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Justiz hat leitenden Raiffeisen-Manager im Visier

22.10.2012 | 17:16 |  Von Christian Höller (Die Presse)

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen 15 Personen aus dem Raiffeisen-Umfeld wegen Insiderverdachts. Davon ist laut „Presse“-Informationen auch ein hochrangiger Manager betroffen.

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Wien. Die am Wochenende publik gewordenen Erhebungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sorgen bei Raiffeisen für Verwunderung. So bestätigte am Montag ein Sprecher der Behörde, dass gegen 15 Personen aus dem Umfeld des Unternehmens wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit Aktien von Raiffeisen International ermittelt wird. Namen nennt der Sprecher nicht. Finanzkreisen zufolge ist von den Erhebungen auch ein leitender Manager betroffen. „Die Presse“ hat sich entschieden, den Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht zu veröffentlichen.

Der Manager, der bei Raiffeisen weiterhin in einer führenden Position tätig ist, wurde dem Vernehmen nach weder von der Finanzmarktaufsicht (FMA) noch von der Staatsanwaltschaft befragt. Das führt zur kuriosen Situation, dass Medien zwar Details über die Verdachtslage kennen. Die Betroffenen wissen dagegen nicht einmal über die Erhebungen Bescheid.

Grundsätzlich dürfen die Justizbehörden gegenüber Medien nur dann die Namen von Verdächtigen nennen, wenn diese in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Der betroffene Raiffeisen-Manager hat sich zwar in der Banken- und Finanzszene einen Namen gemacht, er ist aber keine Person von allgemeinem öffentlichen Interesse. Daher gilt für ihn der Persönlichkeitsschutz.

Monatelange Ermittlungen der Aufsicht

In der Raiffeisen-Causa hat die FMA monatelang ermittelt. Sie wertete dazu zahlreiche Börsentransaktionen aus. Weil sich aus Sicht der FMA der Verdacht erhärtete, wurde der Akt im Frühjahr 2012 der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese muss nun entscheiden, ob Anklage erhoben wird. Die FMA nimmt dazu nicht Stellung.

Bei dem Insiderverdacht geht es um die geplante Fusion der börsenotierten Osteuropa-Tochter Raiffeisen International und Teilen der Raiffeisen Zentralbank (RZB) vor zweieinhalb Jahren. Am 22. Februar 2010 gab Raiffeisen bekannt, dass ein Zusammenschluss beider Institutionen geprüft wird. Die Ankündigung löste an der Börse einen Kurssturz aus. Binnen weniger Tage verlor die Aktie von Raiffeisen International mehr als 20 Prozent an Wert.

Einem „Profil“-Bericht zufolge sollen Mitarbeiter aus dem Umfeld von Raiffeisen Insiderinformationen zu Geld gemacht haben. Sie sollen vor Bekanntgabe der Fusionsüberlegungen Aktien verkauft und dadurch Verluste begrenzt haben.

Sowohl Primär- als auch Sekundärinsider

Bei den 15 Personen soll es sich um Primär- und Sekundärinsider handeln. Primärinsider sind Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit Kenntnis von kursrelevanten Informationen erhalten haben. Sekundärinsider werden meist von Primärinsidern informiert. Im Fall von Raiffeisen sollen sich die 15 Personen einen Vermögensvorteil von 87.000 Euro verschafft haben. Rein rechnerisch geht es um 5800 Euro pro Person. Bei dem leitenden Raiffeisen-Manager sollen es weniger sein.

Handeln die Ermittler angemessen?

Und genau bei diesem Punkt setzt die Kritik am Vorgehen der Behörden an. Im Umfeld von Raiffeisen heißt es, dass  es hier um vergleichsweise bescheidene Beträge geht. Das Vorgehen der Behörden sei daher unangemessen. Der Insiderverdacht wird von Raiffeisen bestritten. „Wir kennen bisher nicht einmal die Anzeige“, sagt dazu Raiffeisen-Sprecher Andreas Ecker.

Die Ermittler betonen jedoch, sie seien vom Gesetz her verpflichtet, jedem Insiderverdacht nachzugehen, selbst wenn nur ein Vermögensvorteil von einem Euro erzielt worden sei.

