Täglich müssen 25 Firmen vor den Konkursrichter

09.11.2012 | 18:39 |   (Die Presse)

Die Wirtschaftskrise erwischt vor allem Klein- und Mittelbetriebe. Dienstleister wie Frächter oder private Post- und Kurierdienste sind am meisten betroffen – noch vor den Bauunternehmen.

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Wien/Eid/Red. Die Probleme haben zwar in den USA, Asien und Europa andere Ursachen, aber die Wirkung ist dieselbe: Weltweit trübe sich die Wirtschaftslage weiter ein, heißt es im monatlichen Konjunkturbericht des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Auch wenn das Wifo für Österreich an seiner jüngsten Prognose festhält, die für heuer und 2013 ein minimales Wachstum von 0,6 bzw. einem Prozent vorsieht – die negativen Folgen sind auch hierzulande deutlich zu spüren. An jedem Arbeitstag müssen 25 Firmen zum Konkursrichter, deutlich mehr als im Vorjahr.

In den ersten neun Monaten wurden 2666 Insolvenzverfahren eröffnet, das sind um 8,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die mangels Geldmitteln abgewiesenen Pleitefälle gingen hingegen laut der Statistik der Creditreform um 6,3 Prozent auf 2055 zurück. Jede fünfte Pleite wird nach dem vor zwei Jahren eingeführten Sanierungsverfahren abgewickelt.

 

Situation verschärft sich 2013

Für das Gesamtjahr rechnet Gerhard Weinhofer von der Creditreform mit einem Anstieg der Pleitefälle um zehn Prozent. 3600 eröffnete Verfahren entsprächen einem Niveau von 2009 – das Jahr der Finanzkrise. 2010 und 2011 ging die Zahl der Firmenpleiten um 7,6bzw. acht Prozent zurück. Da die Insolvenzen die Wirtschaftslage immer zeitverzögert widerspiegeln, dürfte sich die Situation im nächsten Jahr weiter verschärfen, meint Weinhofer. Eine Zahl dokumentiere den Negativtrend: Allein im Oktober wurden um 19Prozent mehr Verfahren eröffnet.

Neben der schlechten Wirtschaftslage sind Managementfehler die Hauptursache dafür, dass ein Unternehmen in die Schieflage gerät. Angesichts der angespannten Lage sollten die Unternehmen noch mehr auf ihre Liquidität achten, heißt es bei der Creditreform.

„Es erwischt vor allem viele Klein- und Mittelbetriebe“, sagt Weinhofer. Die Branche „Verkehr- und Nachrichtenübermittlung“ sei am häufigsten betroffen. Dort liegt die Insolvenzquote bei 30,1 (30von 1000 Firmen in der Branche sind insolvent). Dazu gehören Frächter, Taxiunternehmen, Bahn- und Fluglinien wie auch private Post- und Kurierdienste. An zweiter Stelle liegt die Bauwirtschaft. In Wien sind Firmen generell am meisten gefährdet, in der Bundeshauptstadt liegt die Insolvenzquote bei 17,3. Den größten Zuwachs an Pleiten verzeichnete im Jahresverlauf bisher aber das Burgenland (plus 49,6 Prozent). Die größten Pleitefälle waren heuer die „CEGas Marketing & Trading“ (Wien), Kappa Thermenbeteiligung (Steiermark), Bogner Edelstahl (Wien), Neckermann Versand Österreich (Steiermark) und Bioenergie Burgenland Service (Burgenland).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2012)

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