 Kommentare
 
12
Gast: gast45
16.10.2012 23:47
0 0

so naiv ?

und glauben, dass es keine dokumentation gibt ?
da werden halt sachen drinnstehen, wo man sich aus heutiger sicht an den kopf greift ..
es ist doch viel sicherer, zu behaupten dass es die protokolle und verträge gar nicht gegeben hat .. wenn die regierung dem untersuchungsausschuss die akten vorenthalten, ja was hindert sie daran, das gleiche beim rechnungshof zu machen ?

Typisch unsere Politiker

Schnellschüsse unter Zeitdruck, Entscheidungen durch Druck der Medien, Wahlzuckerl, um bei der nächsten Wahl ein Prozentpunkterl "mehr" zu beklommen.

Einzige Abhilfe: Staat zurückdrängen auf existenzielle Bereiche.

wer prüft die prüfer?

Nie was selber machen, aber immer meckern.

Re: wer prüft die prüfer?

Prüfer prüfen,ob Regeln eingehalten werden. Wenn nicht, dann meckern sie.

Bitte ...

... ich möchte auch vor der Pleite gerettet werden!

Ein Vermögensverwalter wird vor den Strafrichter gestellt, wenn er mit dem Geld seiner Kunden so umgeht, und bei den Damen und Herren Politikern soll das anders sein? Warum denn??

Gast: Martin_S
15.10.2012 22:18
11 2

Die Kommunalkredit

MUSSTE verstaatlicht werden - sonst wär'
die Schmied (SPÖ) in den Häf'n gegangen!

Antworten Gast: Dertol
16.10.2012 12:29
0 0

DAS war wohl nicht der Grund

warum der ÖVP-Finanzminister Pröll die Verstaatlichung der ansonsten erz-schwarzen Kommunalkredit durchgeführt hat.

Gast: baenkster
15.10.2012 21:05
7 2

baenkster und deren gehaelter

wurden also in nicht nachvollziehbarer weise gerrettet, und nun streicht man an der tu wien bei forschung, bildungn und innovation.

Ich bin kein roter, aber bei diese art von umverteilung von unten nach oben, rueckt jeder vernuenftig denkende mensch einstueckchen mehr nach links.

Antworten Gast: Martin_S
15.10.2012 22:19
6 1

Re: baenkster und deren gehaelter

Richtiger: Der Ar.. der Schmied (SPÖ) wurde gerettet...

Gast: gast1984
15.10.2012 20:28
2 2

A bisserl spät is er schon dran der Rechnunghof!


Gast: Weiss N
15.10.2012 18:12
15 1

SPÖ wir lieben dich

Die Verantwortliche Frau Schmied, ist schon hart an der Arbeit, ihr nächstes Terrain, die Schule zu zerstören.

Kein Wunder,

dass Schmied die treueste Parteisoldatin ist. Weiss sie doch dass einzig und allein die Paddei sie vor dem Gefängnis beschützen kann.

Gast: Hans Berger
15.10.2012 16:49
17 1

Das sind die "Claudia-Schmied-Gedenkmilliarden", die der österreicische Steuerzahler für angewandte PolitikerInnen-Blödheit aufbringen muss

Kommunalkredit: 4,65 Milliarden Euro Steuergeld plus X Milliarden

VolksbankenAG: 1,4 Milliarden Euro Steuergeld plus X Milliarden

HypoAA: 1,55 Milliarden Steuergeld plus 2,2 Milliarden?

ESM-EURO-"Rettung": 80 Milliarden Euro österreichisches Steuergeld plus XXXXXXXX Hebel!!!!

EZB: "UNBEGRENZT"

Das ist voll ur neoliberal, neocon, turbokapitalistisch,... oder?

Oder doch eher die neue international-sozialistische Umverteilung? Der Steuerzahler als Retter der verantwortungslosen Politiker, die ihre Länder massiv überschuldet haben und dadurch auch ihre Banken gekillt haben, weil die Staatsanleihen nichts mehr wert sind!

In den USA hat man seit 2007 über 300 marode Banken pleite gehen lassen. Aber bei uns wird ALLES dem Steuerzahler umgehängt. Sogar die völlig unnötige Kommunalkredit, eine Bank ohne Spareinlagen!

