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Florian Größwang: "Es gibt einen Biedermeier-Effekt"

27.10.2012 | 18:02 |  von Gerhard Hofer (Die Presse)

Wein-&-Co-Geschäftsführer Florian Größwang geht lieber zur Weinkost als zur Weinlese, verpasst der Handelskette eine Fitnesskur, expandiert nach Deutschland und will jungen Menschen Wein schmackhaft machen.

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Als Sie im Frühjahr die Geschäftsführung bei Wein & Co übernommen haben, trainierten Sie gerade für den Wien-Marathon. Noch immer so sportlich oder mittlerweile doch eher Verkostungsmarathon?

Florian Größwang: Den Wien-Marathon nutzten Eigentümer Heinz Kammerer und ich bekanntlich zur Staffelübergabe. Im Übrigen haben wir damals hausintern gewonnen, wir waren die schnellste Wein-&-Co-Staffel. Aber nach wie vor ist der Sport neben dem Trinkgenuss in meinem Leben wichtig. Ich bin heuer auch den Holzstraßenlauf in der Steiermark gelaufen und wollte den Großglocknerlauf absolvieren. Da hat mir das Wetter aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

 

Und jetzt verpassen Sie Wein & Co ein „Fitnessprogramm“, wie Sie es selbst bezeichnen. In der Wirtschaft assoziiert man mit Fitness mittlerweile vor allem Personalabbau.

Bei uns bedeutet es nicht weniger Personal, sondern dass wir das vorhandene Personal effizienter einsetzen wollen. Wir wollen Prozesse optimieren, etwa die Logistik.

 

Wie setzt man Personal im Handel effizienter ein?

Indem man etwa in den Stores weniger Personal hat, wenn wenig los ist.

 

Jetzt ist Herbst, die Weinlese vielerorts schon fast zu Ende. Haben Sie auch irgendwo Wein geerntet?

Nein, im Weingarten war ich heuer nicht, aber dafür bei sehr vielen Weinverkostungen. Vor allem im Oktober und November ist da viel los. Unsere eigene Hausmesse, die Mondovino, findet übrigens am 16. und 17. November im Wiener Konzerthaus statt. Da kommen mehr als 200 Winzer aus aller Welt. Das ist neuer Rekord.

 

Derartige Events werden im Handel immer wichtiger. Auch um jüngeres Publikum zu gewinnen?

Natürlich stellen wir uns die Frage: Wie bekommen wir junge Leute dazu, sich für Wein zu begeistern? Und die Antwort lautet: mit emotionaler Bindung. Deshalb verstärken wir die Events rund um das Thema Wein. Wir veranstalten 350-mal im Jahr unsere Wein-ABCs, da kommen viele Junge. Und natürlich erschließen wir neue Vertriebskanäle. In den nächsten drei Wochen bringen wir eine der modernsten Apps heraus. Und darüber hinaus sind auch unsere Weinbars für junge Menschen sehr interessant.

 

Wie viele Menschen in Österreich sind denn überhaupt weinaffin?

Ein Drittel der Österreicher kauft Wein ein. Und von diesem Drittel ist wiederum ein Drittel Wein-&-Co-Kunde. Diese Menschen kaufen aber auch im Internet und ab Hof ein. Sie sind daran interessiert, immer wieder Neues auszuprobieren. Und sie geben für gute Dinge gern auch den einen oder anderen Euro mehr aus.

 

Wie viel lässt sich ein Wein-&-Co-Kunde im Schnitt eine Flasche Wein kosten?

Zwölf Euro. Das ist der Durchschnittspreis unserer Weine.

 

Weinhändler erzählen, dass in der jetzigen wirtschaftlichen Situation die mittelpreisigen Weine zwischen zwölf und 20 Euro ein Problem bekommen. Die Kunden greifen entweder zu günstigen und zu exklusiven Flaschen. Stimmt das?

Das könnte ich für Wein & Co nicht bestätigen.

 

Ist die Treue zum österreichischen Wein ungebrochen?

Das kann man so sagen. Die Hälfte unserer Weine kommt aus Österreich, dieser Anteil ist seit vielen Jahren ziemlich stabil. Aber wir beobachten auch, dass viele zu uns kommen, um Neues abseits des österreichischen Weins zu entdecken.

 

Und nicht jeder, der Wein kauft, trinkt ihn dann auch.

Das ist ein ganz besonders wichtiger Aspekt. Das Geschenkmotiv. Wein ist eben ein beliebtes Mitbringsel und auch ein Weihnachtsgeschenk.

 

Wenn man sich die Shops von innen ansieht, gewinnt man den Eindruck, dass das „Co“ immer mehr an Bedeutung gewinnt. In den Regalen findet man Spirituosen, Öle, Pasta und vieles mehr.

Wein wird auch in Zukunft an erster Stelle stehen, das „Co“ rundet das Sortiment mit hochwertigen Produkten ab, die natürlich zum Wein passen.

Apropos abrunden: Demnächst kommt also doch der lange erwartete Schritt nach Deutschland. Was macht Sie so sicher, dass das Konzept auch beim Nachbarn aufgeht?

Wir werden erstens einmal Deutschland sehr begrenzt in Angriff nehmen. Wir wollen in Bayern Shops eröffnen. Das ist von der Logistik her einfach, weil es vor der Haustür liegt und die bayerische Mentalität ist unserer sehr ähnlich.

In Österreich sind keine weiteren Filialen geplant?

Wein & Co deckt mit seinen 19 Standorten das Land ziemlich gut ab, denke ich.

Werden in Deutschland mehr deutsche oder italienische Weine im Regal stehen?

Das muss nicht sein. Wir sehen das bei unserem Onlineverkauf. 30 Prozent unserer Internetkunden kommen aus Deutschland. Das bestehende Sortiment hat also gute Chancen, auch in Bayern erfolgreich zu sein.

Wie sieht der deutsche Plan aus?

Wir beginnen in Frühling mit der Evaluierung verschiedener Standorte. Wir planen 2015 mit einem Flagshipstore in München zu starten. Wir planen drei bis vier Standorte in Bayern.

Rückpass zum Onlinegeschäft. Wie wichtig ist es mittlerweile?

Wir machen damit zehn bis 15 Prozent unseres Umsatzes. Die Kunden werden immer hybrider und nutzen verschiedene Kanäle. Es ist auch sehr bequem, online zu bestellen und den Wein am nächsten Tag zugestellt zu bekommen.

Zieht sich der Genuss in die eigenen vier Wände zurück? Vielleicht auch infolge der Wirtschaftskrise?

Ich glaube es gibt so etwas wie einen Biedermeier-Effekt. Andererseits können wir einen Rückzug aus der Gastronomie bei uns nicht erkennen. Auch in unseren Weinbars sind die Umsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr gestiegen.

Woher kommt Ihr aktueller Lieblingswein?

Ich bin derzeit sehr von südafrikanischen Weinen angetan.

Da merkt man doch noch den Einfluss von Wein-&-Co-Gründer Heinz Kammerer. Und er sagte bei seinem Rückzug, er wolle nur noch Klavier spielen.

Es stimmt, dass mich Kammerer für Südafrika begeistert hat. Er ist viel unterwegs und somit der beste Trend-Scout, den es für Wein & Co gibt. Sonst übt er gerade an einem neuen Klavierstück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2012)

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