Gerasdorf. Es ist das letzte Mal, dass ein riesiges Einkaufszentrum auf eine grüne Wiese gepflanzt wird. Das letzte Mal, dass ein (schwarzer) Landeshauptmann das rote Band zur Eröffnung durchschneidet und von Impulsen für die Region, den vielen Jobs spricht. Das letzte Mal, dass geladene Gäste mit Weingläsern und Fingerfood am Abend, viel später als gewöhnlich erlaubt, durch ein blitzblankes EKZ in der Peripherie spazieren.
Aber am Mittwochabend war es noch einmal so weit. Die Eröffnung des G3 wurde am Vorabend des offiziellen Starts gefeiert. Weil aber Einkaufszentren ein bisschen aus der Mode sind, spricht man im G3 von einem „Resort“. „Wir eröffnen nicht bloß noch ein Einkaufszentrum, sondern beschreiten in mehrerer Hinsicht neue Wege“, sagt Thomas Jakoubek, der Geschäftsführer des Projektentwicklers und Eigentümers BAI. Wenngleich schon vor dem Start mitunter als „Dinosaurier“ betitelt, der Start ist gut gelaufen: Kilometerweit standen Besucher am Donnerstag auch bis Wien im Stau, um das G3 zu erkunden. Sollte es doch ein Einkaufszentrum neuer Art sein.
Lichtdurchflutet, das wellenförmige Sechs-Hektar-Dach passe sich in die hügelige Landschaft des Weinviertels ein, erklärt Architekt Christoph Achammer. Sogar ein Feng-Shui-Berater war aufgeboten worden, die regionale Verankerung, so Jakoubek, zeige der (vergleichsweise kleine) Weinviertel-Shop, regionale Lieferanten versorgen auch den ansässigen Merkur. Aller Feng-Shui, Resort- und Öko-Ambitionen zum Trotz: Einkaufszentrum bleibt Einkaufszentrum, auch in Gerasdorf. Modern, einladend, aber ein Einkaufszentrum mit entsprechendem Flair: 190.000m Grundstücksfläche, 4000 Parkplätze, prognostizierte 1600 Jobs, 200 Mio. Euro beträgt der mittelfristig erwartete Jahresumsatz. Dafür sollen 18.000 bis 20.000 Besucher täglich sorgen. 70.000m vermietbare Fläche, 140Shops. Neu in den Osten Österreichs geholt wurde das irische Billig-Textil-Label Primark. Einige Marken, Bushman oder Eva's Lingerie, feiern Österreich-Einstand. Die übrigen Mieter sind zum größten Teil bestens bekannt. Dazu kommt ein großzügiges Areal für Kinder und allerlei Gastronomie.
„Mühsamer Weg“ zum Erfolg
„Das G3 ist das größte jemals in Österreich in einem Stück errichtete Shoppingcenter“, sagt Jakoubek. Und nach SCS, Donauzentrum (DZ), Shoppingcity Seiersberg und Plus City nun das fünftgrößte des Landes. In und um Wien ist die EKZ-Dichte rekordverdächtig hoch: 30 Zentren mit 700.000mFläche gibt es, Tendenz steigend. Laut dem Consulting-Unternehmen Regioplan wachse die Verkaufsfläche in der Region von 2006 bis 2014 um ein Drittel, stärker als die Kaufkraft. Noch heuer soll die Erweiterung des Auhof-Centers abgeschlossen werden, das Interspar-EKZ in Meidling eröffnet, ebenso ein Teil von „The Mall“ in Wien Mitte. 2014 kommt jenes am neuen Hauptbahnhof dazu. Diverse andere sollen umgebaut werden.
Die Zeit der EKZ, die auf die grüne Wiese gebaut werden, sei aber vorbei, sagt Regioplan-Geschäftsführer Wolfgang Richter, das erlaube die Flächenwidmung um Wien nicht mehr. Trotz der, wie er sagt, reizvollen Architektur – einfach dürfte es für das G3 nicht werden. Mindestens die Hälfte der Kunden müsse aus Wien kommen, damit es profitabel läuft. Eine Einschätzung, die WU-Professor Peter Schnedlitz teilt. Es werde ein „mühsamer Weg“ zum Erfolg, er spricht von „Knochenarbeit“. Da ein neues EKZ kaum neue Umsätze schafft, herrscht Verdrängungswettbewerb. Im Fall des G3 drohe SCN, DZ und Millenniumcity ein Abwandern der Kunden.

Im DZ gibt man sich gelassen. Man freue sich über einen Besucherrekord, das G3 werde den „Wettbewerbssinn schärfen.“ Dem G3 hat das DZ vor allem die Anbindung ans U-Bahn-Netz voraus. Das G3 liegt an S1, A5 und B7, gilt als Autodestination. Die Betreiber halten entgegen, man habe einen Bus nach Floridsdorf eingerichtet. Schnedlitz sieht das als „Beruhigungspille“. Die aber zu den Öko-Ambitionen passt: Das G3 sei nachhaltig gebaut, ein „Green Building“. „Man muss sich die Ökobilanz inklusive Verkehr anschauen“, sagt Schnedlitz. Ein umweltfreundliches Einkaufszentrum in der Peripherie, ihn erinnere das an Bio-Erdäpfel aus der Wüste Ägyptens.
1. New South China Mall (in der südchinesischen Stadt Dongguan)
2. Golden Resources Mall (China)
3. SM City North Edsa (Philippinen) 4. 1 Utama (Malaysia)
5. Central World (Thailand)
6. Persian Gulf Complex (Iran)
7. Mid Valley Megamall (Malaysia)
8. Cehavir Mall (Türkei)
9. The Dubai Mall (Dubai)
10. West Edmonton Mall (Kanada)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2012)
Handel: G3 in Gerasdorf öffnet seine Pforten




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