Sozialismus wie er im Buche steht!

Antworten Gast: Fruhau
16.10.2012 12:30
0 0

Eher Jörg-Haider

Gedenkmilliarden. HAAB ist ausschliesslich ein FP-Debakel. Und bei der Volksbank handelt es sich um die Parteibank der VP...

Re: Das sind die "Claudia-Schmied-Gedenkmilliarden", die der österreicische Steuerzahler für angewandte PolitikerInnen-Blödheit aufbringen muss

Abgesehen davon - die milliardenteuren Verstaatlichungen aus dem Handgelenk hatte ein gewisser Peppi Pröll zu verantworten.

Gott sei Dank hatten wir beim roten Bawag-Disaster keinen roten Finanzminister!

Re: Das sind die "Claudia-Schmied-Gedenkmilliarden", die der österreicische Steuerzahler für angewandte PolitikerInnen-Blödheit aufbringen muss

Na ja, ÖVAG und Hypos haben schon recht deutliche Connections zur schwarzen Reichsh... pardon zur 'Wirtschaftspartei' als zu den Sozis....

Antworten Antworten Gast: pas2
16.10.2012 12:31
0 0

HYPO ALPE ADRIA = Jörg

Dem dürfen wir ewig dankbar sein, und ewig abzahlen.

15 2

Die Verantwortlichen laufen noch immer frei herum oder sind

sogar hinaufgefallen - ein Sittenbild!

Gast: Bobby
15.10.2012 15:27
8 1

Nochmal zum Nachvollziehen!

Die Dexia? Also die HRE-Tochter (Bayernbadbank - HRE war schon eine Babank)

Pinkel Vorstand. Der Pinkel war beim Kauf der Kärntner Hypo an die Bayern dabei war?

Warum hat man die Kommunalkredittochter verstaatlicht ohne Unterlagen. War das ein Gegengeschäft zwecks zurücknahme der Hypo Kärnten?
(Wohlgemerkt die Krise war begann erst 2 Jahre später, in denen die Bilanzen erheblich aufgeblasen wurden). Warum?

In Deutschland ist ja die ganze HRE-Sache noch immer nicht geklärt.

Die FMA a in beiden Staaten wertlos. Brüder im Verein.


Antworten Gast: hvt 2
16.10.2012 12:33
0 0

Die FMA ist das Produkt

eines F-Finanzministers in einer VP-Regierung. Und benannte Banken sind von F und VP zu Tode korrumpiert worden. Zufall, dass die FMA hier damals nichts mitbekommen hat?

Antworten Antworten Gast: das kann nur zufall sein ..
17.10.2012 00:02
0 0

Re: Die FMA ist das Produkt

.. so wie es natürlich auch zufall ist, dass der eine vorstand der fma der ministersekretär vom grasser und der andere vorstand der ministersekretär vom schüssel gewesen ist ...

Gast: Gast754
15.10.2012 12:15
31 1

Frage an die Skandale-Staatsanwaltschaft Wien

Wann kommt endlich die Anklage gegen SPÖ-Schmied?

27 1

Frau Schmied musste vor dem Offenbarungseid geschützt werden.


So einfach ist das.

Dass Unmengen an Steuermittel auf Kosten der Zukunft dieses Landes verbrannt werden kratzt die Politik herzlich wenig, so lange die eigenen geschützt werden. Die Vergangenheit muss konserviert bleiben.

dafür verwendet man hunderte Millionen Steuergelder

Muss uns Frau Schmied das wert sein?

Dagegen sind Faymans und Berlakovich kleine Hascherl.
Was solls, Frauen kommen immer etwas teurer.


2 0

Was solls, Frauen kommen immer etwas teurer.

Dazu fällt mir eine Stelle in einem Krimi von Raimond Chandler ein. "Sie sah eher durchschnittlich aus, eigentlich wie alle Frauen, die die größten Schwierigkeiten machen".
Nicht wörtlich aber sinngemäß wiedergegeben.

16 2

Kommunalkredit: Rechnungshof kritisiert Verstaatlichung

Das weiß der durchschnittlich gebildete Österreicher schon lange, nur unsere zum Teil unfähigen und korrupten Politiker nicht!

 
12

Hobbyökonom