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Trotz Reform zahlen Bauern nicht mehr Steuern

16.10.2012 | 18:11 |  JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse)

Die Grenze für die Steuerpauschalierung in der Landwirtschaft wird ab 2014 auf 75.000 Euro Einheitswert gesenkt. Das Vorrecht der Bauern, keine Einnahmenaufzeichnungen führen, bleibt auch in Zukunft erhalten.

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Wien. Österreichs Bauern sind in puncto Steuern privilegiert – und werden dafür europaweit beneidet. Die meisten Betriebe können sich für die Steuer pauschalieren lassen und müssen, anders als andere Selbstständige, keine Einnahmenaufzeichnungen führen. Dieses Vorrecht bleibt den Bauern auch in Zukunft erhalten. Trotz einer Reform der agrarischen Einheitswerte, auf die sich ÖVP und SPÖ gestern geeinigt haben.

Der Einheitswert ist ein fiktiver Ertragswert, auf dessen Basis der Gewinn eines Betriebs pauschal ermittelt wird. Er wurde zuletzt im Jahr 1988 festgestellt. Derzeit können sich Betriebe bis zu einem Einheitswert von 100.000 Euro voll pauschalieren lassen, die Grenze soll nun auf 75.000 Euro gesenkt werden. Bis 130.000 Euro ist eine teilweise Pauschalierung möglich (bisher 150.000 Euro). Größere Betriebe müssen Buch führen.

Ein Hof mit 75.000 Euro Einheitswert ist hierzulande bereits ein Großbetrieb: Nur 2600 Betriebe haben einen Einheitswert von über 70.000 Euro. Gut 1000 Betriebe liegen über 100.000 Euro. Bisher lag die Bemessungsgrundlage für die Steuer pauschalierter Betriebe bei 39 Prozent, der Satz soll ab 2014 auf 42 Prozent steigen. Zudem werden künftig die EU-Subventionen teilweise in die Bemessungsgrundlage miteinbezogen.

Bauernbund und Landwirtschaftsminister sind zufrieden, dass die Pauschalierung für die Landwirte erhalten bleibt. „So haben wir eine Bürokratielawine für die Landwirtschaft verhindert“, sagte ÖVP-Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. Die Reform musste durchgeführt werden, andernfalls hätte ab 2014 der Verkehrswert (also der tatsächliche Wert) als Basis für die Steuerermittlung gegolten. „Das hätte den Tod für zigtausende Betriebe bedeutet“, sagte Bauernbund-Präsident Jakob Auer.

Unter dem Strich werden die Bauern auch künftig nicht mehr Steuern zahlen. Der Satz wird zwar angehoben und die Förderungen einberechnet. Gleichzeitig seien aber die Erträge seit der letzten Einheitswertfeststellung gesunken, so ein Experte, der an der Reform mitgearbeitet hat. Auch die Sozialversicherungsbeiträge werden sich nicht oder kaum erhöhen. Denn große Betriebe zahlen ihre Beiträge ohnehin auf Basis der Höchstbemessungsgrundlage. 2011 zahlte ein Agrarbetrieb durchschnittlich 260 Euro Einkommensteuer. Das gesamte Einkommensteueraufkommen der Landwirtschaft betrug 45 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)

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15 Kommentare
Gast: landwirt1
19.10.2012 13:47
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Pauschalierung Lebensnotwendig

Es ist eine wahrhafte Sauerei wie hier einige "Pseudoexperten" über uns Landwirte herziehen und vorrechnen wie viel unsere Bauern nicht verdienen, ohne auch nur einen Funken Ahnung davon zu haben, der Wegfall der Pauschalierung würde ein Großteil unserer Bauern ohne Rücksicht auf Verluste in der wirtschaftlichen Ruin treiben!
Ihr alle solltet auch nur mal einen einzigen Tag (der nicht aus 8, sonder 12-15 Arbeitsstunden besteht) in der Landwirtschaft arbeiten, denn wenn man die eigenen massive Arbeitsleistung bzw. die der Familie wirtschaftlich berechnet wäre das sowieso unbezahlbar.
Das schlimmste ist aber überhaupt, das hier genau die Menschen über unsere Bauern, Landwirte, Winzer, Gärtner etc. glauben urteilen zu können, bei denen unsere Heimischen hoch Qualitativen Lebensmittel in keinen Cent mehr kosten dürfen aber der Produzent davon leben soll.

Antworten Gast: unternehmer1
19.10.2012 17:58
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Re: Pauschalierung Lebensnotwendig

das gilt auch für unternehmer - und die sind NICHT pauschaliert und arbeiten auch 12 Stunden am Tag oder mehr - und die MÜSSEN ihre Einnahmen aufzeichnen.

Gast: jungbauer
18.10.2012 22:00
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habt ihr auch gelesen

dass betriebe ab 120 vieheinheiten und über 60 ha bzw. 5 ha Obstkultur von der Pauschalierung ausgenommen sind??
und dass viehwerte und ausgleichszahlungen alle einheitswerte erhöhen werden?


das sind die Umsatzgrenzen des UGB,

die für "normale" Unternehmer gelten. Keine Erfindung von mir.