Den Personen aus dem Raiffeisen-Umfeld droht bis zu drei Jahre Haft. Im Börsengesetz heißt es dazu: „Wer als Insider eine Insider-Information mit dem Vorsatz ausnützt, sich oder einem Dritten einen Vermögensvorteil zu verschaffen, indem er davon betroffene Finanzinstrumente kauft, verkauft oder einem Dritten zum Kauf oder Verkauf anbietet“, ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bedroht. Liegt der Vermögensvorteil bei über 50.000 Euro, ist ein Strafrahmen von bis zu fünf Jahren möglich. Dies ist bei Raiffeisen nicht der Fall. Für die Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

Auf einen Blick
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen 15 Personen aus dem Raiffeisen-Umfeld wegen des Verdachts des Insiderhandels. Davon ist auch ein leitender Angestellter betroffen. „Wir kennen die Anzeige nicht“, sagte dazu am Montag ein Raiffeisen-Sprecher. Er weist den Insiderverdacht zurück. Laut „Profil“ sind von den Erhebungen keine aktiven Vorstände und keine Aufsichtsräte der Raiffeisen Bank International und der Raiffeisen Zentralbank betroffen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)

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22 Kommentare
Gast: stadl
23.10.2012 18:51
0 0

unbegreiflich

Da werden jahrzehntelang abgehalfterte Politheinis mit lukrativen Posten bei Raffeisen bedient und dann sind sie nicht fähig, die Justiz in die Schranken zu weisen. Pfui Teufel, es gibt keine Dankbarkeit mehr auf der Welt !!!

Gast: Unschuld vom Land
23.10.2012 18:20
0 0

5.800 pro Person


Und dafür wird monatelang ermittelt? Pseudo - Action bei den kleinen Fischen?

Wovon will man ablenken?

5800 Euro pro Person

diese Personen müssen entweder sehr dringend Geld gebraucht haben oder sind sehr dumm, denn das sind bei solchen Personen peanuts, je nach Position 1-2 Monatsgehälter (netto)

Antworten Gast: psychologe0815
23.10.2012 17:26
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Re: 5800 Euro pro Person

Möglicherweise durch die berufliche Prägung der verinnerlichten Gier?

Antworten Gast: Liber Al
23.10.2012 12:36
0 0

Re: 5800 Euro pro Person

5800 euro ist wirklich nicht viel!! na ja, wenn dort die grossen erwirtschafter u. marktüberblicker sitzen würden bräuchten sie ja wohl auch keine staatshilfe (denn es wird in öst. so getan als wäre dies flächendeckend so,nein eben nicht , sehr viele banken in europa u. den usa brauchten eben keine staatshilfe,kanada ist z.b generell ohne staatshilfe ausgekommen, weiters sind auch banken gestärkt aus der krise hervorgegangen bzw. haben auch interne bereinigungen getätigt,dies alles ist bei österreich blitzgneisser- bankern vorübergegangen wie ein maiaufmarsch),so gesehen sollte es wirklich unregelmässigkeiten (es gilt die patentierte öst. unschuldsvermutung) egeben haben wird das eher auf das niveau "überfall auf einen schnapsladen bzw. radkappendiebstahl" hinauslaufen,so hat eben "dieses" system auch einen vorteil ,wo die regulären gewinne niedrig sind sind auch irregulären nicht hoch !! ps: ich werde mich zurücklehnen u. mir das genüsslich reinziehen wie eine simpl-revue von anno dazumal denn es wird nichts herauskommen bei der geschichte ausser eben ein bissl ein unterhaltungswert !! grüssi

Gast: DrWernerZoner
23.10.2012 11:33
0 0

Kritik unverständlich

Die Kritik bzw Verwunderung, die von Raiffeisen angesichts "bescheidener" Beträge geäußert wird ist mir unverständlich. Erstens muss ich mehrere Monate arbeiten, bis 5.800 Euro beisammen habe, Zweitens geht es primär um den Unrechtsgehalt der Tat selbst. Ein seriöses Bankunternehmen sollte an der schonungslosen Aufklärung derartiger Vorgänge ebenso interessiert sein wie daran, dass Delinquenten starfrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden, gerade wenn es sich um Leute aus den eigenen Reihen handelt.

Antworten Gast: Unschuld vom Land
23.10.2012 18:12
0 0

Re: Kritik unverständlich

Zitat
Ein seriöses Bankunternehmen

Der ist gut!

Insidergesetz

Als Insider muss man ( im Normalfall ) einige Dokumente unterzeichnen, die neben der Feststellung, dass man zum Kreis der Insider gehört, auch der Empfang umfangreicher Informationsdokumente bestätigen muss. Diese Dokumente erklären ausführlich, welche Pflichten und Verbote sich aus dem dasein eines Insiders ergeben. Wer trotzdem glaubt, dass er machen kann was er will, ist entweder mit mangelnder Intelligenz, erhöhtem Trieb zur Gier, naiven Rechtsverständnis oder dem blinden Vertrauen in das Versagen der Justiz ausgestattet. Als Angestellter Insider besitzt am Besten weder dieser selbst, noch die direkte Familie oder deren Abkömmlinge Aktien des Arbeitgebers. Das ist die Beste Vermeidung von Interessenskonflikten.

