Die erste Verhandlungsrunde für die neuen Gehaltsabschlüsse im Handel ist nach nur etwa fünf Stunden unterbrochen worden. Weiter verhandelt wird aber bereits kommenden Mittwoch, den 31. Oktober, ab 10.30 Uhr. Sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber beschrieben das Gesprächsklima im Anschluss als "sehr gut und konstruktiv". Beide Seiten legten ihre Positionen dar, in Detailverhandlungen sei man aber noch nicht gegangen, sagten die Verhandlungsführer beider Seiten.
Einig wurde man sich über die Inflationsrate, die für die Bewertung des Gehaltsabschlusses herangezogen wird. Für den Zeitraum Oktober 2011 bis September 2012 wird von einer Teuerung von 2,65 Prozent ausgegangen.
Gewerkschafts-Chefverhandler Franz Georg Brantner hatte schon im Vorfeld einmal mehr klar gemacht, dass für die Beschäftigen eine "kräftige reale Gehaltserhöhung deutlich über der Inflationsrate" herausschauen muss. Eine Prozentzahl nannte er jedoch nicht. "Die Zahlen verraten wir den Arbeitgebern", sagte sein Co-Verhandler Manfred Wolf von der GPA-djp.
Für die Bewertung des Gehaltsabschlusses wird die Inflationsrate von Oktober 2011 bis September 2012 herangezogen. Die Arbeitgeber gehen hier von 2,65 Prozent aus. GPA-Vizechef Karl Proyer hatte vor kurzem gesagt, dass die Erhöhung zumindest um einen Prozentpunkt über der Inflationsrate liegen müsse, damit den Menschen netto real etwas bleibe. Das würde bedeuten, dass der Abschluss bei 3,65 Prozent liegen müsste - damit wäre er höher als bei den Metallern, die sich vergangene Woche auf ein Lohnplus von 3,0 bis 3,4 Prozent einigten. Traditionell schließt der Handel aber unter den Metallern ab.
60 Prozent der Firmen schreiben rote Zahlen
"Keinen Spielraum" sieht Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller bei der Gewerkschafts-Forderung nach der sechsten Urlaubswoche. Momentan bekommen Beschäftigte die sechste Urlaubswoche nur dann, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten. Aus Vordienstzeiten sowie Schul- und Studienzeiten werden bisher maximal zwölf Jahre angerechnet. "Da sind wir eh schon sehr großzügig", findet Buchmüller. Laut Gewerkschaft bleiben Handelsmitarbeiter im Schnitt zwei bis fünf Jahre bei einem Arbeitgeber und erleben die sechste Urlaubswoche so nicht. In den Genuss einer sechsten Woche Urlaub im Jahr kommen nach Gewerkschaftsangaben nur 5 Prozent der Handelsangestellten.
Den Arbeitgebern kostet jeder Prozentpunkt 170 Millionen Euro. "60 Prozent unserer Unternehmen schreiben negative Ergebnisse", sagte Buchmüller. "Wir wollen ein tragbares Ergebnis für beide Teile." Welcher Prozentsatz aus Sicht der Arbeitgeber tragbar ist, sagte er nicht. Für seinen Co-Verhandler Rene Tritscher ist es in jedem Fall "nicht zielführend, die Branche vor dem Start der Verhandlungen schlecht zu reden". "Die Gewerkschaft schadet den Betrieben und Mitarbeitern, wenn sie von einer Niedriglohnbranche spricht", so Tritscher.
Uneinigkeit über eigene Arbeitsgruppen
Die Gewerkschaft hatte sich im Vorfeld auf eine IFES-Umfrage berufen, wonach das Brutto-Durchschnittsgehalt für Vollzeitbeschäftigte im Handel monatlich um rund 380 Euro niedriger ist als das Durchschnittsgehalt von Angestellten anderer Branchen. Ziel der diesjährigen Verhandlungen soll es sein, diesen Unterschied kleiner zu machen.
Während die Gewerkschaft rahmenrechtliche Themen wie die Zuschlagsregelung oder die Bestimmungen der Samstagsarbeit in eigene Arbeitsgruppen ausgelagert wissen will, möchten die Arbeitgeber sie im Rahmen der KV-Verhandlungen behandeln. Hier müsse endlich was passieren, denn unter dem Jahr sei es noch zu keiner Einigung gekommen, kritisierte Buchmüller.
Arbeitgeber wollen "Superwochenenden"
Konkret wollen die Arbeitgeber eine flexiblere Gestaltung bei der Arbeit am Samstag. Derzeit dürfen Beschäftigte im Handel nur jeden zweiten Samstag (nach 13.00 Uhr) arbeiten - eine Regelung, die sowohl vom Handel als auch von vielen Mitarbeitern als nicht mehr zeitgemäß angesehen wird. Die Arbeitgeber stellen sich ein Modell mit mehreren sogenannten "Superwochenenden" im Jahr vor, an denen die Beschäftigen fix an drei aufeinanderfolgenden Tagen frei haben - also Freitag, Samstag, Sonntag oder Samstag, Sonntag, Montag. Das restliche Jahr sollen sich die Mitarbeiter aussuchen können, ob sie samstags arbeiten wollen oder nicht.
Ein weiteres Anliegen der Arbeitgeber ist eine Vereinfachung bei den Zuschlägen. Wer samstags ab 13.00 Uhr oder unter der Woche abends ab 18.30 Uhr arbeitet, bekommt Zuschläge. "Derzeit ist das Modell so, dass die Mitarbeiter am Anfang des Monats nicht wissen, wie viel sie verdienen", meinte Tritscher. Das könnte durch eine Pauschalierung vereinfacht werden - etwa durch ein erhöhtes Mindestgehalt.
(APA)
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