Andreas Bierwirth kommt eigentlich aus der Luftfahrt-Branche. Vier Jahre war der gebürtige Deutsche im Vorstand der AUA. Seit Anfang September ist der 40-Jährige nun Chef der T-Mobile Austria. Als "Neuling" habe er erkannt, dass in der Mobilfunkbranche in Österreich "etwas nicht zusammen passt". Die Nachfrage nach dem Produkt steige kontinuierlich, während die Umsätze seit Jahren rückläufig sind, erklärte er bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer CEO am Mittwoch in Wien. Die Gründe dafür sieht Bierwirth in dem enormen Preiskampf, der in Österreich sogar zu niedrigeren Preisen als in Osteuropa geführt hat. Und das, obwohl der Netzausbau aufgrund der schwierigen Topografie hierzulande teurer ist. "Dieser Widerspruch ist einzigartig", sagt Bierwirth.
Schluss mit "All-In-Tarifen"
Der Branchen-Neuling will dem so schnell wie möglich ein Ende setzen. "Wir brauchen neue Preiskonzepte", sagt er und meint damit vor allem die niedrigen "All-Inclusive-Preise" für mobiles Internet. Es könne nicht sein, dass die Preise so gestaltet sind, dass ein Handy mit Videotelefonie via Internet als Babyphone genutzt werde. T-Mobile soll der erste Anbieter sein, der mit solchen Preismodellen in Österreich aufräumt. Ob andere dann nachziehen, wisse er nicht. "Aus dem Markt hinaus preisen" möchte man sich dennoch nicht, stellt Bierwirth klar. Die Preise pro Megabyte werden weiterhin sinken. Aber es werde eben nicht mehr unendlich viele Megbytes zum selben Preis geben. Die All-In-Tarife seien ein Fehler gewesen, der in anderen Ländern nicht in diesem Ausmaß passiert sei. Zu 70 Prozent sei das Problem hausgemacht, aber auch die Regierung trage durch zusätzliche Regulierungsmaßnahmen Mitschuld.
Wachstum bis 2015
Bis 2015 will Bierwirth der T-Mobile-Austria wieder zu Wachstum verhelfen. Nächstes Jahr müsse man sich erst einmal um die Reduzierung des Umsatzverfalls von 40 Millionen Euro kümmern, der aus neuen Terminierungsentgelten entstanden ist. Der Umsatz ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr im einstelligen Prozentbereich gesunken, sagte Bierwirth ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen. Im ersten Halbjahr erzielte T-Mobile Austria mit 4,9 Prozent mehr Kunden einen um 2,6 Prozent geringeren Umsatz als vor einem Jahr. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank im Jahresvergleich um 11,7 Prozent auf 113 Millionen.
Knapp 100 Millionen Euro sparen
Bis 2015 soll auch kräftig gespart werden. Knapp unter 100 Millionen Euro sollen zum Beispiel durch Netzwerkkooperationen und einen "selektiven Jobabbau" gespart werden. Mehr herausholen will der neue Chef aus der Marke Telering und aus dem Geschäftskundenbereich. Ein neues Produkt in Zusammenarbeit mit T-Systems solle die Position im Geschäftskundenbereich bereits 2013 um 50 Prozent verbessern.
LTE: Angst vor Wettbewerbsnachteil
"Wir müssen unsere Wirtschaftlichkeit steigern", sagt Bierwirth. Das sei vor allem wichtig, damit die Konzernmutter wieder einen Grund hat in Österreich zu investieren. Im Auge hat Bierwith dabei vor allem die Netzaufrüstung und den Ausbau für die nächste Mobilfunkgeneration LTE. Er fürchtet, dass die Frequenzumwidmung, die für kommendes Jahr geplant ist, vor allem A1 und 3 helfen wird und T-Mobile sogar aus dem Markt drängen könnte. Es wäre fatal, wenn "ein neues iPhone mit LTE kommt und T-Mobile der einzige ist, der das nicht kann". Das könne zu einem Wettbewerbsnachteil erwachsen, der nicht mehr aufzuholen ist. "Das ist ein GAU, den wir unbedingt verhindern müssen".
(sg)
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