Gast: mal offen gesagt
23.10.2012 10:23
1 0

Wie steht es mit dem Amtsgeheimnis in Österreich?

ich gratuliere der Presse zu diesem Artikel; interessanterweise geht es bei dem Kommentaren hier im Forum nur um das übliche Banken- und Politiker- Bashing.

Warum kommen immer wieder Informationen über Erhebungen der FMA und der Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit, bevor die Beschuldigten befragt werden?

Enthüllungsjournalismus ist etwas Gutes, aber was die FMA hier aufführt ist Rufschädigung. Und auch das Amtsgeheimnis zu brechen, ist eine Vergehen, das langsam geahndet werden muss

Na ja, unter dem

Schutzmantel der ÖVP lässt sich vieles machen!

Antworten Gast: ovi
23.10.2012 09:35
0 0

Re: Na ja, unter dem

liebe(r) tiger10 ... verwechseln Sie nicht Ursache und Wirkung!

unter dem Schutzmantel von Raiffeisen lässt sich vieles (in der ÖVP) machen ...

Raiffeisen hält sich eine Partei; nicht die Partei den Konzern!

Antworten Antworten Gast: pächter der wahrheit
23.10.2012 10:44
1 0

Re: Re: Na ja, unter dem

Ganz Ihrer Meinung.

Aber wegen Stronach heulen, er kaufe sich die Politik.

Die ÖVP steht bereits im Privatbesitz. Möglicherweise könnte man noch investieren in die eine oder andere Person.

Bei der ehem. Sozialdemokratischen Partei (das demokratisch kann man seit St Pölten weglassen) sieht es ähnlich aus, hier sind halt halböffentliche Institutionen am Ruder. Bei den freiheitlichen ist es wohl der blaue Flügel der Rechtsanwaltskammer, Steuerberater und Notare.

Die Presse...

...entscheidet nicht, sie wird entschieden!

„Die Presse“ hat sich entschieden, den Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht zu veröffentlichen.

Gast: Don Camillo
22.10.2012 20:47
7 0

Die Kirche im Dorf lassen

Bei den Minimalbeträgen, ca 6.000 € Pro Mann und Nase, und so einer wahnwitzigen Verdachtslage kann man der STA nur empfehlen, die Manpower bitte bei den Milliardenfällen wie Kommunalkredit, Hypo AA, Volksbanken, BUWOG, ESM usw einzusetzen, da gehts ja wiklich ums "Eingemachte"

0 1

Re: Die Kirche im Dorf lassen

Ergaunertes Geld ist ergaunertes Geld und die Gauner sind zur Rechenschaft zu ziehen, egal wie hoch die Schadenssumme ist, denn die wird dann lediglich im Strafmaß berücksichtigt.

Außerdem scheint die Korruptionsstaatsanwaltschaft ohnehin noch die Staatsanwaltschaft zu sein, die ihren Auftrag ernst nimmt. Deswegen wurden ihr ja im Fall Faymann ja auch fluggs die Agenden entzogen nachdem sie in kürzester Zeit zuviel Belastendes ermittelt hatten und der roten Zelle StA Wien übertragen.


Gast: Baur4
22.10.2012 20:34
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Raiffeisen zahlte für 2 Mrd. Gewinn

lediglich 1% Steuern; ganz legal.

Von 1% Lohnsteuer kann jeder Kleinverdiener nur träumen.

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Re: Raiffeisen zahlte für 2 Mrd. Gewinn

Und weiter?

Gast: Christian D.
22.10.2012 20:27
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Wissen von einem Simmeringer der Wirtschaft studiert hat und dort angefangen hat, und binnen Monaten hat er sich schon ein Häusl gebaut, neues Auto, usw. Wir haben uns nur gewundert wo das Geld kommt?!


Schon mal gehört:

Gute Bonität - Kredit, Leasing???

Re: Wissen von einem Simmeringer der Wirtschaft studiert hat und dort angefangen hat, und binnen Monaten hat er sich schon ein Häusl gebaut, neues Auto, usw. Wir haben uns nur gewundert wo das Geld kommt?!

Neidhammel

Antworten Gast: Franz666
22.10.2012 20:35
4 0

Re: Wissen von einem Simmeringer der Wirtschaft studiert hat und dort angefangen hat, und binnen Monaten hat er sich schon ein Häusl gebaut, neues Auto, usw. Wir haben uns nur gewundert wo das Geld kommt?!

Bei der Bawag ist es in der Karibik......

3 3

Die schwarze Mafia

wird ja doch nichts unrechtes gemacht haben? Das kann doch nicht sein? Wo kämen wir da denn hin?
;-)

Hobbyökonom