Auch Bauern sollen wie "normale" Unternehmer behandelt werden. Auch müssen bei weitem nicht alle Unternehmer "buchhalten", in vielen Fällen genügt eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.

Derzeit müssen die Bauern von Gesetzes wegen nicht mal ihre Einnahmen aufschreiben. Dass sie es natürlich schon tun, ist klar, Bauern denken um nichts weniger kaufmännisch als "normale" Unternehmer. Sie haben nur die viel bessere Lobby, die dafür sorgt, dass sie ihre Einnahmenaufzeichnungen für sich behalten können und nicht der Finanz vorlegen müssen, wie jeder andere Unternehmer (auch Kleinstunternehmer).

Re: das sind die Umsatzgrenzen des UGB,

das Posting bezieht sich auf die Antwort von weinalf zu meinem unteren Posting.

Trotz Reform zahlen Bauern nicht mehr Steuern

es gibt ein altes Sprichwort; einen Staat erkennt man daran wie er seine schwächsten Glieder in der Gesellschaft behandelt. Der Bauer gehört dazu.
Die Staatsverschuldung in der EU hat dazu geführt, dass, und das sieht man in Griechenland, die Bauern die einzigen sind die Lebensmittel produzieren und an die Bevölkerung verschenken. Wer noch nie auf einem Bauernhof gearbeitet hat, wird auch nie verstehen warum ein Bauer keine Steuern bezahlen muß und auch soll. Es kann durchaus die Zeit kommen das der Bauer im eigenen Land wieder der alleinige Lebensmittellieferant sein wird.
Da sich alles wiederholt, ist das auch nicht auszuschleißen !!!!!!

Gast: WFP
17.10.2012 11:31
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Gerecht???

Jeder Österreicher hat den, seinem Einkommen entsprechenden, Steuersatz zu entrichten. Dass die Bauern so gut wie nichts bezahlen und vom Rest der Bevölkerung erhalten werden, ist ein Schlag ins Gesicht von jedem der wirklich Steuern abliefern muss!

Gast: Vernunftwende
17.10.2012 08:45
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Man sollte auch erwähnen dass über 90 % der Bauernpensionen vom Steuerzahler gedeckt werden - und da Bauern eher wenig Steuern zahlen heißt dass: von allen Nichtbauern!

Aber laut Bauernkammer muss das so sein weil wir ja sonst alle verhungern würden oder das Kilo Schweinefleisch ja sonst 50 € kosten würde.

Blöd nur wenn man Vegetarier ist....

„So haben wir eine Bürokratielawine für die Landwirtschaft verhindert“

Und der Rest der Steuerzahler zahlt das und das nennt die ÖVP dann Steuergerechtigkeit! Weg mit dieser miesen Bauernpartei! Jeder Lohnsteuer zahlende Arbeitnehmer sollte das bei der nächsten Wahl bedenken!

manche sind gleicher


Gast: smilefile
17.10.2012 07:45
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Höchstbemessungsgrundlage 2011



....€ 260,- jährlich! / ...

wo ist das die Gleichstellungskommission ??

Wenn die landwirtschaftlichen Betriebe in den Steuerklassen arbeiten,..ist das reine Liebhaberei,...!

Und dann fällt die Wirtschaftlichkeit,..damit auch die Möglichkeit der Abschreibungen,- sowíe der Anspruch auf Förderungen ecetra,....

Einheitswertreform ist eine Frechheit und typische Klientelpolitik

Ein Armutszeugnis für die SPÖ, dass sie da mitmacht. Ich fürchte, solange die ÖVP mit am Ruder ist, wird sich an der Begünstigung der Bauern nie was ändern.

Die Bauern führen Aufzeichnungen, das weiß jeder. Keine Bank gibt einen Kredit für Investitionen, wenn man ihr einen Einheitswertbescheid vorlegt, die will Zahlen sehen. Und diese Zahlen gehören auch dem Finanzamt vorgelegt, bis 700 TEUR Umsatz Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, ab 700 TEUR Bilanzierung. Alles andere ist Augenauswischerei, wie im Kommentar treffend geschrieben.

Re: Einheitswertreform ist eine Frechheit und typische Klientelpolitik

schon mal den grünen bericht gelesen? es gibt umsatzgrenzen, ab denen betriebe buchhaltung machen müssen - das trifft aber nur wenige betriebe mit sonderkulturen. ich schätze mal, dass bei der von ihnen geforderten grenze eher noch weniger betriebe buchhalten müssten.

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Bauern-die echten Privilegienritter

Österreichs!
Eine Frechheit!

Völlig richtig!

Ein Facharbeiter mit 1.500 Euro netto monatlich bezahlt rund 3600 Euro Lohnsteuer jährlich. Ein Betrag, den nichteinmal die allerreichsten Bauern bezahlen. Es gibt kaum einen Vollzeitbauern der nicht allein schon von der EU (also von den Steuergeldern der anderen Berufsgruppen) mehr Geld geschenkt bekommt als ein Facharbeiter verdient.

Hobbyökonom