Die Presse: Herr Elsner, Sie haben kürzlich in New York eine 1,8-Milliarden-Dollar-Klage gegen Ex-Bawag-Chef Ewald Nowotny, Ex-Bawag-Vorstand Stephan Koren, gegen den ÖGB-Präsidenten Erich Foglar und Ex-ÖGB-Chef, nunmehr SPÖ-Sozialminister, Rudolf Hundstorfer, gegen die frühere Spitze des Brokerhauses Refco und andere eingebracht. Was erwarten Sie sich von dieser Klage?
Helmut Elsner: Die Klagseinbringung war notwendig, um in den Vereinigten Staaten den mir entstandenen Schaden einzuklagen. Die österreichischen Behörden, wie auch die Bawag, weigern sich ja beharrlich, dem Verbleib der verschollenen Millionen nachzugehen, obwohl vor allem die Staatsanwaltschaft über Rechtshilfeansuchen problemlos allen Zahlungsströmen nachgehen könnte.
Der Klage liegt offenbar die Einschätzung zugrunde, dass Investmentbanker Wolfgang Flöttl für die Pleite des Hauses Refco, an dem die Bawag beteiligt war, zumindest mitverantwortlich sein soll. Wie kommen Sie darauf? Warum geht die Bawag dann nicht gegen Flöttl, sondern gegen Sie vor?
Flöttl und einige andere Refco-Kunden haben schon 1997 massive Verluste auf ihren Refco-Konten eingefahren. Schon 1998 klaffte ein 400-Millionen-Dollar-Loch in der Refco-Bilanz. Dies geht aus Gerichtsunterlagen der US-Behörden hervor. Diese Verluste wurden von Refco acht Jahre lang vertuscht. Flöttl täuschte die Bawag ebenso und übermittelte der Bawag falsche Refco-Kontoauszüge. Die Bawag geht nicht gegen Flöttl vor, weil sie offensichtlich sein betrügerisches Handeln decken und sein Vermögen schützen will.
Warum das?
Der Grund dürfte sein, dass im Wahljahr 2006 mit dem der Bawag gestohlenen Geld Wahlspenden an die SPÖ geflossen sein könnten. Dafür gibt es bis jetzt noch keine Beweise. Außerdem werden auch noch die Mittäter von Flöttl geschützt, darunter ein ehemaliger Bawag-Treasurer, in den USA wegen Betrugs und Veruntreuung im Zusammenhang mit dem Refco-Verfahren verurteilt. Für seine Schmutzarbeit kassierte er 20 Millionen Kickbackzahlungen auf seine Schweizer Konten. Wie viele andere Investoren, Gläubiger und Banken täuschten das Refco-Management und Flöttl mittels getürkter Finanzberichte auch mich. Die OeNB (Nationalbank, Anm.) kam 2006 zum Schluss, dass die Finanzberichte von Flöttl „höchst unglaubwürdig“ wären.
Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Ist damit zu rechnen, dass Sie bald vor Gericht erscheinen werden?
Ich musste mich bedauerlicherweise in der vergangenen Woche erneut einem medizinischen Eingriff unterziehen, welcher aufgrund akuter Probleme in der Lunge notwendig war. Derzeit bin ich deshalb nicht verhandlungsfähig. Das deutsche Gericht hat dies zuletzt dreimal bestätigt und Anträge von Richter Christian Böhm auf Einvernahme zurückgewiesen. Meine Ärzte verwiesen auf einen lebensbedrohlichen Zustand.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)





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