Wien/ES. Bei US-Unternehmen mit Sitz in Österreich trübt sich die Stimmung wieder ein. 103 Geschäftsführer, die von der American Chamber of Commerce in Austria (AmCham) befragt wurden, sehen sowohl die aktuelle Geschäftslage (Umsatzentwicklung und Ertrag) als auch die Geschäftserwartungen für die Zukunft pessimistisch. Während die Stimmungslage der Unternehmer sich Mitte bis Ende 2011 leicht gebessert hat, geht das Stimmungsbarometer seit 2012 wieder nach unten. Vor allem bei Beschäftigung und Investitionen sehen US-Unternehmen, darunter etwa Microsoft, Hewlett Packard oder McDonald's, schwarz.
Euro- oder Staatenkrise?
Nur knapp ein Fünftel (18 Prozent) der US-Unternehmer rechnet aber mit einem Zusammenbruch der Eurozone und hat entsprechende Maßnahmen eingeleitet, wie etwa einen Investitionsstopp und die Verschiebung von Cash-Positionen in andere Währungen. Die 76 Prozent, die ihr Unternehmen nicht von einem potenziellen Zerbrechen der Eurozone gefährdet sehen, seien in der Lage, „zwischen den Ländern zu differenzieren“, sagt Felix Thun-Hohenstein, Präsident der AmCham Austria: „Sie sehen die Krise nicht als Krise des Euro, sondern als Krise der Staaten.“
Trotzdem verliert Österreich als Unternehmensstandort an Attraktivität. Während Anfang 2011 zehn Prozent fanden, die Standortattraktivität habe abgenommen, waren es Mitte 2012 schon 17 Prozent. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir uns verbessern. Momentan schwimmen wir in der Mittelmäßigkeit“, sagt Thun-Hohenstein. Punkten kann Österreich bei Lebensqualität und Sicherheit, der Infrastruktur und qualifizierten Arbeitskräften. Zu den Minuspunkten zählen zu hohe Lohnnebenkosten, die Unternehmensbesteuerung und das Gehaltsniveau. Auch die Bürokratie bei Genehmigungen und Förderungen wird bemängelt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2012)
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